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Ratgeber

Usability optimieren: So bringst du deine App auf Vordermann

(Foto: t3n/dunnnk.com)

Allein auf den 500 Millionen iPhones waren Ende 2015 kumuliert über 130 Milliarden Apps installiert – das Geld scheint auf der Straße zu liegen. Doch wovon hängt es ab, ob sich eine App durchsetzt?

Geld verdienen mit Apps? Es könnte so einfach sein – wären da nicht die Nutzer, die immer ungeduldiger, gesättigter und anspruchsvoller werden. Apps wurden nie schneller wieder deinstalliert, wenn sie nicht gefallen, unnütz oder fehlerhaft sind. Ein Grund dafür: schlechte Usability. Das scheint insbesondere bei deutschen Nutzern häufig der Fall zu sein. App-Entwickler brauchen mehr Bewusstsein für die Anforderungen der Kunden, meint auch Martin Schröter, Experte für Usability von Apps und Webseiten. Apps gibt es wie Sand am Meer. Über 2,3 Millionen Apps finden sich aktuell im Google-Play-Store. Die Anzahl der erhältlichen Apps in Apples App-Store stieg allein zwischen 2015 und 2016 um 500.000 auf knapp 2 Millionen. Gefühlt gibt es für fast jede Befindlichkeit und jedes Bedürfnis eine App. Und der Markt scheint noch nicht gesättigt zu sein.

Dennoch: Nur 25 Prozent aller Apps schaffen es über die ersten 90 Tage nach der Installation. Die meisten werden nach der ersten Nutzung wieder deinstalliert. Laut einer Studie der Analysefirma SensorTower bewerten Deutsche ihre Apps dabei besonders kritisch. Diese Ergebnisse bedeuten einen Paradigmenwechsel. Wo sich bisher App-Entwickler auf die Vermarktung der App konzentrierten, rücken nun das Ersterlebnis (Onboarding) und die Langzeitnutzung (Retention) in den Fokus. Nur mit einer hohen Retention-Rate lässt sich eine Monetarisierung durch In-App-Käufe, Upgrades, weiterführende Permissions, Werbeeinnahmen und Folgekäufe (z. B. weiterer Apps desselben Entwicklers) erreichen.

Das kann auch Martin Schröter, App-Experte der Usability-Agentur Userlutions bestätigen. „Die Rate der aktiven Nutzer ist der eigentliche App-KPI. Neben der Nützlichkeit zählt vor allem die Usability. Die Usability ist dabei sehr App-spezifisch. Kurz gesagt zeichnen sich gute Apps durch Verständlichkeit, intuitive Bedienung in verschiedenen Nutzungskontexten, den richtigen Fokus sowie eine kurze Onboarding-Phase aus.“

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Retention-Rate-Apps-2013-2016 (Bild: Jens Pacholsky / Localystics)

Der Nutzer ist König

Es klingt wie ein altbackenes Mantra, aber es bleibt die wichtigste Prämisse der Produktentwicklung: Hört auf eure Nutzer und versetzt euch in ihre Situation. In diesem Zusammenhang solltet ihr die 10/30-Regel im Hinterkopf behalten. Demnach entscheiden Smartphone-Nutzer binnen zehn Sekunden, ob eine App installiert wird und binnen der ersten 30 Sekunden der Nutzung, ob sie weiterhin genutzt wird. Wenn ihr binnen der ersten vierzig Sekunden eure Nutzer nicht wieder verliert, habt ihr die Chance auf eine langzeitige Nutzung und somit eine Monetarisierung deutlich erhöht. Was genau steckt jedoch hinter den einzelnen Aspekten der Kundenorientierung?

