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Ratgeber

Spionageballons: Wie funktionieren sie und warum werden sie noch eingesetzt?

Am 4. Februar hat das US-Militär vor der Küste South Carolinas einen chinesischen Überwachungsballon abgeschossen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter den Flugobjekten, die bei all der modernen Technik wie ein Relikt vergangener Tage wirken?

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Hat für Aufruhr gesorgt: Ein kleiner weißer Ballon schwebt Anfang Februar im US-amerikanischen Luftraum. (Foto: dpa)

Es war der 2. Februar 2023, als in Nordamerika ein Ballon auftauchte, von dem zunächst niemand so richtig wusste, was genau seine Mission war oder wem er gehörte. Der Ballon flog über Westkanada und über Idaho in den Luftraum der Vereinigten Staaten von Amerika.

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Von da an verfolgte das Militär den Ballon, der sich in über 18 Kilometern Höhe befand, ganz genau. Der Ballon überquerte unter anderem die Malmstrom Air Force Base in Montana. Hier ist das 341. Raketengeschwader der United States Air Force untergebracht, eine Interkontinentalraketeneinheit die auch mit nuklearen Raketen operiert.

Am nächsten Tag gaben chinesische Beamte zu, dass der Ballon ihnen gehörte, leugneten jedoch, dass er zum Spionieren oder zum Betreten des US-Luftraums gedacht war. US-Außenminister Antony Blinken sagte daraufhin seine geplante Reise nach Peking ab.

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Die Geschichte der Spionageballons

Einen Gegner mit einem Ballon zu überwachen, ist eine Idee, die bereits vor mehreren Jahrhunderten entstanden ist. Die Franzosen waren die ersten, die 1794 während ihres Konflikts mit Österreich Ballons zur Luftaufklärung eingesetzt haben. Durch den guten Überblick aus der Luft gelang es Frankreich in der Schlacht von Fleurus, die Aktivitäten des Feindes genauestens zu beobachten. Der Militärballon „Entreprenant“ wurde damit zum wahrscheinlich ersten Luftaufklärer der Geschichte.

Später kamen Ballons auch noch während des amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 und auch noch im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Sie waren perfekt dafür geeignet, die Truppenbewegungen aus großer Höhe aufzuzeichnen.

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Im Laufe der Jahre liefen Satelliten, Flugzeuge und Drohnen ihnen den Rang ab, doch ganz verschwunden sind die Ballons nicht. Im Kalten Krieg gewannen Spionageballons wieder an Bedeutung, als über der UdSSR über 4.000 Ballons auftauchten, von denen die Nasa behauptete, es seien lediglich Wetterballons.

Was ist eigentlich ein Spionageballon?

Früher waren Spionageballons bemannte Fesselballone, die zum Ausspähen hinter die feindliche Frontlinie geschickt wurden. Heute sind die Ballons unbemannt und mit Gas gefüllt und bewegen sich in der Stratosphäre fort. Sie sind also deutlicher näher an der Erde als Satelliten, kollidieren aber dennoch nicht mit Verkehrsflugzeugen. Dabei verfügen heutige Spionageballons über hochmoderne Kameras und Technologie und sind so in der Lage, Informationen von allem zu sammeln, was auf dem Boden so vor sich geht.

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Im Normalfall lassen sich die Ballons nicht sonderlich gut steuern, sondern werden im wahrsten Sinne vom Winde verweht. Durch die genaue Begutachtung von Wettervorhersagen und Prognosen ist es dennoch möglich, die Ballons zu einem bestimmten Zeitpunkt über ein bestimmtes Ziel schweben zu lassen. Manche Ballons sind auch mit halbautonomen Navigationssystemen ausgestattet und lassen sich zumindest in Höhe und Geschwindigkeit beeinflussen.

Warum werden überhaupt noch Ballons statt Satelliten verwendet?

Die Antwort auf diese Frage ist relativ logisch: Je näher etwas an der Erde ist, desto klarer können Dinge gesehen werden. Der Nachteil erdnaher Satelliten besteht darin, dass sie sich ständig um die Erde bewegen. Für eine Erdumrundung benötigen sie etwa 90 Minuten, was ganz schön schnell ist, wenn genaue Fotos von etwas auf der Erde geschossen werden sollen.

Aus diesem Grund gibt es weiter entfernte Satelliten in einer geosynchronen Umlaufbahn, die sich parallel zur Erde bewegen und immer das gleiche Stück des Planeten im Blick haben. Dafür haben sie den Nachteil, dass sie sehr weit weg von den Geschehnissen auf der Erde sind und nicht so klare und deutliche Bilder schießen können.

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Ein Ballon vereint quasi das beste aus beiden Welten: Er ist nah dran und bewegt sich relativ langsam. Dennoch werden Ballons nur noch selten zur Spionage eingesetzt, weil sie ein leichtes Angriffsziel darstellen.

Welche Art von Informationen sammeln Ballons?

Kurz: Alle Arten von Informationen. Es können einfache Fotos sein, aber auch Aufnahmen im Bereich des elektromagnetischen Spektrums. Mit den richtigen Instrumenten ausgerüstet, ist es den Spionageballons möglich, auch im Infrarotbereich Aufnahmen zu machen. Das kann gerade aus militärischer Sicht von Bedeutung sein, wenn beobachtet werden soll, was beispielsweise in einem Flugzeughangar vor sich geht oder wie sich gegnerische Truppen nachts in einem Waldgebiet fortbewegen.

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