News

Anschreiben: Immer mehr Konzerne verzichten darauf

Anschreiben wird immer unwichtiger im Bewerbungsprozess. (Foto: Shutterstock)

Die Deutsche Bahn ging 2018 voran: Viele Stellenausschreibungen kommen hier ohne Anschreiben aus. Andere Großunternehmen ziehen jetzt nach. Auch bei ihnen ist das Schreiben nur noch optional.

Die Nachricht glich einem Paukenschlag: 2018 gab die Deutsche Bahn zu, Probleme damit zu haben, neue Auszubildende zu finden. Um es Schülern und Schülerinnen leichter zu machen, kündigte das Unternehmen deshalb an, künftig bei der Bewerbung auf diese Stellen auf ein Anschreiben zu verzichten. „Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen“, sagte Personalerin Carola Hennemann damals. Für Schüler sei so ein Schreiben bisweilen recht schwierig, fügte die Leiterin für Personalgewinnung in Baden-Württemberg hinzu. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit reichten von „eigentlich sinnvoll“ bis „Untergang des Abendlandes“. Im Herbst war es dann soweit. Und in den Monaten darauf waren erste Resultate bereits sichtbar: Zwischen November 2018 und Januar 2019 gingen rund zehn Prozent mehr Bewerbungen für Ausbildungs- und Studienplätze als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres ein. Der Plan ging also auf.

Anschreiben: Nur 14 Konzerne bestehen darauf

Robert Bosch verzichtet bei vielen IT-Stellen auf das Anschreiben. (Foto: dpa)

Das hat auch andere deutsche Großunternehmen dazu gebracht, die Praxis des Begleitschreibens teilweise zu überdenken. Nur rund ein Drittel der 50 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands fordert einer Auswertung der Recuriting-Plattform Taledo zufolge noch ein Anschreiben im Bewerbungsprozess. Taledo hat die geforderten Dokumente beim Bewerbungsprozess für IT-Positionen geprüft. Gerade einmal 14 der untersuchten Unternehmen bestehen noch explizit auf einem Anschreiben, darunter unter anderem Größen aus der Automobilindustrie wie Porsche und Daimler, aber auch pharmazeutische Großunternehmen wie Bayer. Dem entgegen steht ein Unternehmen, das gar keine Möglichkeit mehr anbietet, der Online-Bewerbung ein Anschreiben beizufügen: Robert Bosch.

„Traditionelle Bewerbungsverfahren sind hoffnungslos veraltet.“

Mit 64 Prozent überlassen knapp zwei Drittel aller Unternehmen die Entscheidung über das Anfügen eines Anschreibens dem Bewerber selbst. Das ist die überragende Mehrheit. Deutlich wird somit, dass dem Begleitschreiben zunehmend weniger Bedeutung beigemessen wird. Zumindest in den Bereichen, in denen sich Unternehmen heute schwertun, Stellen zu besetzen. Der IT-Arbeitsmarkt ist so einer und hart umkämpft. In Deutschland gibt es aktuell 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Wie der IT-Branchenverband Bitkom im November 2019 mitteilte, entspricht dies einem Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem 82.000 Stellen unbesetzt waren. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der unbesetzten IT-Stellen sogar mehr als verdoppelt.

Ein Teil der Untersuchung von Taledo beschäftigte sich aber auch mit dem Lebenslauf. Hier wird deutlich, dass ein Großteil der Unternehmen den sogenannten Curriculum Vitae (CV) weiterhin benötigen. Mit 37 Unternehmen fordern 74 Prozent einen CV, um die Bewerbung abzuschließen. Bei zehn der untersuchten Großunternehmen ist der Lebenslauf nur noch optional beizufügen. Dazu zählen unter anderem BASF, die Deutsche Bahn und die Deutsche Post. Melikshah Ünver, Gründer von Taledo, bewertet diese Entwicklungen als fortschrittlich: „Dass traditionelle Bewerbungsverfahren hoffnungslos veraltet sind, erkennen deutsche Unternehmen nach und nach“, erklärt er. „Im Hinblick auf den Fachkräftemangel und im Zeitalter der Digitalisierung müssen Prozesse schlank, schnell und effizient werden“, fügt er hinzu.

Während der Lebenslauf noch einen Überblick über die Stationen gibt, die Bewerber und Bewerberinnen in ihrem Arbeitsleben ausgefüllt haben, sei das Anschreiben oft nicht besonders aussagekräftig. Es helfe nicht sicher dabei, zu beurteilen, ob es tatsächlich vom Jobsuchenden stamme oder von einem wohlmeinenden Freund oder Familienmitglied verfasst sei. Den umfangreichsten Bewerbungsprozess würden übrigens Aldi Süd, Vattenfall sowie Unternehmen wie Hochtief und Media-Saturn-Holding im Rahmen ihrer IT-Stellen durchführen. Sie gehören zu den sieben Unternehmen, sprich 14 Prozent der Untersuchung, die laut Taledo die meisten Dokumente einfordern – dazu zählen neben dem Anschreiben und dem Lebenslauf auch nach wie vor noch Zeugnisse.

Erfolgreicher im Job: Diese Apps helfen euch bei der Karriere
Jobsuche: Die kostenlose Truffls-App für iOS und Android ist ein Tinder für Bewerber. Wer auf der Suche nach einem interessanten Job ist und fündig wird, swipt einfach nach rechts und schickt einen Lebenslauf ab. Antwortet das Unternehmen, kommt es zum Match. (Grafik: t3n / dunnnk)

1 von 15

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind Motoren neuer Berufe. Einer Erhebung zufolge profitieren vor allem IT-Berater, Softwareentwickler und Elektroingenieure. Auch in der Pflege soll sich was tun. Lies auch: Trendberufe 2020 – sind das die Jobs mit bester Zukunftsperspektive?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung