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Interview
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We-Do-Solar-Gründerin: „Es ist Zeit, zu skalieren!“

Karolina Attspodina ist die Co-Gründerin des Greentech-Startups We Do Solar. Die Website des Solarunternehmens ging im Februar live, dem Monat, als Russland den Angriffskrieg in der Ukraine begann. Wir haben mit der Ukrainerin über ihre Erfahrungen der ersten Monate gesprochen sowie darüber, was sie aktuell bewegt.

Von Insa Schniedermeier
8 Min. Lesezeit
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Gründerin Karolina Attspodina. (Bild: We Do Solar)

Das Greentech-Startup We Do Solar möchte mit seinen Solarpaneelsets für den Balkon Solarenergie für alle verfügbar machen und einen Teil zur Energiewende beitragen. Wir haben mit der Co-Gründerin Karolina Attspodina gesprochen.

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t3n: Frau Attspodina, Sie haben We Do Solar im Jahr 2021 zusammen mit Ihrem Geschäftspartner Qian Qin gegründet. Ihre Website ging im Februar 2022 online – im selben Monat also, als Russland den Angriffskrieg in der Ukraine begann. Zufall?

Karolina Attspodina: Ja, das war Zufall. Wir sind bereits ein paar Wochen vor der Invasion gestartet. Nichts liegt mir ferner, als eine Situation wie diesen Krieg auszunutzen und daraus Profit zu schlagen, während Menschen sterben. Ich würde niemandem wünschen, etwas so Schreckliches wie einen Krieg durchmachen zu müssen.

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Wir haben We Do Solar Mitte 2021 gegründet, weil wir einen großen Bedarf sahen, den Menschen Zugang zu erneuerbaren Energien zu verschaffen, insbesondere in den Städten, in denen die meisten von uns zur Miete wohnen.

Außerdem hat die Solarenergie einen enorm positiven Einfluss auf unsere Umwelt und spart Tonnen von CO₂. Die globale Erwärmung ist etwas, das wir bekämpfen müssen. In unserem Fall können wir einen positiven Beitrag leisten, indem wir Solarenergie nutzen, aber natürlich haben die Nutzer auch den Vorteil einer niedrigeren Stromrechnung.

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t3n: Wie sind Sie dazu gekommen, im Bereich Solarenergie zu gründen?

Attspodina: 2017 nahm ich an einer Techkonferenz in Berlin teil, wo ich Lubomila Jordanova, CEO und Mitbegründerin von Plan A und Mitbegründerin von Greentech Alliance, traf. Es war ihre emotionale Rede über den verzweifelten Zustand unseres Planeten, die mich dazu inspirierte, ein Unternehmen im Bereich Greentech zu gründen.

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Durch meine Arbeit als Beraterin vieler grüner Startups in der Vergangenheit habe ich ein Verständnis dafür entwickelt, welch großen Einfluss die Solartechnologie haben kann. Sie ist einfach, leicht zugänglich und kann, wenn sie auf breiter Basis eingesetzt wird, eine enorme Entlastung unseres Stromnetzes bewirken. So entstand die Idee für We Do Solar.

Meine Berechnungen ergaben, dass jeder Balkon und jedes Garagendach 20 Prozent des Stromverbrauchs der EU-Haushalte abdecken könnte, wenn Solarzellen mit einer Leistung von mindestens 640 Watt Peak installiert werden würden. So könnte die EU nicht nur energieunabhängiger werden, sondern auch ihre Kohlenstoffemissionen um vier Prozent senken.

t3n: Wie ist es Ihnen in den ersten Monaten nach dem Launch ergangen?

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Attspodina: Gleich nach dem Start erlebten wir eine riesige Nachfrage. Innerhalb eines Monats hatten wir bereits 1.500 Bestellungen von deutschen Kunden und Kundinnen.

Nach Kriegsbeginn stiegen unsere Bestellungen um 70 Prozent und es gab eine große Panik unter den Menschen, die versuchten, ihre Netzunabhängigkeit zu sichern. Zum einen wollten sie ihre Abhängigkeit von russischem Gas verringern und zum anderen hatten sie Angst vor dem kommenden kalten Winter mit möglicherweise unzureichender Energieversorgung.

Wir haben auch erste Importanfragen aus Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien und Polen und sogar von potenziellen Kund:innen aus den USA und Kanada erhalten.

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Die beiden We Do Solar Gründer: Qian Qin und Karolina Attspodina. (Bild: We Do Solar)

Die beiden We-Do-Solar-Gründer: Qian Qin und Karolina Attspodina. (Bild: We Do Solar)

Die Nachfrage wird noch eine Weile hoch bleiben, und ich freue mich, dass unser Produkt – Solarsichtschutz für den Balkon – dieses Segment der Energiewende bedienen kann und den Menschen eine Lösung bietet, die sie leicht umsetzen können.

t3n: Laut ihrer Website kann man Ihre Solarmodule derzeit nicht kaufen. Ab wann werden sie wieder bestellbar sein?

Attspodina: Ja, das stimmt leider. Nach der Markteinführung des Produkts im Februar waren wir innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Aber wir erhalten weiterhin Bestellungen und werden alle wartenden Kunden und Kundinnen in den nächsten Monaten beliefern.

