
Eigentlich sollten die Nasa-Astronaut:innen Sunita Williams und Butch Wilmore nur acht Tage auf der ISS bleiben. Aufgrund von Problemen mit Boeings Starliner-Raumschiff wurden allerdings 286 Tage daraus, also mehr als neun Monate.
Starliner: ISS-Anreise verlief hoch dramatisch
Mit einer Dragon-Kapsel von Boeing-Konkurrent SpaceX ging es für die beiden Gestrandeten Mitte März 2025 wieder zurück auf die Erde. Wie Williams und Wilmore jetzt berichten, war die holprige Anreise zur ISS per Starliner aber wohl viel dramatischer als bisher bekannt.
Entsprechend steht auch der Freudentanz, den Williams beim Betreten der ISS aufführte und dessen Video viral ging, noch einmal in einem anderen Licht da. Denn, so liest man es zumindest zwischen den Zeilen, die beiden Astronaut:innen dürften Todesängste ausgestanden haben.
Nach jahrelangen Verzögerungen war Boeings Starliner im Juni 2025 zwar erfolgreich gestartet. Auch bei den ersten Manövern im All hatte das Raumschiff sehr gut abgeschnitten.
Frieren in der Raumkapsel
Schon in der Nacht zeigten sich aber erste Probleme. Denn an Bord war es ziemlich kalt, wohl unter zehn Grad Celsius. So dass sich Williams und Wilmore, um nicht zu frieren, ihre Raumanzüge anziehen mussten.
Spekuliert wird, dass das an der fehlenden Körperwärme lag. Normalerweise ist die Kabine für eine Crew von vier Leuten ausgelegt. In dem Bericht von Ars Technica erscheint das aber als böses Omen.
Denn am nächsten Tag ging es um das Andocken an die ISS – und das wurde zu einem echten Vabanquespiel. Williams und Wilmore zufolge war das Ganze noch viel dramatischer als bisher bekannt.
Vier Triebwerke ausgefallen
Zunächst setzten demnach vier der 28 Triebwerke aus, was das Manövrieren enorm erschwerte. Vor allem das Andocken wird damit schwer bis unmöglich. Ähnliche Probleme soll es auch schon bei einem unbemannten Flugtest zur ISS im Mai 2022 gegeben haben.
Wilmore zufolge stieg jetzt die Gefahr, dass das Raumschiff komplett manövrierunfähig wird. Der passionierte Pilot hatte derweil die manuelle Kontrolle übernommen. Eigentlich hätte das Andockmanöver abgebrochen werden müssen – nicht zuletzt, um auch die ISS vor Schäden zu schützen.
Flugregeln verletzt, um ISS zu erreichen
Es sei aber nicht klar gewesen, ob Starliner in dieser Verfassung eine sichere Rückkehr zur Erde hinlegen hätte können. Entsprechend entschied sich das Kontrollteam auf der Erde, einige Flugregeln zu verletzen und den Andockversuch zu genehmigen.
Zwischendurch hatten die beiden Astronaut:innen aber noch einen weiteren Schockmoment durchleben müssen. Denn, um zu versuchen, die ausgefallenen Triebwerke neu zu starten, musste Wilmore die manuelle Kontrolle abgeben.
Im schlimmsten Fall hätte er diese nicht mehr zurückerlangen können. Der Starliner wäre dann manövrierunfähig durch den Orbit getrieben – die ISS vor der Nase, aber unerreichbar. Zum Glück konnten die vier Triebwerke wieder gestartet werden und Wilmore die Steuerung wieder übernehmen.
Fünftes ausgefallenes Triebwerk
Noch einmal Glück im Unglück: Erst nachdem die vier zuvor ausgefallenen Triebwerke wieder betriebsfähig waren, fiel ein fünftes Triebwerk aus. Wäre das vorher passiert, wäre das Raumschiff ebenfalls womöglich manövrierunfähig geblieben.
Schon relativ bald nach der Ankunft war den Astronaut:innen klar, dass sie wohl nicht mit dem Starliner zurück zur Erde kehren würden. Als sie es dann per SpaceX geschafft hatten, sei das Gefühl unbeschreiblich gewesen. Aber: Wilmore würde wieder eine Starliner-Raumfähre steuern.