News

4-Tage-Woche: Microsoft-Experiment bringt 40-prozentiges Plus bei der Produktivität

Microsoft. (Bild: Shutterstock)

Microsoft hat in Japan eine Vier-Tage-Woche getestet. Dabei ist allein die Produktivität um 40 Prozent angestiegen. Zudem konnte der Softwareriese Einsparungen beim Stromverbrauch verbuchen.

Erst Anfang diesen Jahres hatte eine Studie aus Neuseeland die positiven Auswirkungen der Vier-Tage-Woche belegt. Die Mitarbeiter waren demnach glücklicher, weniger gestresst und dabei noch produktiver als bei der Fünf-Tage-Woche. Jetzt hat ein Experiment von Microsoft in Japan ähnliche Ergebnisse gebracht. Im August führte der Konzern für den Zeitraum von einem Monat testweise die Vier-Tage-Woche ein – und verbuchte ein Plus bei der Produktivität von 40 Prozent, wie CNBC berichtet.

Microsoft: 4-Tage-Experiment in Japan

Das Vier-Tage-Experiment war Teil der sogenannten „Work Life Choice Challenge“ bei Microsoft Japan. Die insgesamt 2.300 Mitarbeiter bekamen jeden Freitag im August frei. Darüber hinaus ging es aber auch darum, seine Entwicklung voranzutreiben und sich stärker auf die eigene Familie zu fokussieren. Laut Microsoft gaben 92,1 Prozent der Mitarbeiter an, die Vier-Tage-Woche zu mögen.

Positive Auswirkungen auf die Produktivität brachten zudem Maßnahmen wie eine Begrenzung von Meetings auf 30 Minuten und eine Steigerung des Anteils von Videokonferenzen. Damit brauchten weniger Mitarbeiter für ein Meeting längere Anfahrten auf sich nehmen. Interessant ist sicher auch, dass sich der Stromverbrauch im Testzeitraum um 23,1 Prozent reduzierte. Auch wurden um 58,7 Prozent weniger Seiten ausgedruckt.

80 Überstunden im Monat keine Seltenheit

Das Microsoft-Experiment in seiner Japan-Dependance hat zudem einen weiteren Aspekt. Denn das Land gilt als eines, in dem die Menschen am längsten arbeiten. Laut einer Studie der Regierung aus dem Jahr 2016 erwartet fast ein Viertel der japanischen Firmen von ihren Angestellten, dass diese 80 Stunden und mehr pro Monat an Überstunden leisten.

Ebenfalls interessant: Vier-Tage-Woche – Unternehmer sprechen über ihre Erfahrungen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

5 Kommentare
Christian
Christian

Die ganze Woche geht das jetzt schon so, dass ein Journalist die vermeintliche Sensationsmeldung über Microsoft’s 4-Tage Versuch vom anderen abschreibt. Alle Artikel haben gemein, dass sie ziemlich unreflektiert sind. Zunächst frage ich mal, wie man denn die Produktivität in einem solchen Unternehmen überhaupt so explizit messen kann? Darüber hinaus ist der Zeitraum sehr kurz gewesen und niemand kann sagen, dass diese Produktivitätssteigerung auf Dauer aufrecht erhalten bleibt.
Zumindest wird hier mal erwähnt, dass Japan eine komplett andere Arbeits- und Unternehmenskultur pflegt. Schon allein deswegen, lässt sich dieser Ansatz nicht 1:1 auf unsere Situation übertragen, wenngleich es auch in unseren Kulturkreisen durchaus Potential gäbe.
Und wow, der Stromverbrauch ist gesunken!? Wenn ich mich darüber freue, dass der Stromverbrauch gesunken ist, weil meine Mitarbeiter nicht gearbeitet haben, müsste ich mich fragen, welchen Mehrwert ich in der Arbeit meiner Mitarbeiter sehe.

Antworten
Marco
Marco

Lieber Christian,

Ich arbeite selber seit 2 Jahren in einer 4 Tage Woche, aber muss dazu sagen mit 40 Stunden. Das heißt 10 Stunden pro Tag (ist rechtlich in Ordnung). Ich bin Team Lead in Softwarebereich und finde es wird viel zu wenig getan für die Aufklärung der 4 Tage Woche. Das ist jetzt eine Studie und diese wird, weil es eben ein großer Konzern wie Microsoft ist, in den Medien super gerne zitiert. Fakt ist einfach, dass eine 4 Tage Woche funktioniert!

Man mag es kaum glauben, gerade in meiner Branche, wo man schlicht von überall jederzeit arbeiten könnte (Thema remote work) ist es ebenfalls immer noch nicht angekommen, dass die Leute Work-Life Balance nicht mit free Softdrinks oder einem Kickertisch verbinden, sondern mit flexibler und freier Arbeitszeiteinteilung. Sei es der Familienvater, der einen Tag mit seine Kinder genießen kann. Der Single der öfter mal einen spontanen Wochendtrip von Freitag bis Sonntag einlegen kann um die Welt zu sehen. Oder eben auch einfach nur um sich ein langes Wochenende zu gönnen um seinen eigenen Garten zu genießen oder einfach mal richtig Abstand auch von seiner Arbeit nehmen zu können.

