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Stadia angespielt: Was Zocker von dem Dienst erwarten können

Stadia: Google steigt ins Cloud-Gaming-Geschäft ein. (Foto: Google)

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Mit Stadia will sich Google eine Poleposition beim Cloud-Gaming sichern. Wir konnten Stadia vorab testen und verraten euch, was Zocker von dem Dienst erwarten können – und wie es weitergeht.

Cloud-Gaming soll der nächste große Wachstumstreiber der Videospielindustrie werden. Schätzungen zufolge könnte der Markt bis 2025 auf ein Volumen von bis zu acht Milliarden US-Dollar anwachsen. Kein Wunder also, dass die Branchenriesen den Markt nicht Startups wie Shadow überlassen wollen. Sony ist mit Playstation Now bereits seit einigen Jahren in dem Sektor aktiv. Microsofts Cloud-Gaming-Angebot xCloud befindet sich seit Oktober 2019 in einer Beta-Phase und soll 2020 auch nach Deutschland kommen. Außerdem arbeiten Medienberichten zufolge auch die Handelskonzerne Amazon und Walmart an eigenen Diensten. Google ist indes schon einen Schritt weiter und startet bereits am 19. November 2019 mit dem Cloud-Gaming-Dienst Stadia – allerdings mit gewissen Einschränkungen.

Während Stadia langfristig auf allen möglichen Geräten zum Einsatz kommen soll, ist der Dienst zum Start noch recht eingegrenzt. Zum Streamen der Spiele auf den Fernseher werden zwingend ein Chromecast Ultra und der offizielle Stadia-Controller benötigt. Wer mobil zocken will, benötigt ferner zwingend ein Smartphone der Pixel-3-Reihe. In dem Fall muss der Stadia-Controller vorläufig noch per Kabel mit dem Smartphone verbunden werden. Für diesen Spielmodus hat Google immerhin auch eine spezielle Smartphone-Halterung entwickelt, die am Controller angebracht wird. Die Kombination aus Smartphone und Controller liegt überraschend gut in der Hand. Wann die Halterung in den Handel kommt, konnten uns die Google-Sprecher allerdings nicht sagen.

Der Stadia-Controller
Der Stadia-Controller lag bei unserem kurzen Hands-on gut in der Hand. (Foto: Google)

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Ebenfalls unbeantwortet blieb unsere Frage danach, wann genau die kostenlose Basisvariante von Stadia verfügbar sein wird. Laut einer Google-Sprecherin soll es zwar 2020 soweit sein, genauer eingrenzen konnte sie den Starttermin jedoch nicht. Zum Start können sowieso nur diejenigen Stadia nutzen, die entweder die 129 Euro teure Premiere-Edition oder die mittlerweile ausverkaufte Founders-Edition erworben haben. Beide enthalten den besagten Controller, ein Chromecast Ultra sowie drei Monate Stadia Pro. Erst zu einem späteren Zeitpunkt kann ein Stadia-Pro-Abonnement auch ohne Kauf der Hardware-Pakete abgeschlossen werden.

Stadia angezockt: Die ersten Eindrücke

Im Rahmen eines Besuchs in Googles Berliner Büros konnten wir einen ersten Blick auf Stadia werfen. Dabei hatten wir die Gelegenheit, mehrere Spiele auf einem bereitgestellten Fernseher und einem Pixel-Smartphone zu testen. Optisch ließen sich dabei keine nennenswerten Mängel feststellen. Das grafisch aufwendige Spiel „Destiny 2: The Collection“, das Stadia-Pro-Abonnenten ohne zusätzliche Kosten spielen können, lief flüssig und ohne Aussetzer. Lediglich beim Start der einzelnen Spiele wirkten die Lade-Screens an manchen Stellen etwas verpixelt. Ähnlich wie bei einem Netflix-Video, das für einige Sekunden nach dem Start in einer etwas niedrigeren Auflösung gestreamt wird, bevor sich das Bild automatisch verbessert. In den eigentlichen Menüs und den Spielen selbst sah jedoch alles gut aus.

