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Whatsapp verbietet den Newsletter-Versand

Whatsapp-Logo auf Karton. (Foto: Ink Drop / Shutterstock.com)

Zu viel Spam und Fake News: Whatsapp will das Versenden von Newslettern künftig unterbinden. Welche Möglichkeiten Unternehmen jetzt zur Kundenkommunikation haben.

Die Broadcast-Funktion von Whatsapp ist eine häufig genutzte Möglichkeit, Kunden regelmäßig Newsletter-Informationen aufs Smartphone zu schicken. Dazu müssen die Kunden dem Unternehmen ihre Handynummer mitteilen, zum Beispiel über ein Anmeldungsformular für den Whatsapp-Newsletter. Pro Broadcastliste können gleichzeitig bis zu 256 Personen erreicht werden. Die Öffnungsrate bei Whatsapp-Nachrichten ist höher als bei E-Mails, dementsprechend beliebt ist die Option bei vielen Unternehmen.

Dieser Massenversand von Nachrichten bewegte sich bislang in einer Grauzone der Nutzung des Messengers. Jetzt hat Whatsapp klargestellt: Die Verwendung als Newsletter ist unerwünscht. Ab dem 7. Dezember 2019 will Whatsapp rechtliche Schritte gegen diejenigen einleiten, die Whatsapp zum automatisierten Massenversand oder den Messenger nicht zu persönlichen Zwecken verwenden.

Maßnahme gegen Spam

„Whatsapp ist eine private Messaging-Plattform, die ursprünglich entwickelt wurde, um Menschen zu helfen, ihre Freunde und Lieben zu benachrichtigen“, heißt es in den FAQ des Messengers. „Unsere Produkte sind nicht für Massenversand oder automatisierte Nachrichten bestimmt, die beide schon immer einen Verstoß gegen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen darstellten.“

Die Maßnahme gehört offensichtlich zur Strategie gegen Fake News und Spam. Die Facebook-Tochter stand in der Kritik, weil es in Indien zu Lynchmorden nach der Verbreitung von Falschachrichten per Whatsapp gekommen war. Laut Medienberichten wurden im Vorlauf der Präsidentschaftswahlen in Brasilien ebenfalls massiv über Whatsapp gefälschte Nachrichten in Umlauf gebracht, um unentschlossene Wähler für den rechtskonservativen Kandidaten Jair Bolsanaro zu gewinnen.

Schon im Januar beschränkte Whatsapp die Weiterleitungsfunktion von Nachrichten. Im Februar hat der Messenger ein Whitepaper veröffentlicht, in dem er erläutert, wie er gegen den Missbrauch vorgeht. Systeme mit Machine Learning sollen missbräuchliche Verwendungen erkennen und verdächtige Accounts sperren. Die Prüfungen erfolgen bei der Registrierung, beim Nachrichtenversand und als Reaktion auf Meldungen anderer Nutzer. Mit diesen Methoden ermittelt und bannt Whatsapp monatlich zwei Millionen Accounts, von denen Spam und Fake News ausgehen.

Schluss mit Newslettern: Whatsapp betont private Kommunikation

Jetzt schreibt Whatsapp: „Wir verpflichten uns, den privaten Charakter unserer Plattform zu stärken und die Benutzer vor Missbrauch zu schützen. […] Wir sind uns bewusst, dass einige Unternehmen versuchen, unseren Machine-Learning-Tools auszuweichen, auch wenn wir unermüdlich daran arbeiten, sie zu verbessern.“ Die Zeit bis zum 7. Dezember ist offenbar für Newsletter-Versender als Übergangsfrist zu verstehen. Ab diesem Datum will Whatsapp auch Off-Plattform-Informationen nutzen, um Missbrauch zu entdecken. Dazu könnten auch Aufforderungen von Unternehmen an Kunden gehören, sich für einen Whatsapp-Newsletter einzutragen.

Die Facebook-Tochter verweist auf die Whatsapp-Business-App sowie die Whatsapp-Business-API für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Die App dient dem Zweck, „speziell Eigentümern von Kleinunternehmen“ auf dem schnellen Weg ein Profil zu ermöglichen, das die sofortige Kundenkommunikation erleichtert. Nachrichten können sortiert und automatisiert beantwortet werden. Aber auch der Einsatz dieser Tools erlaubt nach derzeitigem Stand nicht den massenhaften Nachrichtenversand und dürfte ebenso von der strengeren Handhabe betroffen sein.

Die Konkretisierung durch Whatsapp trifft insbesondere das Geschäftsmodell von Firmen, die sich auf Lösungen in der Kundenkommunikation per Messenger spezialisiert haben, so etwa Messengerpeople. Das Münchener Unternehmen hat bereits reagiert. Bis zum 7. Dezember bietet es den Newsletter-Versand per Whatsapp noch an, danach nicht mehr. Dafür betont es die Bedeutung von Messenger-Marketing abseits von Newsletter-Versand: Kundensupport, Benachrichtigungen, Click-to-Chat-Buttons. Pull statt Push soll im Vordergrund stehen. Zu deutsch: Ja, Bananen kriegen wir nicht mehr rein, aber schaut mal, unsere Äpfel sind auch lecker.

 t3n meint:
Dass Whatsapp in der Grauzone Newsletter-Versand mit der groben Kelle ausmistet, ist für viele Unternehmen bedauerlich, die diese Möglichkeit verantwortungsvoll nutzten. Dank DSGVO war der hiesige Empfänger vor Spam bereits ziemlich gut geschützt: Nur per Opt-in gab es kommerzielle Whatsapp-Nachrichten aufs Handy. Möglicherweise bereitet Whatsapp hier aber auch die Einführung einer umfangreicheren Business-Lösung vor, nach dem Motto: wenn schon kommerzielle Nutzung, dann zu unseren Bedingungen.
Anton Weste

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Ein Kommentar
borisch

Finde ich sehr gut. Selbst seriöse Anbieter möchte ich nicht in meinen privaten Nachrichten haben. Whatsapp-Newsletter sind für mich oft Totschlag-Argument sich gegen ein Produkt/Service zu entscheiden.

Wer es so hart dringend notwendig hat private Personen in ihrem privaten Umfeld zu nerven, ist für mich kein ehrenvolles Unternehmen und wird von mir deshalb aus ethischen Gründen abgelehnt.

Antworten

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