Viele Firmen, die mir Abwerbungsangebote schicken aufgrund meiner Fähigkeiten, sind trotz des Interesses (meist) nicht bereit mir eine 4 Tage anzubieten. Obwohl in meinem Fall es 40 Stunden wären, so wie jeder andere 5 Tage a 8 Stunden die Woche arbeitet. Aufgrund von meiner Führungsposition höre ich immer wieder, dass ich für mein Team 5 Tage da sein muss, ansonsten würde die Culture nicht stimmen.

Bullshit! Ich mache das seit 2 Jahren und muss sagen, dass es sogar besser klappt als in einer 5 Tage Woche. Die Kollegen organisieren sich besser, da alle Entscheidungen und Absprachen vor meinem freien Tag gemacht werden müssen und auch die Kollegen entwickeln viel schneller eine selbstständige Arbeitsweise, da sie eben einen Tag auf sich gestellt sind im Notfall. Ich bin trotzdem natürlich für mein Team auch an meinem freien Tag im Notfall erreichbar, aber mit dem Hintergrund: Ich muss offiziell nicht arbeiten. Und die Kollegen respektieren das auch.

Für mich ist ganz klar, dass die Produktivität steigt (auch in so kurzer Zeit). Die Leute sind entspannter in einer 4 Tage Woche und arbeiten eben auch selbstständiger. Alleine die Tatsache, wenn der Arbeitgeber die Möglichkeit einräumt frei über seine Arbeitszeit/Tage zu entscheiden, sind die Leute auch schlicht weg motivierter dem Arbeitgeber das mit guter und harter Arbeit wieder zurück zu geben!

Und die Sache mit dem Stromverbrauch. Ich sehe das als nettes Benefit für den Arbeitgeber, dass ihn die 4 Tage Woche auch objektiv weniger Kosten würde. Nur sollte es kein Grund sein für eine 4 Tage Woche. Doch wie am Anfang erwähnt ist es für mich hier eine Frage der Überzeugungsarbeit, dass mehr Arbeitgeber auf diesen Zug aufspringen und ihren Arbeitnehmern diese Option anbieten. Es muss ja nicht gleich jeder machen. Aber die Option sollte doch wenigstens bestehen und nicht immer als negativ dargestellt werden, als wolle man weniger arbeiten als andere. Man möchte einfach nur nach seinen besten Möglichkeiten arbeiten, um auch sich selbst nicht dem Job völlig unterzuordnen.

Ich freue mich über jeden Artikel, der das Thema aufwirft und wünsche mir, dass viele Arbeitnehmer sich die Frage stellen, ob das nicht auch in ihrem Unternehmen möglich wäre.

Antworten
Christian
Christian

Generell bin ich auch sehr für flexiblere Arbeitszeitregelungen, welche die private Situation der Arbeitnehmer berücksichtigen (habe da selbst hinreichend Bedarf) und ich glaube dir gern, dass die 4-Tage-Woche bei dir gut funktioniert.

Was mich aber stört ist, dass in solchen Arbeitszeit-Diskussionen häufig pauschalisiert davon ausgegangen wird, dass jeder Ansatz in jedem Unternehmen funktioniert. Das wird insbesondere von der Headline „Sag’s deinem Chef: Die Vier-Tage-Woche boomt“ im T3N-Newsletter von heute Morgen unterstrichen (nicht im Artikel zu finden). Wenn in einem Unternehmen ein solches Modell ausprobiert wird, will es wohl überlegt sein, wie unter den geänderten Umständen Kommunikation, Qualität und nicht zuletzt die quantitative Leistung aufrecht erhalten bleiben soll. Immer wieder werden solche Fragen aber nach meinem Gefühl mit Pauschalaussagen wie „alle werden produktiver, zufriedener etc.“ abgetan. Das ist auch in vielen Artikeln zur 4-Tage Woche bei Microsoft der Fall.

TS
TS

Ich sehe das auch etwas kritisch. Der Testzeitraum war in der Tat sehr kurz und es ist relativ klar was passiert, wenn man seinen Mitarbeitern sagt „Hey wir testen jetzt einmal, ob wir in einer 4-Tage Woche die Produktivität erhalten können“. Natürlich werden die sich in dem Zeitraum den A… aufreissen, in der Hoffnung dauerhaft eine 4-Tage Woche zu bekommen. Auf lange Zeit wird die Produktivität wieder sinken und die Rufe nach einer 3-Tage Woche groß…

Antworten
Janine

In den vergangenen Jahren ist die 4-Tage-Woche zu einem heiß diskutierten Thema geworden. Zum Beispiel in Neuseeland testete eine Firma namens Perpetual Guardian die 4-Tage-Woche und stellte fest, dass die Mitarbeiter glücklicher, kreativer, pünktlicher und produktiver wurden.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung