Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

Wikipedia: So versucht Russland, die öffentliche Meinung zu manipulieren

Eine Studie hat „verdächtige Bearbeitungen“ auf Wikipedia analysiert. Sie kommt zu dem Schluss, dass so pro-russische Propaganda den öffentlichen Diskurs beeinflussen soll.

2 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige

Russische Soldaten vor ihrem Einsatz in der Ukraine. (Foto: picture alliance/dpa/TASS | Ivan Vysochinsky)

Es ist Krieg in der Ukraine. Russland tötet dort nicht nur, sondern versucht auch, in einem Informationskrieg die Richtung im öffentlichen Diskurs zu bestimmen. Eine aktuelle Studie legt dar, wie zweifelhafte Accounts etwa Artikel der freien Enzyklopädie Wikipedia immer wieder in Sprache und Fakten anpassen. Auf 24 Seiten belegt das Papier anhand von Netzwerk-Visualisierungen und Artikel-Analysen, dass eine Reihe suspekter Accounts regelmäßig staatlich-unterstützte Quellen und Propaganda-Narrative injizieren.

Anzeige
Anzeige

Netzwerk-Mapping macht Verbindungen deutlich

Die Forscher:innen des unabhängigen Institute for Strategic Dialogue (ISD) und des Centre for Analysis of Social Media (CASM) konzentrierten sich zunächst auf die englischsprachige Seite zum Ukraine-Krieg. Dabei untersuchten sie Konten, die diese Seite editiert haben und irgendwann gesperrt wurden.

Die Forscher kartierten das Bearbeitungsverhalten und stießen auf weitere Wikipedia-Seiten, auf denen bösartige Akteure Netzwerk-Mapping betrieben. Darunter versteht man das verteilte Editieren von Artikeln, um nicht aufzufliegen.

Anzeige
Anzeige

Einträge haben Objektivierung pro-russischer Darstellungen zum Ziel

Die Studie enthüllt dabei ein Netzwerk von zwielichtigen „Redakteuren“, die versucht haben, das Narrativ in Richtung der russischen Propaganda zu manipulieren. Das umfasste sprachliche Änderungen, „um die Objektivität pro-westlicher Darstellungen zu minimieren und die Objektivität von Pro-Kreml-Darstellungen zu maximieren“. Sie unterfütterten diese zum Teil nur leichten Modifikationen mit Quellen, die zu russischen Staatsmedien führten.

Die Netzwerk-Map zeigt in der Mitte und im oberen Bereich Redakteure, die stark miteinander verbunden sind. (Grafik ISD/CASM)

Ähnliche Konten bearbeiten dieselben Narrative

Die Arbeit isolierte 86 gesperrte Konten, die 791.771 Überarbeitungen vorgenommen haben. Um ihre Verbindungen aufzudecken, verwendeten die Wissenschaftler:innen eine Netzwerkkarte. Sie sind für 681 Edits des Artikels über den Krieg verantwortlich.

Anzeige
Anzeige

Jeden Einzelnen überprüfte das Team manuell und fand 22 Edits mit 37 Domains, die staatlichen Ursprungs waren. 16 davon waren umstritten, weil sie offensichtliche Narrative aufwiesen, die mit dem vom Kreml gesponserten Informationskrieg übereinstimmten. Die Studie belegt die Änderungen mit Beispielen.

Wikipedia Eintrag russische Invasion in der Ukraine Ukraine-Krieg

Die Verfasser:innen der Studie sehen in vielen Edits das Ziel, pro-westliche Argumentation in ihrer Objektivität zu schmälern. (Quelle: ISD/CASM)

Staatsmanipulation? Eindeutige Zuordnung schwierig

Bösartige Organisationen setzen diverse Mechanismen ein, um ihre Aktivitäten zu verschleiern. Das Papier nennt etwa Strohmänner, Tag-Teams, Fake-Accounts, Click-Farms und Deep Fakes. Im Falle der Strohmänner kennt man allerdings schon viele Accounts, von denen man weiß, dass sie ferngesteuert agieren.

Anzeige
Anzeige

Die meisten gesperrten Nutzer:innen der Untersuchung unterhielten mehrere Konten oder verstießen in anderer Weise gegen die Bestimmungen. Die Studie gibt zu, dass eine eindeutige Zuordnung sehr schwer ist. Sie sammelt jedoch eine Menge Hinweise, die den Schluss nahelegen, dass der Kreml versucht, den öffentlichen Diskurs zu manipulieren. Auf der anderen Seite ist es wohl nicht die einzige Körperschaft, die sich das traut.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige