Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

Auswüchse in Online-Games: Britischer Werberat will Spielende vor Kaufdruck schützen

Der britische Werberat ASA hat verschärfte Richtlinien herausgegeben, die regeln sollen, wie Spielepublisher mit Werbung für In-Game-Währungen, Lootboxen und Asset-Käufen umgehen.

3 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige

Britische ASA will Gamer schützen. (Foto: Chikena / Shutterstock.com)

Wenn Spieleentwickler und -publisher ihre Produkte so gestalten, dass Spielerinnen und Spieler nicht nur das eigentliche Game bezahlen, sondern auch im Spiel immer wieder Items zum Kauf angeboten bekommen, dann kann sich daraus für den Hersteller eine regelrechte Goldgrube entwickeln. Viele geben ihre Spiele dann direkt als Free-to-play, also ohne initialen Kaufpreis heraus, weil ihr Ziel darin besteht, möglichst viele Spielende anzulocken. Die werden dann im Spiel mit Kaufangeboten für Lootboxen, stärkere Waffen und andere Items, bessere Charaktere oder Spielgeld, gerne als Gems oder Coins bezeichnet, teils regelrecht traktiert. Immer wieder ziehen sich Publisher die Kritik der Community zu, wenn sie es mit den In-Game-Verkäufen so deutlich übertreiben, dass ein erfolgreicher Spielverlauf faktisch, ohne für alles möglich zu bezahlen, gar nicht möglich ist. Zuletzt traf dieser Vorwurf das neue „Pokémon Unite“.

ASA will den Verbraucherschutz in Spielen stärken

Anzeige
Anzeige

Solche Auswüchse will nun die dem deutschen Werberat ähnliche Selbstkontrolleinrichtung Advertising Standards Authority (ASA) im Vereinigten Königreich verhindern. In verschärften Richtlinien macht die ASA deutlich, welche Art und Weise von Werbung künftig erwünscht bleibt und welche unterlassen werden soll. Dabei will die ASA insbesondere Timer, die Spielende mit einem Kauf-Countdown drängen wollen, sowie vermeintliche Sonderangebote mit Bezeichnungen wie „Best Value!“ beseitigt wissen.

In Großbritannien unerwünscht: Best Value als Lockangebot. (Bild: 80lv)

Laut Eurogamer bezieht sich der neue Leitfaden sowohl auf Werbung im Spiel und Werbung für das Spiel auf den diversen Plattformen und sogar auf allgemeine Werbung, die man im Fernsehen oder beim Surfen im Internet sehen kann. Die neuen Regeln der ASA wollen Werbung unterbinden, die Spielende zu einem Kauf drängt oder die Kunden über die Existenz, den Zweck und die Gesamtkosten von In-App-Käufen in die Irre führt.

Anzeige
Anzeige

Verwenden Spiele eine In-Game-Währung, die nur mit echtem Geld und nicht etwa über das Abwickeln von Missionen oder auf andere spielerische Weise zu erwerben ist, verlangt die ASA, dass Werbung wie Popups im Spiel stets den realen Geldwert mitnennt. So müsste etwa eine Anzeige, in der eine neue Waffe für 500 Edelsteine angeboten wird, auch anzeigen, was diese 500 Edelsteine für einen Fiat-Wert haben. Wenn diese Anzeige im Spiel erscheint, muss sie angeben, wie viele Edelsteine oder Münzen die Spielenden derzeit haben, wie viele benötigt werden, um das entsprechende Asset zu bekommen, und wie viel das kosten wird.

Anzeige
Anzeige

Die Anzeige von Countdown-Timern, die signalisieren sollen, dass ein rabattiertes Angebot nur noch 10..9..8..7.. läuft, soll ebenso abgeschafft werden, wie das irreführende Anzeigen sogenannter „bester Angebote“.

 

Anzeige
Anzeige

ASA hat keine hoheitliche Macht

Den besonders umstrittenen Fall der Lootboxen, also einer Art Wundertüte, die Spiel-Items enthält, umschifft die ASA. Zwar empfiehlt sie, dazu ebenfalls transparent entsprechende Hinweise anzubringen, verweist ansonsten aber darauf, dass die umstrittene Frage, ob Lootboxen unter die Glücksspieldefinition fallen, der Beurteilung durch die britische Glücksspielkommission Gambling Commission, einer dem Digitalministerium unterstellten Organisation, unterliegt.

Die ASA selbst hat keine behördlichen Befugnisse. Sie kann weder Gesetze anstoßen noch auslegen oder umsetzen. Sie hat keine Sanktionsbefugnisse. Alles, was sie tun kann, ist, Rechtsverstöße an die zuständigen Behörden zu melden. Sie ist als reine Selbstkontrolleinrichtung der Wirtschaft konzipiert und bezieht ihren Einfluss ausschließlich aus der Selbstverpflichtung der Unternehmen. Bislang hat sich die ASA mit ihrer Richtliniensetzung weitestgehend an britischem Recht orientiert und das für die Werbeindustrie konkretisiert. In Deutschland und Österreich sind am ehesten die jeweiligen Werberäte mit der britischen ASA vergleichbar.

Auch in Deutschland zeigen sich etwa die Verbraucherschutzzentralen nicht begeistert vom Umgang der Publisher mit der Werbung in ihren Spielen. In einer umfangreicheren Untersuchung zwischen 2017 und 2019 hatte die Schutzorganisation viele Mängel benannt, darunter fehlende Transparenz im Umgang mit In-App-Käufen, aber auch Basics wie fehlende Alterskennzeichnungen und -prüfungen – etwa, um zu verhindern, dass Minderjährige überhaupt Geld in Spielen ausgeben können.

Anzeige
Anzeige

Anders als die Briten haben sich die deutschen Glücksspielregulierer schon 2017 mit der Frage, ob Lootboxen unter die Glücksspieldefinition fallen, befasst. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das nicht der Fall ist. Dem stimmt die juristische Literatur in Deutschland in ihrer Mehrheit zu.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige