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Analyse

Warum Ikea jetzt bei 800 Produkten die Preise senkt – und online dennoch ein Problem hat

Ikea macht inzwischen knapp ein Viertel seines Umsatzes online – und auch die Warenkorbumsätze sind mehr als doppelt so hoch wie in den Filialen. Doch das schwedische Möbelhaus hat ein Problem, das es bislang nicht wirklich lösen kann.

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Inzwischen ist Ikea nicht mehr nur in den großen Filialen erfolgreich. (Foto: Shutterstock)

Es klingt erst einmal nach einer guten Nachricht, wenn Walter Kadnar, Deutschlandchef beim schwedischen Möbelhändler Ikea, ankündigt, man wolle bei rund 800 Produkten die Preise senken. Welche das genau sind, wie viel reduziert wird und von welchen Basispreisen man ausgeht – schließlich gilt auch hier der alte Spruch, das der Rabatt meist vorher draufgeschlagen wurde –, das wollte Kadnar anlässlich der Pressekonferenz nicht im Detail erklären. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen, heißt es. Doch ob angesichts der nur bei Ikea gehandelten Produkte ein solches Risiko überhaupt besteht, bleibt fraglich.

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Klar ist aber, dass Ikea genau auf den deutschen Markt schaut, der noch vor den USA, Frankreich und Großbritannien wichtigster Auslandsmarkt ist. Hier hat Ikea viel zu verlieren. Doch das Geschäft wird schon lange nicht mehr nur in den Filialen auf der grünen Wiese mit den riesigen Parkplätzen gemacht, sondern zunehmend auch in kleinen Walk-in-Filialen in bester Innenstadtlage, in der aber vor allem kleinere Käufe getätigt werden – und nicht zuletzt auch online. Lange Jahre hatte Ikea diesen Bereich vernachlässigt und verprellt auch heute noch viele Kund:innen mit ungeschickten oder nur schwer nachvollziehbaren Liefer- und Versandpauschalen, die so gar nicht zur Einfachheit des Onlinehandels passen wollen. Bestimmte Waren gibts inzwischen für eine kleine Liefergebühr, andere durchaus versandfähige Kleinwaren hingegen nur in der Filiale, wo das Zusammenstellen einer Bestellung ungleich mehr kostet und der oder die Kund:in noch hinfahren muss.

Kund:innen kaufen online im Schnitt für 247 Euro ein

Dennoch schafft es Ikea, das letzte Geschäftsjahr (das traditionell im August endet) mit 13,3 Prozent Umsatzwachstum und einem Gesamtumsatz von 6,44 Milliarden Euro abzuschließen. Bei dieser Zuwachsrate dürfte Ikea aber auch die besonders schwierige Geschäftslage im Jahr zuvor „zugute kommen“. Immerhin: Der online erzielte Umsatz belief sich auf 1,39 Milliarden Euro, das sind 6,9 Prozent mehr, was einem Online-Anteil am Einzelhandelsumsatz (ohne Food) von 23,2 Prozent entspricht. Online kauften (bezogen auf die deutsche Plattform) immerhin 5,3 Prozent mehr Menschen ein: insgesamt 5,6 Millionen Kund:innen. Während der durchschnittliche Einkaufswagen in den 54 Filialen mit Waren im Wert von 116 Euro durch die Kasse geschoben wird, sind es bei den Onlinebestellungen mit 247 Euro mehr als doppelt so viel.

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Der Onlinehandel ist, kurz zusammengefasst, das, was bei Ikea für zusätzlichen Umsatz sorgt, während die besagten Preissenkungen offenbar dazu beitragen sollen, dass wieder mehr Kund:innen den Weg ins Möbelhaus finden. Und während das schwedische Möbelhaus im Mutterland gerade den 80-jährigen Geburtstag feierte, steht im Oktober 2024 das 50-jährige Deutschlandjubiläum an. Zu den im Preis gesenkten 800 Produkten zählen auch Artikel aus den Möbelserien wie Pax , Kallax oder Metod.

Wer bei einigen der langjährig beliebten Serien mal genauer hinschaut, erkennt allerdings, dass diese einerseits in den letzten Jahren entweder vonseiten des Materials einfacher gestaltet wurden, was Ikea meist mit Nachhaltigkeit und Verzicht auf Holzressourcen begründete, und dass andererseits viele Preise über die Jahre angehoben wurden. Ein Blick in ältere Kataloge, die es ja zwischenzeitlich in der alten Form nicht mehr gibt, bestätigt diesen Eindruck. Und: 800 Produkte sind im Vergleich zum Gesamtsortiment von rund 10.000 Artikeln doch nur ein kleinerer Teil.

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Mitnahmeprodukte funktionieren im Filialgeschäft besser

Fragt man Handelsexpert:innen, tut sich Ikea immer noch schwer mit dem Erfolg im Onlinehandel. Der ist einerseits gerade in der Pandemie ein willkommenes Standbein gewesen, hat aber (neben der im Möbelhandel schwierigen und teuren Retourenfrage) ein weiteres Problem: Gerade Ikea schaffte es in der Vergangenheit besser als jedes andere größere Handelsunternehmen, den Einkauf zum Event zu machen und die Kund:innen (nein, nicht nur Kundinnen!) zu Impulskäufen zu animieren. Teelichter, Küchenutensilien, Lampen, Bilderrahmen und Aufbewahrungsboxen – all das landete quasi auf dem Weg zur Kasse noch im Einkaufswagen. Im Onlinehandel ist es Ikea dagegen bislang dem Vernehmen nach noch nicht in gleichem Maße gelungen, dieses Verhältnis der zusätzlichen günstigen Mitnahmeartikel in den virtuellen Einkaufswagen zu überführen.

So sparen die Kund:innen unterm Strich – und üben sich angesichts der schwierigeren Wirtschaftslage derzeit in Kaufzurückhaltung. In Kombination mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen und zumindest in dieser Größenordnung noch anhaltenden Schwierigkeiten bei den Lieferketten dürften die nächsten Jahre für Ikea herausfordernd bleiben.

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