Auch die Eingaben über den Stadia-Controller kamen ohne erkennbare Verzögerung bei den Google-Servern und damit auf dem Bildschirm an. Weder beim erwähnten „Destiny 2“ noch bei „Mortal Kombat 11“ gab es bei unserem leider recht kurzen Test etwas zu bemängeln. Darüber hinaus liegt das Game-Pad gut in der Hand und sollte damit auch für längere Zocksessions geeignet sein. Der Controller wirkt äußerst wertig und muss sich auch in der Hinsicht nicht hinter den gängigen Pads von Microsoft und Sony verstecken.

Stadia: Was kostet der Spaß?

Stadia Pro wird hierzulande 9,99 Euro pro Monat kosten. Zusätzlich zu „Destiny 2“ soll es in Zukunft weitere Spiele geben, die Abonnenten des Dienstes ohne zusätzliche Kosten spielen können. Welche das sein werden und wann das Angebot ausgebaut wird, verrät Google bislang aber noch nicht. Klar ist aber, dass ihr auf die im Pro-Abo enthaltenden Spiele auch nur solange im Account der Nutzerinnen und Nutzer verbleiben, wie diese für das kostenpflichtige Abonnement bezahlen. Wer nach einer Pause erneut sein Pro-Abo aktiviert, kann auch die zuvor freigeschalteten Spiele wieder zocken. Games, die in der Zwischenzeit an Pro-Abonnenten vergeben wurden, sind jedoch nicht verfügbar.

Gylt ist das einzige Spiel, dass es zum Start exklusiv für Stadia geben wird. (Screenshot: Tequila Works)

Gylt ist das einzige Spiel, das es zum Start exklusiv für Stadia geben wird. (Screenshot: Tequila Works)

Als zusätzlichen Bonus sollen Stadia-Pro-Abonnenten zukünftig spezielle Rabatte erhalten. Außerdem können sie, eine entsprechende Internet-Bandbreite vorausgesetzt, Spiele in 4k mit 5.1-Surround-Sound streamen. Bei der für 2020 geplanten kostenlosen Base-Version liegt die maximale Auflösung bei 1.080p und der Ton ist lediglich in Stereo verfügbar.

Weitere Spiele müssen bei Google zum Vollpreis gekauft werden. Während Google zunächst nur zwölf Spiele für den Start angekündigt hat, sind es jetzt insgesamt 22. Dabei handelt es sich um:

  • Assassin’s Creed Odyssey
  • Attack on Titan: Final Battle 2
  • Destiny 2: The Collection
  • Farming Simulator 2019
  • Final Fantasy XV
  • Football Manager 2020
  • Grid
  • Gylt
  • Just Dance 2020
  • Kine
  • Metro Exodus
  • Mortal Kombat 11
  • NBA 2K20
  • Rage 2
  • Rise of the Tomb Raider
  • Red Dead Redemption 2
  • Samurai Shodown
  • Shadow of the Tomb Raider
  • Thumper
  • Tomb Raider
  • Trials Rising
  • Wolfenstein: Youngblood

Die Vor- und Nachteile des Cloud-Gamings

Bei unserem Besuch legten die Google-Mitarbeiter vor allem auf einen Vorteil des Cloud-Gamings wert: Die nahezu nicht vorhandenen Hardware-Kosten. Zocker sparen sich die Anschaffungskosten für Konsolen beziehungsweise das zyklische Upgrade ihrer PCs, da die Rechenleistung der eigenen Endgeräte keine Rolle spielt. Außerdem können Stadia-Spiele mit nur wenigen Knopfdrücken von einem Gerät an das andere übergeben werden. Bei unserem Test konnten wir beispielsweise innerhalb weniger Sekunden von dem Fernseher auf ein bereitgestelltes Pixel-Smartphone wechseln und dort an derselben Stelle weiterspielen.

