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Wie Huawei die Architektur des Internets neu gestalten will

„Die Organisation von ­Technologie ist immer auch die Organisation von Macht.“ (Foto: Shutterstock / Martina Badini)

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Die Architektur des Internets kennt kaum zentrale ­Instanzen. Doch das könnte eine Initiative des chinesischen Techkonzerns ­Huawei ändern. Für die einen ist das der ­richtige Schritt in Richtung Zukunft, für andere das Ende des freien ­Netzes.

Die ganzen Glasfaserkabel, Unterseeleitungen und Mobilfunkmasten sind eigentlich nur Nebensache. Was das Internet ausmacht, ist ein sich ständig erweiterndes Regelwerk. Wer daran mitwirken will, schreibt mit an den Protokollen, die festlegen, wie genau Daten von einem Endgerät zum anderen gelangen ­sollen. Olaf Kolkman ­arbeitete Ende der 1990er, damals kaum älter als 30 Jahre, an seinen ersten Protokollzeilen. Heute ist er „Principal, Internet Technology, Policy and Advocacy” für die Internet-­Society. Unter dem Dach der Organisation finden sich viele jener Gruppen, die an neuen Protokollen arbeiten.

„Das Internet basiert darauf, dass die Fähigkeiten beim Host liegen“, sagt Kolkman. „Das Netzwerk selbst schubst nur Pakete hin und her.“ Das sei ausfallsicherer, leistungsfähiger, demokra­tischer und freier, weil es Nutzer vor staatlichen Übergriffen schütze, sind sich viele Internetpioniere einig und loben gewöhnlich die zugrundliegende Architektur.

Das Internet kennt bis heute keine zentrale Instanz, die ­alles kontrolliert. So bleibe das Netz weitgehend dezentral, sagt Kolkman. Damit sich das nicht ändert, hat er im April dieses ­Jahres ein 13-seitiges Schreiben aufgesetzt. Er will eine Initiative abwehren, in der er eine Bedrohung für das Internet in seiner jetzigen Form sieht.

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Bereits 2018 ging der Chief Scientist von Futurewei, ­einer Tochterfirma des chinesischen Techkonzerns Huawei, mit ­Plänen hausieren „für ein neues Internet für das Jahr 2030 und danach“. Seit September 2019 streiten Fachkreise über eine Powerpoint-­Präsentation mit dem Titel „New IP: Shaping the ­Future ­Network”. Einer der Urheber ist das chinesische ­Ministerium für Industrie und Informationstechnologie. Auf knapp 30 Folien ­skizziert Huawei Zukunftsszenarien einer Welt der Holografie-­Kommunikation mit VR-Brillen und autonom ­fahrenden ­Autos. In Tabellen werden Prognosen über enorme Datenmengen ­angestellt. Es soll der Eindruck entstehen, dass die ­aktuellen Strukturen überfordert sind mit dem, was auf das Internet zukommen wird.

Die Empfehlung von Huawei lautet daher: Um den Wandel hin zu einem datenintensiven Internet of Things durchzusetzen, um Cyber­attacken abzuwehren und um großflächig satelliten­gestütztes Internet einzubinden, müsse die alte Internetarchitektur überholt werden. In der Präsentation fabuliert der Konzern von einer neuen Protokollfamilie, von einer „strategischen Transformation“ und „gut geplanter Top-Bottom-Arbeit“.

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