Analyse

Swatch Pay: So macht der Schweizer Uhrenhersteller Apple Pay Konkurrenz

(Bild: Swatch)

Der Uhrenhersteller Swatch hat in Deutschland und Österreich sein Bezahlverfahren Swatch Pay vorgestellt. Die damit verknüpften Uhren haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Smartwatches.

Mit der Uhr am Handgelenk zu bezahlen ist spätestens seit Einführung von Apple Pay eine coole Anwendung. Jetzt hat der Schweizer Uhrenhersteller Swatch pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft für Deutschland und Österreich die Payment-Lösung Swatch Pay vorgestellt. Die auf NFC-Technik basierende Bezahllösung muss nicht wie bei anderen NFC-Chips in Smartwatches üblich alle paar Tage ans Ladegerät, sondern bezieht die nötige Energie über das Kassenterminal. Das ermöglicht dem Besitzer auch dann das Bezahlen, wenn die Uhrenbatterie leer ist.

Derzeit sind sechs Modelle von Swatch mit dem Chip ausgestattet, die für jeweils 75 Euro erhältlich sind. Weitere sollen folgen – beim Start in der Schweiz Anfang des Jahres war sogar die Rede davon, dass langfristig jede Swatch-Uhr, bei der der Platz vorhanden sei, mit einem entsprechenden Chip zahlungsfähig gemacht werden könnte. Derzeit gibt es die Uhren nur in den offiziellen Swatch-Stores, weil sie dort ohnehin mit einem Personalisierungs-Token via Bluetooth freigeschaltet werden müssen. Dieser Token gilt für drei Jahre und kann danach via App aufgefrischt werden.

Die Technologie basiert  auf einer Lösung von Giesecke+Devrient Mobile Security und ist bereits seit mehreren Jahren in China und in der Schweiz verfügbar – und somit schon den Kinderkrankheiten einer Payment-Lösung entwachsen. Als Banking-Partner hat Swatch den bei München ansässigen Dienstleister Wirecard mit seiner virtuellen Kreditkarte auf Mastercard-Basis gewinnen können. Der Service Wirecard Boon kommt dabei zum Einsatz. Angesichts der Tatsache, dass Wirecard hier für 2020 mit Boon Planet ein vollständiges Girokonten-Ökosystem plant und schon angekündigt hat, dass man auf das Girokonto sogar Zinsen zahlen will, könnte die Swatch-Uhr in diesem Kontext zum Marketing-Instrument für das Unternehmen werden.

So bereitest du die Swatch-Uhr aufs Bezahlen vor

Nach dem Kauf der Swatch-Uhr musst du diese noch für dich registrieren, weil die bargeldlose Bezahlfunktion nach deutschem Recht mit einer Person und deren Konto verknüpft sein muss. Dazu installierst du die Boon-App (iOS- und Android-fähig) und richtest einen Boon-Account mitsamt einer virtuellen Prepaid-Mastercard ein. Danach muss noch der passende Swatch-Pay-Account über die passende App eingerichtet werden und die Mastercard mit diesem verknüpft werden. Zuletzt wird die Uhr im Swatch-Store aktiviert.

(Grafik: Swatch)

Das Bezahlen mit der virtuellen Karte ist einfach – und erfordert ab 25 Euro die Eingabe der zur Karte gehörenden PIN. Bis zu 15 Uhren lassen sich theoretisch mit einer Karte verknüpfen. Verschenkt oder verkauft man die Uhr, kann man die jeweils hinterlegte Karte wieder entkoppeln.

Swatch Pay könnte erfolgreich werden

Es ist nicht das erste Mal, das Swatch sich an einer Bezahlfunktion versucht. Das Experiment vor einigen Jahren unter dem Namen Bellamy misslang – das war allerdings weit vor dem Siegeszug von Apple Pay, Google Pay und anderen mobilen Bezahllösungen. Die Chancen, dass das System erfolgreich ist, stehen daher besser als vor einigen Jahren, auch weil heutzutage schon ein hoher Prozentsatz der Kassen NFC-fähig für Kontaktlos-Zahlen ist (und bis 2021 sämtliche Kassen in Deutschland dieses Feature erfüllen werden). Die Herangehensweise, die Uhren mit einem einfachen NFC-Chip und einer vergleichsweise preiswerten Lösung zum Bezahlen auszustatten, ist platzsparend und geschickt gleichermaßen. Letztlich handelt es sich dabei um nichts anderes als das, was auch auf einer normalen Kreditkarte verbaut ist.

Dank der stromversorgungsunabhängigen Lösung ist die wasserdichte Uhr übrigens auch für Situationen beim Schwimmen oder am Strand geeignet, wenn man normalerweise kein Geld dabei hat. Dank nicht vorhandenem Pay-Aufdruck oder -Hinweis sieht wohl auch niemand, dass es sich um eine payment-fähige Uhr handelt – ein durchaus geeigneter Diebstahlschutz, anders als etwa bei einer Apple Watch. Ob es in Deutschland am Strandkiosk allerdings mit bargeldlosem Bezahlen klappt, wie Swatch das in seiner Pressmitteilung beschreibt, muss man derzeit leider bezweifeln (aber dafür kann ja das Unternehmen nichts).

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2 Kommentare
cHaOsStyle

Rohrkrepierer.
Umständliche Einrichtung und unsicher weil die Kreditkartendaten die ganze Zeit ohne Authentifizierung gesendet werden wie bei einer normalen NFC-Bankkarte.

Antworten
LachMichWEG
LachMichWEG

Konkurrenz? Wow. Bisher ist es eine Prepaid Geschichte und das soll wirklich gegen Apple, G-Pay oder Lösungen diverser Banken ankommen?

Bis 25€ ohne PIN, ohne irgendeine Sicherheit. So eine SmartWatch, ja, da muss der Akku bei vielen wirklich jeden Tag geladen werden, aber da kann man NFC auch deaktivieren. Da kann man die Watch mit PIN schützen und das sogar bis 25€ und man mag es nicht glauben, 25€ sind Geld und Menschen die das als“Peanuts“bezeichnen, die würden sich auch nicht so eine billig ausschauende Uhr kaufen.

Und sehr toll, dass man das Teil auch mut leerer Batterie nutzen kann. Aber warum soll ich eine Uhr ohne Funktion herumschleppen, dann tuts doch auch die Karte ohne Uhr. Funktioniert bei beiden ja nicht.

Eine SmartWatch mit Android OS, Fitnessfunktionen, Google-Diensten GPS, hochwertigerem Aussehen und anderes, das gab es gerade ab ca. 120€. Denke vor Weihnachten kommen noch andere Angebote.
Das hier schaut aus wie eine Billige Plastikuhr wo man einen NFC Chip verbaut hat und wo Swatch drauf steht und die abgesehen von Bezahlen via BOON(!!!) keine andere Funktion als eine Uhrzeit hat und das soll 75€ kosten.

Glaube kaum, dass sich dieses Gerät mit dieser Optik und diesen Funktionen zu diesem Preis durchsetzt.

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