Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

Wissenschaftler entdecken Stern, der seinen Nachbarn verschlingt

Seit über 50 Jahren wissen Astronom:innen von seiner Existenz, beobachtet wurde er bis jetzt allerdings noch nie: ein Stern, der seinen Begleiter förmlich aussaugt. Das Sternenpaar umkreist sich außerdem so schnell und nah, wie es bisher noch nie beobachtet wurde.

Von Stefica Budimir Bekan
2 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige
Astronom:innen haben einen besonderen Doppelstern entdeckt. (Bild: M.Weiss/ Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian)

Die Hälfte der Solarsysteme in unserer Galaxie sind Doppelsterne. Viele von ihnen umkreisen sich eng. Und es gibt auch viele Weiße Zwerge in Doppelsystemen, die ihrem Sternenpartner Material absaugen.

Anzeige
Anzeige

Die neue Entdeckung ist dennoch etwas Besonderes. Forscher:innen des Zentrums für Astrophysik Harvard & Smithsonian haben nämlich einen neuen Typen Doppelstern beobachtet, dessen Existenz bisher reine Theorie war.

Etwa 3.000 Lichtjahre entfernt, in der Konstellation Herkules, umschlingt sich ein Sternenpaar so eng, dass es für eine Umrundung nur 51 Minuten braucht – die kürzeste Umlaufperiode, die je bei solchen Sternen beobachtet wurde. Die neue Klasse von Sternen, die in der aktuellen Ausgabe der „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ beschrieben wird, wurde von Kareem El-Badry, einem Postdoktoranden, mithilfe des Shane-Teleskops am Lick Observatory in Kalifornien entdeckt.

Anzeige
Anzeige

„Wir haben den ersten physikalischen Beweis einer neuen Population von Übergangsdoppelsternen beobachtet“, sagt El-Badry. „Das ist aufregend; es ist das fehlende evolutionäre Glied in Modellen zur Entstehung von Doppelsternen, nach dem wir gesucht haben.“

Deshalb sind die beiden Sterne so eng umschlungen

Bei der Analyse zeigte sich auch, wie diese ungewöhnlich enge Umlaufbahn zustande gekommen ist: Der eine Stern hat dem anderen schon so viel Gas abgesaugt, dass dessen Hülle geschrumpft und fast nur noch der dichtere Heliumkern übrig ist. Der sonnenähnliche Stern hat sich dabei fast vollständig von seiner Hülle gelöst.

Anzeige
Anzeige

„Dieser Stern hat dadurch zwar eine Temperatur vergleichbar mit der Sonne, aber durch seine heliumreiche Zusammensetzung eine 100-fach höhere Dichte“, berichtet das Team. Dadurch ist der Stern nur noch so groß wie der Jupiter, aber im Verhältnis sehr schwer. Aus diesem Grund konnte die beiden Sterne noch dichter aneinanderrücken als andere.

Den Forscher:innen zufolge handelt es sich um ein kataklysmisches Sternenpaar. „Das Universum ist einfach nicht alt genug, um diese Sterne durch normale Evolution zu erzeugen“, so El-Badry.

Anzeige
Anzeige

„Es ist ein altes Sternenpaar, bei dem einer der beiden weitergezogen ist – wenn Sterne an Altersschwäche sterben, werden sie zu weißen Zwergen –, doch dann begann dieser Überrest, seinen Begleiter zu fressen“, erklärte der MIT-Astrophysiker und Hauptautor des wissenschaftlichen Papers, Kevin Burdge, gegenüber Reuters.

„Kurz bevor der zweite seinen stellaren Lebenszyklus beenden und ein Weißer Zwerg entstehen konnte, wie es Sterne normalerweise tun – indem sie sich zu einem Sterntyp entwickeln, der als Roter Riese bezeichnet wird –, unterbrach der übrig gebliebene weiße Zwergüberrest des ersten Sterns das Ende des Lebenszyklus seines Gefährten und begann ihn langsam zu konsumieren.“

Anzeige
Anzeige

Die Umlaufbahn wird vermutlich noch kürzer

Das Forscherteam geht davon aus, dass sich die schon jetzt sehr kurze Umlaufbahn des Doppelsterns in Zukunft noch weiter verkürzen wird. Die Astronom:innen schätzen, dass in etwa 70 Millionen Jahren der vollständige Wechsel zu einem Heliumsystem vollzogen sein wird. Eine Orbitalperiode der beiden Sterne könnte dann nur noch 18 Minuten betragen.

Irgendwann werden sich die Sterne allerdings wieder voneinander entfernen, denn der ausgesaugte Stern wird sich aufgrund seines Materialverlusts vermutlich abkühlen und weiter ausdehnen. „Das System wird 300 Millionen Jahre benötigen, um dann als kataklysmische Helium-Veränderliche wieder rund 30 Minuten für einen Umlauf zu benötigen“, heißt es.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige