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Alles getrackt: Wie uns die Apple Watch langsam verrückt macht

Sie wollen uns Sicherheit geben, können uns stattdessen aber unnötig verunsichern: Tracking-Gadgets. Wer gesund leben will, muss das auch ohne sie können.

3 Min. Lesezeit
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Tracking gehört nicht mehr nur beim Sport dazu, sondern ist für manche auch im Alltag ein Must-have. Das sorgt nicht in jedem Fall für Beruhigung. (Foto: Olena Yakobchuk / Shutterstock)

Bunte Farben bewegen sich auf dem Display, sie weiten sich und schrumpfen zusammen: Eine Ein-Minuten-Meditation flimmert auf meiner Apple Watch. Zum Abschluss bekomme ich eine Meldung – mein Puls soll bei 79 Schlägen pro Minute gelegen haben.

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Wie? Das klingt aber nicht entspannt! Im weiteren Tagesverlauf wird meine Smartwatch mir noch mehrmals sagen, wie es mir geht oder eher: was ich tun sollte. Aufstehen! Training! Ich wundere mich, dass sie mich nicht ans Atmen erinnert. Abends checke ich dann in der zugehörigen App, wie es mir geht.

Kennt mich meine Smartwatch besser als ich mich selbst?

Moment … Ich schaue in der App, wie es mir geht? Das müsste ich doch eigentlich selbst spüren. Hm, aber dabei könnte ich ja falsch liegen. Vielleicht kennt mich meine ja Smartwatch besser, als ich mich kenne? Bevor ich in diesen Gedanken tiefer einsteige, vibriert es an meinem Handgelenk: Zeit, aufzustehen.

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Ich habe die Uhr einige Zeit jeden Tag an meinem Handgelenk gehabt. Sie gab mir ein Gefühl von Sicherheit, eine dauerhafte Echtzeitüberwachung. Eigentlich erhoffte ich mir dadurch mehr Entspannung – allerdings hatte ich stattdessen wahrscheinlich eher mehr Stress.

Dauerüberwachung kann auf die Psyche gehen

Mit diesem Gefühl bin ich nicht allein: Expert:innen sehen die selbstständige Dauerüberwachung mit smarten Gadget teilweise kritisch. Es ist immer ein Abwägen: Tracking kann helfen, gesundheitliche Probleme zu erkennen, allerdings ist dafür ein bewusster Umgang mit dem Gadget gefragt. Wer mehrmals täglich ein EKG mit der Apple-Watch erstellt, hat dadurch wahrscheinlich keinen gesundheitlichen Nutzen, sondern setzt sich einfach nur zusätzlichem Stress aus.

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Statt Sicherheit bekommen Nutzer:innen damit nur unnötige Verunsicherung – und wahrscheinlich ein wachsendes Bedürfnis nach Sicherheit. In diese Kerbe schlagen auch Werbespots wie jüngst von Apple. Wer sieht, wie andere durch Hinweise der Smartwatch gerettet werden konnten, und selbst eher der Hypochonder-Fraktion angehört, setzt das Produkt wahrscheinlich auf seine Wunschliste. Und so wächst der Markt für smarte Gadgets, Tracker liegen im Trend.

Fomo 2.0

Dabei hoffen wir, durch die ständige Eigenüberwachung gesünder zu leben – das lässt uns die dazugehörige Werbung ja auch glauben. Mit dem Tracken kann aber auch ein Teufelskreis losgehen: Das Gadget wird unverzichtbar, weil die Angst wächst, lebensbedrohliche Körperveränderungen nicht rechtzeitig wahrzunehmen. Das ist dann die Fomo – fear of missing out – im Gesundheitsbereich: die Angst, die eigene Gesundheit zu verpassen.

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Wahrnehmen ist dabei ein wichtiges Stichwort: Durch das Tracken können wir nämlich auch unser Körpergefühl verlieren. Wenn wir nur noch schauen, was eine App uns sagt, könnte das uns bezüglich unserer eigenen Gefühle für den Körper verunsichern. Dazu ersetzt das Tracking, ob mit Gadget oder App, auch keine ärztliche Überwachung oder Kontrolle.

Gadgets können helfen – maßvoll eingesetzt

Gadgets können uns helfen, wenn wir mit ihnen in einem gesunden Maß umgehen können. Sie können helfen, einen zu hohen Puls zu erkennen oder etwa Fitness-Ziele zu erreichen. Wenn sie uns allerdings erinnern müssen, aufzustehen oder Wasser zu trinken, dann sollten wir uns nicht einfach stumpf auf sie verlassen, sondern wieder lernen, unser eigenem Körpergefühl zu vertrauen – dafür müssen wir allerdings all die klingelnden Sachen abstellen.

Ich selbst nehme meine Uhr nur noch zum Sport und bin erleichtert, dass die Pseudo-Vibration an meinem Arm nach einigen Tagen aufgehört hat. Das war ein ziemlich gutes Gefühl, das auch kein Tracker aufzeichnen konnte.

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Daniel

Sehe ich genau so. Ich habe seit der Apple Watch 4 keine digitale Uhr mehr angepackt, im Gegenteil, ich drücke meine Persönlichkeit mit einer mechanischen Uhr aus, die man nicht nur reparieren sondern auch noch vererben kann und die in 100 Jahren noch ihren Dienst tun wird. Im Gegensatz dazu steht eine Apple Watch, die kaum reparabel ist und nach X Jahren obsoleter E-Schrott. Vom Tracking, den Mikrofonen und der konstanten Panikmache der Apple-Keynotes will ich gar nicht erst anfangen.

Ich brauche keine Apple Watch die mir einen Herzinfarkt meldet, wenn ich einen ungesunden Lebensstil habe, denn dann arbeite ich aktiv darauf hin. Menschen haben schon weitaus länger ohne solche Gadgets gelebt und werden es auch in Zukunft schaffen. Und wenn wir ehrlich sind: Gefühlt 80% kaufen die Apple Watch nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aufgrund des Panikmache-Marketings von Apple.

Wenn ich jemanden auf der Straße mit einer Apple Watch sehe, dann kommt mir nur ein Gedanke in den Kopf: „Leicht beeinflussbarer Mensch mit zu viel Geld auf dem Konto und keinem Drang tiefer in die Materie zu gehen“, weil er einfach weder Geschmack noch ökologisches denken hat. Die Apple Watches sind die weißen Socken in den FlipFlops oder Sandalen der Tech-Branche. Braucht keiner, sieht furchtbar Stillos aus, kauft man nur weil man sich leicht beeinflussen lässt.

Btw: Ich nutze durchaus ein iPhone und ein iPad sowie MacBook. Aber ich werde niemals, niiiiiiemals wieder eine Apple Watch kaufen. Schon allein für meine Psyche und der Umwelt zuliebe.

(Fangt mir gar nicht erst mit den Marketing-Recycling-Claims von Apple an, das ist genau so oberflächlicher Blödsinn wie die Panikmache um die Herzgesundheit, denn ich sag nur „Recht auf Reparatur“ und „Akkus mit Identifier“)

Antworten
Gerald

Warum spricht die Redakteurin für alle Leser? Bin zufrieden, die Uhr macht mich überhaupt nicht verrückt. Grüße von einem leicht beeinflussbaren…. Na ihr wisst schon. LOL.

Antworten
Gunar Gürgens

Stellt die ganzen Benachrichtigungen doch einfach ab. Wo ist das Problem? Ich nutze seit Jahren einen Charge 3, der hat jetzt langsam sein Lebensalter erreicht. Bald kommt die Versa 4, erste Amtshandlung: keine Benachrichtigungen anzeigen. Nach und nach vielleicht, wie bei der Charge 3, anzeigen lassen wer anruft, damit man das gleich wegdrücken kann, vielleicht noch SMS und den Geburtstagskalender. Alles andere aus, nervt eh nur.
Was nicht nervt ist das Sportracking und das Schlaftracking.

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