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Interview
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Vanmoof-CEO: „Wir haben die Art kopiert, wie Apple Produkte baut“

Taco Carlier will mit seinen E-Bikes die Fahrradindustrie umkrempeln. Für 2020 hat er die Kapazität verdreifacht. Aber das reicht nicht.

Von Jan Vollmer
5 Min. Lesezeit
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Vanmoof-CEO Taco Carlier will elektrische Fahrräder aus einem Guss bauen. (Foto: t3n)

Wenn man mit einem von Taco Carliers Vanmoof-Rädern an der Ampel in Berlin-Mitte steht, gibt es zwei Arten, zu beschleunigen: entspannt antreten und fühlen, wie der Elektromotor sanft, aber bestimmt mit anschiebt. Oder den Turbo-Knopf rechts am Lenker drücken. Dann kommt man noch auf der Kreuzung auf 28 Stundenkilometer.

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Eigentlich mag ich elektrische Fahrräder nicht besonders. Das Gute am Fahrradfahren ist ja gerade, dass ich mich dabei ein bisschen anstrenge. Aber was mir auch klar wird, als ich sanft tretend, in nahezu aufrechter Haltung und ohne einen Tropfen Schweiß bei 30 Grad durch die Linienstraße flitze: Eine Menge Leute, die mit dem Fahrrad nur an der frischen Luft von A nach B wollen, dürften das sehr geil finden.

Taco Carlier, der Gründer und CEO des E-Bike-Herstellers Vanmoof, sitzt in blauem T-Shirt und Jeans unter einem Sonnenschirm in einem Café vor der Berliner Filiale. In dem Vanmoof-Laden sind drei Verkäufer damit beschäftigt, Kunden die Testräder zu erklären. Kaufen, so Tacos Konzept, sollen sie die Räder später im Internet – auch wegen der „Unpacking Experience“.

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300 Millionen E-Bikes bis 2023

Carliers Geschäft läuft gerade, als hätte er dafür auch einen Turbo-Knopf gedrückt: In den letzten fünf Jahren, erzählt er unter dem Sonnenschirm, konnte Vanmoof das Geschäft jeweils verdoppeln. Für 2020, so Carlier weiter, hatten sie die Produktionskapazität sogar verdreifacht. „Und es reicht immer noch nicht.“

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Vanmoof S3 in Bildern
Vanmoof S3. (Foto: t3n)

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Vanmoof ist nicht der einzige E-Bike-Verkäufer, der boomt: Laut Economist stieg der E-Bike-Verkauf in Europa schon 2019 um 23 Prozent an. Im vergangenen Jahr gingen die Berater von Deloitte davon aus, dass die Menge der E-Bikes von aktuell 200 Millionen bis zum Jahr 2023 auf 300 Millionen steigen wird – dabei war der Corona-Boom der Branche nicht eingerechnet. Auch bei Accell, Europas größtem Fahrradhersteller, haben E-Bikes den Juni-Umsatz um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat anziehen lassen.

„In Amsterdam sind 50 Prozent des Berufsverkehrs Fahrräder.“

„Es ist offensichtlich, dass die öffentlichen Verkehrsmittel [in der Coronakrise] nicht mehr die Kapazität haben, die sie mal hatten. Dadurch ist ein Riesen-Boom beim Fahrradverkauf entstanden“, so Carlier. „In Amsterdam sind 50 Prozent des Berufsverkehrs Fahrräder. Aber Amsterdam ist flach und hat ein fahrradfreundliches Klima. Andere Städte sind herausfordernder: Berlin ist größer, Paris und New York sind hügeliger und heißer im Sommer. Mit E-Bikes bauen wir diese Hürden ab. Und plötzlich ist das Fahrrad die schönste, günstigste und vor allem schnellste Möglichkeit, in der Stadt von A nach B zu kommen“, erklärt er.

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„Wir haben die Art kopiert, wie Apple seine Produkte baut.“


Dabei versteht Carlier sein Unternehmen nicht als klassischen Fahrradbauer – sondern als eine Mischung aus Apple und Tesla für die E-Bike-Branche: „Wir haben die Art kopiert, wie Apple seine Produkte baut“, sagt er. „Wir designen alle Teile des Fahrrads selbst, Hardware und Software. Uns gehören deshalb alle Patente, der Sourcecode und die Designrechte. (…) Wir arbeiten nach den Prinzipien der Konsumenten-Elektronik-Industrie.“

Standard-Teile zu verwenden, das gibt Carlier zu, wäre einfacher gewesen. Zumal ein Standardteil, das schon länger auf dem Markt ist, auch schon dementsprechend länger getestet und verbessert worden ist. Er glaubt aber, dass man mit Teilen von der Stange kein E-Bike bauen kann, bei dem Hardware und Software problemlos miteinander arbeiten.

„In unseren Fahrrädern gibt es nur einen Computer.“


„Wenn du mit verschiedenen Anbietern arbeitest, für den Motor, für die Batterie, für das Schloss und die Lichter – dann ist es viel schwieriger, das in ein System zu integrieren“, weiß Carlier. „In unseren Fahrrädern gibt es nur einen Computer, der alles kontrolliert: Batterie, Motor, Licht, Schloss, Alarmsystem, die Gangschaltung, die Konnektivität.“ Wenn das Fahrrad über die App als gestohlen gemeldet wird, schaltet der Computer eben auch alles das gleichzeitig aus. „Es ergibt keinen Sinn, es zu klauen. Und wir können das so machen, weil das ganze System auf einer Plattform läuft.“

Der Tesla-Ansatz für Fahrräder

Gewissermaßen fährt Carlier damit den Tesla-Ansatz für Fahrräder. Das Problem dabei ist aber: Bei Teslas gibt es viel mehr Qualitätsprobleme als bei anderen Autos. Erst im Juni belegte Tesla bei einer Qualitätsstudie des amerikanischen Automarktes den letzten Platz.

Die große Frage für Tesla und auch für Taco Carliers Vanmoof ist damit: Welcher Ansatz gewinnt am Schluss? Können junge, innovative Unternehmen schnell genug Masse und Qualität liefern? Oder schafft es die traditionelle Industrie schneller, die neuen Technologien in ihre Produktionsketten zu integrieren?

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„VW und BMW sind tolle Autos – aber sie werden in Silos gebaut.“


„Ich glaube an Tesla,“ sagt Carlier dazu. „Wenn du dir BMW oder Mercedes anschaust – es sind tolle Autos, aber sie werden immer noch in Silos gebaut: Sie haben eine Abteilung für die Klimaanlage, für das Multimediasystem, für den Motor, für die Bremsen – manche machen sie selbst, andere werden outgesourct. Wenn du alles in einem Bildschirm integriert haben willst, wie in einem Tesla – das wird für VW und BMW ziemlich schwierig werden, das zu kopieren. Das sieht man auch: Sie kündigen immer wieder Elektroautos an, und immer müssen sie wieder zurückrudern.“

„Besser als ein Maserati.“

Der Tesla, den sie bei Vanmoof als Firmenwagen haben, sagt Carlier, „ist auf dem Markt für 50.000 Euro und er fährt besser als ein Maserati.“ Dass die aktuellen Vanmoof-Modelle auch wie bei Tesla X und S heißen, sei allerdings nur ein Zufall.

Carlier glaubt, dass Vanmoof der Konkurrenz mit dem Ansatz „ein E-Bike, ein System, ein Computer“ früher oder später davonfährt, weil sie komplett neue Features anbieten können: „Allein die Tatsache, dass wir das Fahrrad wiederfinden können, wenn es gestohlen wurde; dass es sich automatisch aufschließt, wenn du in der Nähe bist – und wir fangen gerade erst damit an.“ Auch die Fahrradpflege, ergänzt Carlier, könnte er sich als Feature in der App vorstellen. „Das Fahrrad könnte sich melden, wenn die Reifen Luft brauchen oder irgendwo Öl fehlt.“

Was Carliers „Fahrrad aus einem Guss“-Ansatz aber auch mit sich bringt: Der Akku ist fest verbaut, man kann ihn zum Laden nicht rausnehmen. Er selbst hat sich für sein eigenes Fahrrad einen Konverter gebaut, mit dem er sein Fahrrad auch an Auto-Ladestationen laden kann. „Wenn in Amsterdam Teslafahrer um die Ecke kommen und die leere Ladestation sehen, freuen sie sich erst. Dann sehen sie mein Fahrrad da, und ärgern sich“, erzählt er. Auf den Markt bringen will er den Konverter nicht. „Ich will elektrischen Autos nicht im Weg stehen.“

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Vigar

Ganz ehrlich : Apple baut Fabrikneue altgeräte. Die Hardware ist zum Releasezeitpunkt oftmals schon „alt“ und die anderen Hersteller überholen in windeseile die sogenannten Innovationen. Daher mit Apple und Tesla zu vergleichen ist für mich mehr ein Zeichen dafür, das man eher bald auf dem absteigenden Ast ist.

