Upday-Produktchef Jan-Eric Peters: „Die besten Geschichten erreichen über eine Million Zugriffe“
Im März 2016 startete Upday in vier Ländern, darunter Deutschland. Inzwischen ist die News-App in 16 europäischen Ländern vorinstalliert: komplett Westeuropa und Polen. Laut eigenen Angaben hat Upday inzwischen Google News als größte News-App in Europa abgelöst.
Die App erscheint bei den Samsung-Geräten, wenn der Nutzer vom Homescreen nach links wischt – ähnlich wie die News bei Apples iPhone. Auf anderen Android-Geräten lässt sie sich nicht installieren. t3n.de hat mit Jan-Eric Peters, Chief Product Officer von Upday, gesprochen. Der ehemalige Chefredakteur von Springers Welt vereint mit der Position Produktchef und Chefredakteur die News-App in einer Person.
t3n.de: Vermissen Sie es manchmal, wenn die Nachrichtenlage hochbrodelt, inmitten einer großen Redaktion zu stehen und mitzubestimmen, was geschrieben wird – und nicht nur zu kuratieren, was andere schreiben?
Jan-Eric Peters: Na klar. Ich habe immer wahnsinnig gern in einem großen Newsroom gearbeitet. Das hat für mich einen guten Teil des Reizes ausgemacht. Und in dem Moment, in dem etwas wirklich Wichtiges passiert, wäre ich natürlich gern unmittelbar dabei. Auf der anderen Seite hat man bei Upday die schöne Situation, wie von einem Buffet die allerbesten Geschichten aus buchstäblich tausenden Quellen auswählen zu können, auch das hat seinen Reiz. Vor allem aber geht meine Rolle bei Upday ja über das hinaus, was ein Chefredakteur macht. Ich bin nicht nur verantwortlich für unsere Redaktionen und die 50 Journalisten dort, sondern auch für den Kontakt zu den Publishern international und vor allem natürlich für das Produkt selbst und seine Weiterentwicklung.
t3n.de: Nachdem Facebook für viele Online-Redaktionen eine deutlich weniger wichtige Rolle spielt, nimmt die Bedeutung von Aggregatoren wie Upday zu. Wie wählt Upday seine Quellen aus?
Wir verstehen uns als Publisher-Plattform, daher auch die ungeheure Zahl von mehr als dreieinhalbtausend Quellen, die wir europaweit ausspielen. Alle bekannten Medienmarken sind dabei – und noch viel mehr, auch in Nischen. Wir integrieren alles, was für einen Nutzer von Interesse sein könnte und zugleich einen journalistischen Qualitätsanspruch erfüllt.
t3n.de: Wo zieht ihr da die Grenze? Gibt es so etwas wie eine politische Ausrichtung von Upday? Dürfen extrem linke und extrem rechte Quellen rein? Was ist zum Beispiel mit der Jungen Freiheit?
Man kann Upday als eine Art digitalen Kiosk verstehen: Wir legen alles ins Regal, wollen nicht zensieren. Allerdings behalten wir uns vor, das ist uns wichtig, Quellen auszuschließen, die Nachrichten bewusst verzerren oder sogar Fake-News verbreiten. Das ist manchmal ein schmaler Grat, aber wir haben extra ein Content-Quality-Team aufgebaut, das jede Quelle in jedem Land vor der Integration prüft. Ein RT Deutsch (von der russischen Regierung betriebener, deutschsprachiger Propagandasender – Anmerkung der Redaktion) wird man bei uns also nicht finden. Das gilt für staatlich betriebene PR ebenso wie für extremistische Absender. Was die Junge Freiheit betrifft, müsste ich checken … – nein, ist nicht dabei.
„Die Medienbranche ist ja sehr auf Apple eingeschossen, das merke ich immer wieder bei meinen Gesprächen mit Publishern. Dabei nutzen in Europa und auch weltweit viel mehr Menschen Samsung-Handys.“
t3n.de: Und was kommt dann in die Top-News?
Upday ist ja eine Kombination von Mensch und Maschine, von professionellen Journalisten und künstlicher Intelligenz und teilt sich in zwei Bereiche auf: Erstens die Top-News, die von ausgebildeten Redakteuren kuratiert und geschrieben werden und völlig unabhängig von irgendeinem Algorithmus sind – das macht so kein anderer News-Aggregator und geht weit über einen digitalen Kiosk hinaus. Und zweitens den endlosen Strom von personalisierten Inhalten im Bereich My News, die entsprechend den individuellen Lesewünschen und Nutzungsgewohnheiten automatisch von unserer „recommendation engine“ ausgewählt werden. In den Top-News präsentieren wir die Nachrichten, die jeder kennen sollte. Welche Themen das sind und zu welchen Quellen verlinkt wird, ist allein die Entscheidung der Redaktion. In der Regel tauchen hier die zehn bis 15 großen, renommierten Medienmarken eines Landes auf. Qualität spielt die entscheidende Rolle, aber auch die Schnelligkeit der Quelle und ob die Nachricht gut für mobile Geräte aufbereitet ist. Außerdem die Art des Artikels: Bei großen Themen folgt der Nachricht häufig ein Hintergrundartikel oder auch mal ein Interview. Partnerschaften mit einzelnen Medienmarken gibt es nicht – aber wir merken, wie relevant wir für viele Redaktionen geworden sind.
t3n.de: Dazu wird die Facebook-Algorithmus-Änderung sicher beigetragen haben …
Ja, die mag zusätzlich helfen, aber wir sind auch vorher schon stark gewachsen. Marken wie die Süddeutsche, FAZ oder Welt erzielen mittlerweile rund fünf Prozent ihres gesamten Mobile-Traffics über uns. Und es gibt sogar Titel, bei denen diese Zahl zweistellig ist. Das ist in den Verlagen natürlich nicht unbemerkt geblieben. Wir bekommen immer öfter Besuch aus anderen Redaktionen und vermehrt auch Anrufe und E-Mails von Kollegen, die ihre exklusiven Artikel für die Top-News empfehlen. Die allerbesten Geschichten bei Upday erreichen schon mal Werte von über einer Million Zugriffe. Das passiert nicht jede Woche – aber einige zehntausend Klicks pro Artikel sind bei Top-News üblich. Und so landen dann jeden Tag mehr als zehn Millionen Leser via Upday direkt auf den Seiten der Publisher.
t3n.de: Aber habt ihr nicht Angst, dass ihr irgendwann von Journalisten belagert werdet, die euch ihre Artikel verkaufen wollen, damit sie in den Top-News landen? So ähnlich wie heute PR-Leute Journalisten belagern mit ihren Themen?