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Da wir das Geschäftsmodell validiert und gutes Feedback von Bestandskund:innen erhalten haben, können wir nun Mittel aufbringen, um unser Team zu vergrößern und die Produktauslieferung zu skalieren.

Da wir mit Hardware arbeiten, war es wichtig, zunächst die Nachfrage nach dem Produkt zu sehen, bevor wir mit der Herstellung von Tausenden von Sets beginnen. Jetzt, da die Nachfrage da ist und wir sie validiert haben, ist es an der Zeit, zu skalieren. Sehr bald werden wir wieder Lagerbestände haben und in der Lage sein, alle Wartenden zu beliefern.

t3n: Was sind die Voraussetzungen für ihre Solarsets? Können sie von jedem und jeder mit einem Balkon oder einer Terrasse genutzt werden? 

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Attspodina: Unsere Vision ist es, potenziell alle Balkone zu bedienen, aber bisher wurde unser erstes Produkt nur für Balkone mit offenem Geländer entwickelt. In einigen Fällen kann ein solches System auch an Zäunen installiert werden. Wir haben bereits Kunden und Kundinnen, die die Paneele an ihren Gartenzäunen oder Terrassen installiert haben.

Unser Team arbeitet auch an anderen Lösungen, die auf geschlossenen Betonbalkonen und Glasbalkonen eingesetzt werden können, um die Installation von Sonnenkollektoren auf jeder vertikalen Fläche des Gebäudes zu ermöglichen.

Dann ist ein nach Süden ausgerichteter Balkon natürlich von Vorteil, da die Paneele eine größere Energiekapazität erzeugen. Aber auch nach Norden ausgerichtete Balkone würden von einer solchen Anlage profitieren, die nach der Installation bis zu 55 oder 60 Prozent ihrer Kapazität erzeugen kann.

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Es gilt: Wenn Ihnen die Umwelt am Herzen liegt und nicht nur die Einsparungen auf Ihrer Stromrechnung, dann ist es schön zu wissen, dass Sie auf jeden Fall CO₂ einsparen werden.

t3n: Um die Energie aus den Solarmodulen auch dann zu nutzen, wenn die Sonne nicht scheint, braucht man einen Speicher. Bislang bieten Sie keine Lösung dafür an. Ist das etwas, woran Sie gerade arbeiten?

Attspodina: Ja, wir werden sicherlich in naher Zukunft Speicher anbieten. Ein solches Produkt zunächst ohne Speicher anzubieten macht dennoch Sinn, da es nur eine Teilabdeckung der Energie ist und der Preis somit erschwinglich bleibt. Wenn wir unser Set mit Speicher anbieten würden, kämen noch ein paar Tausend Euro dazu. Im Moment sind Batteriespeicher noch sehr teuer und schwer, aber wir arbeiten an etwas, das leichter, preiswerter und auch nachhaltiger sein wird.

t3n: Sie bieten kostenlose Solarpaneele für Besitzer:innen von Elektrofahrzeugen an. Sie schreiben: „Wir sorgen dafür, dass die großen Ölkonzerne für Ihre Balkonsolaranlage bezahlen.“ Wie funktioniert die Finanzierung dafür? 

Attspodina: Wir haben mit der Einführung unseres Produkts in Deutschland begonnen und bieten hier den Besitzer:innen von Elektrofahrzeugen ein „kostenloses Mietmodell“ an, bei dem sie ihre am für ihr Auto fälligen CO₂-Zertifikate gegen unsere Module eintauschen können. Das bedeutet, dass die Nutzung der Lösung für sie kostenlos ist und wir von den Ölgesellschaften bezahlt werden, die verpflichtet sind, solche Zertifikate zu kaufen, weil sie einfach viel zu viel CO₂ ausstoßen.

Der Solarsichtschutz kann auch direkt zum Preis von 1.299 Euro erworben werden und wir verzeichnen auch daran ein großes Interesse. Für mich ist aber die von Ihnen angesprochene Option besonders attraktiv. Wir wollen ein Mitarbeiter­vorteilsprogramm fördern, bei dem große Unternehmen die Geräte von uns mieten und ihren Mitarbeiter:innen zur Verfügung stellen.

Die Mitarbeiter:innen erhalten die Geräte kostenlos und kommen in den Genuss einer niedrigeren Stromrechnung, während das Unternehmen alle CO₂-Gutschriften, die die Mitarbeiter:innen erzeugen, behalten kann. Das ist eine Win-win-Situation für alle. Ich habe sogar gesehen, dass einige Unternehmen Gutscheine zur Senkung der Stromrechnung ausgeben, um ihren Mitarbeiter:innen bei der Bezahlung von Energie zu helfen. Ich glaube, dass unsere Lösung insgesamt viel besser als die Ausgabe von Bargeld ist.

t3n: Wo produzieren Sie Ihre Solarpaneele?

