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Studie: Männliche Videospielcharaktere reden doppelt so viel wie weibliche

Gaming und Geschlechterrollen – ein ewiges Spannungsfeld, auf das eine Studie ein neues Licht wirft. Dabei wurde untersucht, wie häufig weibliche Charaktere in Videospielen zu Wort kommen.

Von Jennifer Caprarella
2 Min. Lesezeit
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Frauen zocken genauso gern wie Männer, doch in den Spielen kommen sie kaum zu Wort. (Foto: Anton27/Shutterstock)

Die Mär, dass Videospiele vor allem etwas für männliche Teenager sind, ist längst widerlegt: Zahlen von Statista vom März 2023 zufolge ist die Geschlechterverteilung unter Gamer:innen in den USA mit 49 Prozent Frauenanteil und 51 Prozent Männeranteil ausgeglichen. Auch in Deutschland zocken dem Statistikportal zufolge 54 Prozent der Frauen regelmäßig.

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Dieser Trend macht sich auch in den Spielen selbst bemerkbar. 2016 waren laut Statista lediglich zwei Prozent der Protagonist:innen in Videospielen weiblich, während es 2020 schon 18 Prozent waren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, den eine neue Studie nun trübt – denn offenbar dürfen jene weiblichen Charaktere tendenziell weniger sprechen als ihre männlichen Pendants.

Videospielhelden sprechen doppelt so viel wie -heldinnen

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung unter der Leitung von Stephanie Rennick von der Universität Glasgow und Seán G. Roberts von der Universität Cardiff, die in Royal Society Open Science veröffentlicht wurde. Dialoge von 13.000 Videospielcharakteren aus 50 RPGs (Rollenspiele) wurden hierfür analysiert.

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Männer in Videospielen sprechen demnach doppelt so viel wie Frauen. Insgesamt wiesen 94 Prozent der untersuchten Spiele mehr männlichen als weiblichen Text auf.

Selbst Spiele mit mehreren Protagonistinnen fallen teils durch

Dabei wurden bei der Studie auch populäre Spiele mit weiblichen Hauptcharakteren berücksichtigt. Doch obwohl beispielsweise „Final Fantasy X-2“ oder „King’s Quest VII“ gleich mehrere Protagonistinnen haben, dominieren auch bei diesen Games der Untersuchung zufolge männliche Stimmen.

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Dieses Ungleichgewicht wird auch durch Voreinstellungen von Spieler:innen nicht ausgeräumt, beispielsweise wenn ein weiblicher Charakter im Game angewählt oder optionale Dialoge gesteuert werden.

Bechdel-Test nicht bestanden

Am Ende gab es in nur 3 der 50 untersuchten Spiele Dialoge, die zu mehr als 50 Prozent von Frauen bestritten wurden. Die Studie unterzog die Games auch dem sogenannten Bechdel-Test, den diese – wenig überraschend – ebenfalls nicht bestehen konnten.

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Beim Bechdel-Test werden Filme und TV-Serien darauf untersucht, ob weibliche Charaktere miteinander sprechen oder nur mit Männern, und ob diese Frauengespräche sich dann um andere Themen drehen als Männer. Bei Videospielen sind Dialoge zwischen Frauen im Vergleich zu solchen zwischen Männern insgesamt Mangelware.

Ein Hoffnungsschimmer – doch nur ein winziger

Ein kleiner Lichtblick in der Studie ist ein langsamer Anstieg von weiblichem Dialog in Videospielen. Den Ergebnissen zufolge würde es nach derzeitigem Stand noch zehn Jahre dauern, bis die Menge an reinem Text ausgeglichen wäre.

Zudem warnen die Forscher:innen davor, Dialog mit Gleichberechtigung gleichzusetzen. So würden sich weibliche Charaktere, wenn sie zu Wort kommen, öfter zaghaft, höflich und zögerlich äußern als männliche.

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Bisherige Forschung zeichnet ein ähnliches Bild

Wie die Studie bemerkt, gibt es reichlich weitere Forschung, die sexistische Tendenzen in Videospielen unterstreicht, ungeachtet der Tatsache, dass Frauen die Hälfte des Kundenstamms ausmachen. So wurde bereits untersucht, dass weibliche Videospielcharaktere öfter sexualisiert werden, weniger Bildschirmzeit bekommen und auch im Marketing der Games unterrepräsentiert sind.

Verbesserungspotenzial gibt es also reichlich – ausgeglichener Dialog wäre hierbei ein Schritt von vielen. Die Forscher:innen appellieren an die Entwickler:innen von Videospielen, sich ihre Ergebnisse zu Herzen zu nehmen und Protagonist:innen öfter mal zu Wort kommen zu lassen.

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