1. Der App-Store: Aller Anfang ist das AIDA-Gefühl

Hier geht es nicht auf die Kreuzfahrt, aber doch auf eine Reise. AIDA steht im Marketing für Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Verlangen) und Action (Aktion, also Kauf oder Download). Das Kürzel bildet die Reise eurer Zielgruppe vom potentiellen Nutzer zum Kunden ab. Und die Reise beginnt im App-Store. Eure Präsentation im App-Store sollte klar und ansprechend sein und den Mehrwert für die Nutzer eindeutig, kurz und knapp herausstellen. Dazu gehören aussagekräftige Bilder und Videos genauso wie eine verständliche und klar formulierte Beschreibung. Bei den Produktbeschreibungen solltet ihr weder auf gute Texter, noch auf gute Übersetzer verzichten.

Clickbait-artige Versprechungen mögen zwar die Download-Rate in die Höhe treiben und für einen kurzen Boost sorgen. Die Rechnung erhaltet ihr jedoch spätestens mit der Retention-Rate. Denn eine App, die aufgrund falscher oder übertriebener Versprechungen vielfach heruntergeladen wurde, bringt nichts, wenn sie gleich wieder von enttäuschten oder gar wütenden Nutzern deinstalliert wird. Dabei solltet ihr im Hinterkopf behalten: 65 % aller enttäuschten Nutzer schreiben eine negative Bewertung, während nur 49 % aller zufriedenen Nutzer ihr Feedback im App-Store hinterlassen. Enttäuschte Nutzer kosten euch somit mehr. So verlockend es erscheint, beim Marketing zu brüllen: Am Ende geht der Schuss meist nach hinten los.

2. Das Onboarding: Jeder will Cookies

Das Onboarding umfasst die Erstnutzung und Einführung des Nutzers in die App. Sie sind die 30 Sekunden der 10/30-Regel, in der ihr die Nutzer überzeugt müsst, eure App auch weiterhin zu nutzen. Das Onboarding solltet ihr grundsätzlich so einfach und willkommenheißend wie möglich gestalten. Das gleiche gilt im weiteren Verlauf auch bei Updates, wenn zum Beispiel Funktionen geändert oder hinzugefügt werden.

Google hat das für seine App Google Maps sehr gut gelöst. Neue Nutzer erhalten eine kurze und bildlich ansprechende Einführung in die App. Sobald es neue Features gibt, werden diese beim nächsten Öffnen kurz und knapp mit allen Vorteilen und technischen Anforderungen erläutert. Die Nutzer fühlen sich willkommen und immer auf dem Laufenden.

Alternativ sind kurze Tutorials in Form einer Slideshow mit maximal vier Screens eine gute Möglichkeit der ersten Einführung. Zudem solltet ihr auf zusätzliche Registrierungen verzichten, soweit sie keinen Mehrwert für die Nutzer haben (z. B. Community-Gedanken mit Social Media Anmeldungen).

Neben dem Onboarding fallen bei der ersten Nutzung einer App weitere Faktoren ins Gewicht, die auch im weiteren Verlauf der Nutzung unberührt bleiben.

Design und Navigation: Form follows function

Zu den Anforderungen an ein interaktives Oberflächendesign einer App gibt es mittlerweile sehr detaillierte Anweisungen. Daher sollen hier nur die Basispunkte angerissen werden. Stellt sicher, dass:

  • die Schrift auch auf einem Smartphone in 40 cm Entfernung entziffert werden kann.
  • die klickbaren Elemente ausreichend groß sind, um auch mit dem Daumen aktiviert werden zu können.
  • die klickbaren Elemente als solche erkennbar sind und sich vom restlichen Design abheben.
  • wichtige Elemente bei normaler Gerätehaltung nicht von anderen Fingern verdeckt werden.
  • die Oberfläche und einzelnen Elemente auch bei wechselnden Lichtverhältnissen und Sonnenlicht gut erkennbar bleibt.
  • ihr etablierte Zeichen- und Farbkodizes verwendet. Das vereinfacht das Onboarding und z. B. auch den Übergang von der Desktopversion zur App. Letzteres haben die Projektsoftware Trello und der Apple-Kalender sehr gut umgesetzt.

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