Wenn Spiele in der Cloud ausgeführt werden, spielt die Rechenleistung der heimischen Hardware keine große Rolle mehr. (Foto: Google)

Ein weiterer Vorteil: Ihr müsst vor dem Spielstart nicht darauf warten, dass das neuste Spieleupdate eingespielt wird. Google kümmert sich darum, dass die Game-Instanzen immer auf dem neusten Stand sind. Andererseits liegen eure gekauften Spiele aber natürlich in der Cloud. Sollte Google den Dienst eines Tages einstellen, wäre es das mit eurer Game-Sammlung. Und wenn eurer Provider mal wieder Probleme hat, könnt ihr überhaupt nicht oder im Zweifel nur in geringerer Auflösung zocken. In Gegenden mit schlechter Internet-Abdeckung ist der Dienst sowieso nicht zu gebrauchen. Dankenswerterweise hat Google aber einen Geschwindigkeitstest online gestellt. Hier könnt ihr prüfen, ob eure Internet-Bandbreite für den Dienst ausreicht und in welcher Auflösung ihr am Ende zocken könnt.

Die Spielindustrie profitiert potenziell aus mehreren Gründen vom Cloud-Gaming. Sollte sich diese Art der Spieledistribution großflächig durchsetzen, wäre das Problem illegaler Raubkopien letztlich erledigt. Obendrein hätten auf einen Schlag Millionen Menschen die Möglichkeit, grafisch aufwendige Spiele zu zocken, für die ihnen bislang die notwendige Hardware gefehlt hat. Es gibt zwar beinahe 2,5 Milliarden Videospieler weltweit, ein nicht unerheblicher Teil davon spielt aber vor allem einfache Smartphone-Spiele, da sie weder Spielkonsolen noch hochgerüstete Gaming-PCs besitzen. Google steht beim Rennen um die neuen und alten Zocker mit Stadia jetzt in der Poleposition. Um in Führung zu gehen, müssen aber zeitnah die für den Produktlaunch geltenden Hardware-Einschränkungen fallen und die kostenlose Variante des Dienstes an den Start gebracht werden.

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Ein Kommentar
Sonandes
Sonandes

Nach dem Artikel macht Google eine Menge Annahmen über Gamer, die ich für mindestens unbegründet halte, wenn ich von meiner eigenen Einstellung zum Gamen ausgehe.
Zum einen dass man immer online ist, wenn man spielt: Ich spiele oft dann, wenn ich mir Zeit vertreiben muss, also unterwegs im Bus oder im Wartezimmer beim Artzt o.ä. Darum sind das eben kleine Spiele am Smartphone, die man jederzeit beenden kann und die nichts kosten (dürfen). Dass ich also kleine einfache Spiele spiele liegt also nicht daran, dass ich mir „leider“ die nötige Hardware oder Infrastruktur nicht zur verfügung stände, es wäre mir einfach nicht werd, für solche „Lückenbüßer“ Geld auszugeben.
Zum anderen, wenn ich online mit anderen zusammen spiele, tu ich das in der Regel mit Leuten die ich kenne auf Spielen, die wir uns gemeinsam aussuchen. Wenn zukünftig viele verschiedene Spieleplattformen wie Stadia um exklusive Spiele ringen, hieße das für mich, dass ich möglicherweise für jedes Spiel, das ich gern Spiele, bei einer anderen Plattform ein Abo zahlen müsste, was finanziell völlig absurd ist. Schon unter den hier genannten 22 Titeln ist genau eines, das ich spiele und das nur am Wochenende, da sind 10€ im Monat schon viel zu viel, und das noch abgesehen davon, das das Spiel ja noch nicht mal mir gehört, ich es aber trotzdem am Anfang kaufen soll. Daher halte ich Stada für ein Nischenprodukt für Extremzocker oder Professionelle. Kein Anreiz. Besser wäre es wie das Beispiel Minecraft, dass man seinen Avatar beim Hersteller kauft und damit das Spiel auf jeder Plattform frei mit jedem spielen kann dem man will.

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