Bei Tesla kann man es nun sehen, wie div. Hersteller Fahrzeuge entwickeln und verkaufen die ebenbürdig und oftmals schon besser sind. Das ganze für die hälfte des Preises und meist nach gerade mal 1 – 2 Jahren „aufholjagd“

Antworten
Franz Wohlfarth

Wer benötigt einen Computer für welche Aufgabe? In der Regel, sofern er professionell benötigt wird, soll er mit einer bestimmten Software bestimmte Aufgaben erfüllen. Das machen die Geräte von Apple zuverlässig und ohne große Störung. Bei Windows ist das etwas eingeschränkt aber im Grunde auch okay. Was also soll dieser unsinnige Kommentar, es würden „fabrikneue Altgeräte“ verkauft. Man könnte dagegenhalten und sagen hier wird ein gut abgestimmtes Paket aus Hardware und Software verkauft. Hier möchte ein Teilnehmer provozieren, oder darstellen, was er für ein großer Bescheidwisser ist… Wahrscheinlich ein Teilnehmer der sich gerne mit Spielekonsolen beschäftigt und immer mutmaßt, vom technischen Fortschritt eigentlich nicht beglückt, sondern „hintergangen“ zu werden. Also letztlich ein sehr konservativ denkender Mensch, noch dazu ängstlich und wahrscheinlich ohne die nötigen fin anziellen Mittel, dann neue Dinge zu kaufen wenn er sie benötigt oder möchte… ein schlichter und etwas armseliger Zeitgenosse.

Antworten
Bernd Kaiser

Es gibt immer viele Seiten von denen man Dinge betrachten kann. Ich komme beruflich mit allen 3 wichtigen Systemen in Kontakt. Es gab Zeiten da war Apple wirklich innovativ – die Software, die Haptik, das Design aber die Hardware (Prozessor und Speicher) na ja Innovativ oder Top ist etwas anderes. Da hilft auch schönreden nichts. Von anderen Herstellern kann ich bessere Technik zu einem drittel Preis mit besseren Leistungswerten kaufen.
Dann muss ich mich ständig mit Restriktionen rumschlagen, dies kann ich nicht, dies darf ich nicht – um das System stabil zu machen. Es läuft aber trotzdem nicht rund und im Verbund mit anderen Systemen schon gar nicht. Nein nein Herr Wohlfahrth, nur weil manche Menschen mit Geld um sich werfen können und es hipp finden
sich von mittelmäßiger Technik bevormunden zu lassen muss das noch lange nicht gut sein.
Und bei mir ist es so, ich habe meine Technik im Griff und nicht anderst herrum.

Tobi

Das Faszinierende ist ja wie unglaublich gut diese abgehalfterten Apple Altgeräte auch viele Jahre nach dem Release noch funktionieren – ich habe mittlerweile das 5 te Modell und es gibt immer dann ein neues wenn es das Modell gebraucht für um 120€ zu kaufen gibt ( i d R ist so ein Gerät dann 3 Jahre alt )

Antworten
sebastian

hier protzen mit 300 millionen fahrrädern, aber die mehrwertsteuersenkung nicht
weitergeben.

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Josch

Na prima,noch einer der Lifestyle verkaufen möchte,E-Bikes für Appleleptiker.
Am besten das Schmattfon gleich integriert, dann werden sie gleich reihenweise platt gefahren.
Und dann noch der Zufall beim X uns S ,ich lach mich schlapp.
Lieber Gott bitte bewahre uns vor überteuerten Schwanzverlängerungen,ach nee,der trägt ja auch Bart,
wie die anderen Hipster. :D

Antworten
Franz Wohlfarth

Warum so aufgeregt und so abwertend formuliert, möchte sich hier jemand auskotzen und kann es nicht aushalten, dass die Leute sich einfach kaufen was sie kaufen wollen. Das ist Kapitalismus – oder kämpfen Sie gegen diesen?

Antworten
Franz Wohlfarth

Was hatte der Berater von Clinton ihm damals für einen, noch immer gültigen Spruch mitgegeben: „it´s the economy, stupid“ – das sagt alles, nur wissen es offenbar die Leute die hier kommentiueren nicht so recht… Das ist der Nachteil von all diesen Plattformen und Möglichkeiten zukommentieren… es kann sich einfach jeder noch so schlichte und unwissende Mensch auskotzen… früher haben die im Treppenhaus rumgegrölt, jetzt machen Sie es im Internet, die armseligen Leute.

Antworten
Björn

Ich habe ein Vanmoof und das ist seit Anfang des Jahres kaputt. Kein Service, das Rad musste eingeschickt werden, kam defekt zurück, wurde zurückgeschickt und ist jetzt seit 1 Monat dort ohne das ich irgendeine Nachricht bekomme. Kein Fahrradhändler kann und will das Vanmoof reparieren, es ist ein Albtraum!
Ich kann nur vom Kauf abraten, mittlerweile halte ich das für ein Geschäftsmodell das auf dem Rücken der Kunden abgefeiert wird, der Vergleich mit Apple und Masrati ist Anmaßend und entspricht nicht der Realität. Auf keinen Fall dieses Rad kaufen!

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