Attspodina: Derzeit befinden sich alle unsere Produktionsanlagen in China. Mein Partner Qian kümmert sich um den Herstellungsprozess. Die Tatsache, dass er ebenfalls gebürtiger Chinese ist und Mandarin spricht, hilft uns ungemein. Ich verstehe jedoch, dass die Emissionen, die während des Prozesses und des Transports entstehen, im Moment einen Kompromiss darstellen.

Wir prüfen die Möglichkeit, eine Fabrik in Europa zu errichten, damit wir vor Ort produzieren können. Das wird noch ein paar Jahre dauern und wir müssen eine andere Investitionsstrategie finden.

t3n: Wo wir schon beim Thema sind. Wie sind Sie bislang finanziert?

Attspodina: Wir wussten von Anfang an, dass das Thema erneuerbare Energien im Begriff ist, zum Mainstream zu werden, und wir haben schnell die Unterstützung von 15 Angel-Investor:innen erhalten. Ich bin den Investor:innen und Geldgeber:innen, die an uns geglaubt haben und uns von Anfang an zur Seite standen, sehr dankbar, denn ihre Unterstützung hat uns so weit gebracht.

Jetzt bemühen wir uns aktiv um eine Seed-Runde, um die Produktion und Lieferung unseres Produkts ohne Unterbrechung zu ermöglichen und es zum sofortigen Kauf anzubieten.

t3n: Was sind aktuell Ihre größten Herausforderungen?

Attspodina: Meine größte Herausforderung, aber auch meine größte Frustration ist, dass ich das Produkt an diejenigen ausliefern möchte, die darauf warten. Leider hat das Sommerloch unseren Aufbauprozess verlangsamt und die Auslieferung verzögert, aber wir werden in Kürze unsere nächste Charge produzieren und dann endlich wieder in die Spur kommen.

t3n: Wie groß ist Ihr Team?

Attspodina: Wir sind noch ein Startup und unser Team ist sehr klein, aber wir planen, in den kommenden Monaten zu wachsen. Wie gesagt sammeln wir derzeit Geld für unsere Seed-Runde und hoffen, damit unser Team bald vergrößern zu können.

Ich habe viele Anfragen von Bewerber:innen, die mit uns zusammenarbeiten wollen, die das Konzept interessant finden und an seiner Entwicklung teilhaben wollen. Es freut mich zu sehen, dass immer mehr Menschen nach Jobs suchen, die die Chance bieten, etwas Positives zu bewirken. Heutzutage sind große Marken grüne Marken.

t3n: Worauf freuen Sie sich in den nächsten zwölf Monaten am meisten?

Attspodina: Wir werden ab 2023 in andere EU-Länder expandieren, und das ist unglaublich spannend für uns. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, wie die Akzeptanz auf den verschiedenen Märkten sein wird.

Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, an den Balkonen unser Produkt zu sehen, das wir geschaffen haben. Etwas, das vor nicht allzu langer Zeit nur eine Idee in meinem Kopf war, ist jetzt Realität, und ich freue mich, dass wir den Menschen helfen können, Geld zu sparen und gleichzeitig ein großes Problem zu lösen.

t3n: Sie wurden vor Kurzem in das Akzelerator-Programm von BCG Digital Ventures (DV) aufgenommen. Was bedeutet das für Sie und Ihr Startup?

Attspodina: In den nächsten Wochen werden wir mit dem Team der BCG DV in Berlin zusammenarbeiten und uns auf die GTM-Strategie, die Skalierbarkeit des Produkts und die Benutzererfahrung konzentrieren.

Wir sind sehr glücklich, dass wir Zugang zu 15 Topexpert:innen haben, die Vollzeit an unserem Produkt arbeiten. Von Venture-Architekt:innen bis hin zu UX/UI-Designer:innen, die bereits mit den größten Einhörnern der Industrie zusammengearbeitet haben, helfen sie uns nun, noch besser zu werden.

Für uns ist dies ein großer Meilenstein, denn die Tatsache, dass so hoch qualifizierte Talente in einem frühen Wachstumsstadium an unserem Startup arbeiten, gibt dem Unternehmen einen enormen Schub in Bezug auf die Verfolgung der Ziele, die wir vor Augen haben.

Wir werden unser Backend auf die Skalierung vorbereiten, um sicherzustellen, dass wir technisch für große Auftragsvolumen gerüstet sind, da wir eine große Nachfrage nach unserem Produkt sehen. Die Lagerverwaltung, die Sendungsverfolgung und der Kundenservice werden für uns in einem Dashboard zusammengefasst, was uns einen hervorragenden Überblick über unsere Geschäftsbemühungen verschaffen und die Expansion unterstützen wird.

t3n: Vielen Dank, Frau Attspodina! Haben Sie noch letzte Worte für unsere Leser:innen?

Attspodina: Ich hoffe, dass unsere Geschichte andere Unternehmer dazu inspirieren wird, innovative Lösungen zu schaffen, insbesondere im Energiebereich. Wir brauchen viel mehr Innovation, nicht nur, um den Klimawandel zu bekämpfen, sondern auch, um den Übergang zu erneuerbaren Energien schneller zu schaffen. Lasst uns versuchen, über den Tellerrand hinauszuschauen und mehr Gutes zu bewirken.

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