Kommentar

Aliexpress eröffnet Shop in Madrid: Es wird ernst für den Handel

Aliexpress eröffnet den ersten Shop in Europa. Jetzt wird es ernst für den Handel. (Foto: Dedy Pramu / Shutterstock.com )

Alibaba hat für seinen Marktplatz Aliexpress den ersten Shop in Europa eröffnet. Ein Blick nach Spanien zeigt, wie stark das Unternehmen schon ist. 

Am Samstagabend treffen die ersten Kunden am Einkaufszentrum Xanadu nahe Madrid ein, sie haben Schlafsäcke dabei. Die ersten elf organisieren sich in einer Rangliste, um auf Toilette gehen zu können, ohne ihren Platz in der Schlange zu gefährden. So berichtet das spanische Medium Elmundo und vergleicht die Eröffnung am Sonntag um 12 Uhr mit dem Hype, der sonst für die Eröffnung von Apple-Stores reserviert ist. 3.000 Kunden sollen sich laut der spanischen Agentur EFE dann schließlich vor dem Eingang des chinesischen Geschäfts drängeln und auf eines der 500 Geschenke hoffen, die Aliexpress an die ersten Kunden verteilen will. Der Shop und die Resonanz bei der Eröffnung zeigen, dass Alibaba in Europa ernst macht mit dem Endkundengeschäft.

Aliexpress-Shop in Madrid

Auf 700 Quadratmetern präsentiert im Madrider Vorort Arroyomolinos Aliexpress laut Businessinsider Spanien eine geräumige Verkaufsfläche auf der insgesamt 1.000 Produkte von 60 Marken präsentiert werden, so El Pais. Zwischen 60 bis 70 Prozent davon sind internationale und spanische Marken, der Rest des Sortiments stammt von chinesischen Marken. Darunter auch große Namen wie Apple oder Samsung. Verkauft wird hauptsächlich Technologie, von der Nähmaschine über Küchengeräte bis hin zum E-Scooter. Aber auch Haustierzubehör findet sich in den Regalen. Kleidung gibt es zwar nicht, aber eine digitale Umkleide, ein smarter Spiegel, steht zur Verfügung.

20 Mitarbeiter kümmern sich um Kunden und schenken neben den Beratungen auch kostenlosen Kaffee aus. In einem kleinen filigran abgezäunten Bereich können Drohnen vor dem Kauf ausprobiert werden.

Video-Rundgang bei der Eröffnung des Aliexpress-Shops (spanisch)

Die Bilder der Eröffnung sind geprägt von Menschenmassen vor den Türen, die spanischen Medien schreiben von Hysterie und Hype, Alibaba hat in Spanien maximale Aufmerksamkeit für die Ladeneröffnung erreicht. An dem Menschenansturm ist zu einem Teil auch das Sammelsurium an Geschenken verantwortlich: darunter 5 Xiaomi A3, ein Mi-E-Scooter und eine Drohne. Die Preise im Aliexpress-Shop sollen sich an marktüblichen Preisen orientieren. Markenartikel wie eine aktuelle Version der Spielekonsole Nintendo Switch kosten rund 300 Euro. Das zahlt der Kunde auch beispielsweise bei Amazon.de oder Real.de. Aber: Zur Eröffnung gibt es in dem Laden eine Woche lang 30 Prozent Rabatt.

Aliexpress ist Nummer 2 in Spanien, nach Amazon

Wie das Handelsblatt schreibt, ist Alibaba mit seinem Marktplatz Aliexpress die Nummer zwei in Spanien, mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz erreicht das Unternehmen etwa die Hälfte von Amazons Umsatz, der laut Statista auf über zwei Milliarden geschätzt wird. Darauf folgt die Kaufhaus-Kette El Corte Ingles mit über 770 Millionen Euro.

Die Kaufkraft in Spanien liegt laut Gfk leicht über dem europäischen Durchschnitt mit rund 14.000 Euro im Jahr, allerdings deutlich unter der deutschen Kaufkraft von rund 23.000 Euro. Madrids Einwohner stehen an fünfter Stelle im Ranking der spanischen Städte mit der höchsten Kaufkraft. Aber trotz der niedrigeren Kaufkraft zeigt der Umsatz, dass der spanische Markt für Alibaba attraktiv ist. Und das Sortiment zeigt, dass Aliexpress nicht mit Wish zu vergleichen ist, der Ramschfaktor fehlt, es werden viele hochwertige Produkte verkauft.

Auch die Gestaltung und Platzierung des Stores ist hochwertig: Xanadu ist eines der größten Einkaufszentren Europas mit weit über 200 Geschäften, der Store hat den selben Chic wie jeder andere Flagshipstore.

Es wird ernst für den Handel

Alibaba betonte oft und gerne, dass der B2B-Handel für das Unternehmen wichtig ist. Das chinesische Unternehmen hat die eigenen Ambitionen auf dem Endkundenmarkt so lange heruntergespielt wie es möglich war. Das ist jetzt vorbei. Alibaba ist da und mischt ganz vorne mit, die Eröffnung einer digitalen Einzelhandelsfiliale zeigt, wie wichtig Alibaba der direkte Endkundenkontakt ist.

In Deutschland und Großbritannien ist Amazon zwar mit großem Vorsprung unterwegs, aber die Entwicklung in Spanien zeigt, dass sich Aliexpress über die Zeit große Marktanteile sichern kann. Im März hat Aliexpress neunjähriges Jubiläum in Spanien gefeiert. Bis zum Ende des Jahres wollen die Verantwortlichen bei Aliexpress rund 10.000 Händler auf dem spanischen Marktplatz erreicht haben, so die Manager gegenüber dem spanischen Medium Europaexpress.

Wie groß die Umsatzanteile von Aliexpress in Deutschland sind, ist nicht bekannt. Aber die Shoppingapp gewinnt immer mehr an Popularität und rangiert entweder direkt in der Top Ten der App-Stores von Google und Apple oder zumindest nahe der Top Ten der Shopping-Apps in Deutschland.

Alibaba baut seine Logistik-Infrastruktur in ganz Europa aus, auch in Deutschland. Und das Wachstum, das damit generiert wird, ist sowohl auf dem B2B- als auch auf dem B2C-Markt angesiedelt. Alibaba ist dabei damit auch in Europa zu einer Marktplatzgröße zu werden, mit der man rechnen muss. In Spanien muss selbst Amazon auf Alibaba achten. Es wird ernst.

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