Analyse

Darum gefährden autonome Autos deutsche Zulieferer

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„Viele, gerade kleinere Unternehmenden werden einen massiven Kulturwandel vollziehen müssen“, prognostiziert auch Johannes Berking von Oliver Wyman. Es gehe also darum, etwas anders zu tun als in der Vergangenheit. Das Problem: Gerade bei kleineren, familiengeführten Unternehmen, die lange Zeit sehr erfolgreich waren, sei die Erfahrung und die Bereitschaft, jemand anderen mit ins Boot zu holen, „erst einmal nicht besonders hoch“, wie der Experte sich ausdrückt. Und wenn es dann so weit sei, müsse man „erst noch lernen, erfolgreich zusammenzuarbeiten“.

Branche noch stark in Deutschland verwurzelt

Trotz vieler Unwägbarkeiten und Herausforderungen scheint die Branche in Deutschland allerdings recht stabil. Eine Befragung von 161 leitenden Managern der deutschen Automobilzulieferunternehmen durch das Center of Automotive Management (CAM) vom März dieses Jahres diagnostizierte ein „sehr erfolgreich abgeschlossenes Geschäftsjahr“ und „große Zuversicht“ im Hinblick auf die im aktuellen und folgenden Jahr anstehenden Entwicklungen.

Große Zulieferunternehmen, hieß es, würden ihre Zukunftsaussichten allerdings „noch deutlich besser“ einschätzen als kleinere Betriebe. Betriebe aus den Sektoren Metallverarbeitung und insbesondere Elektro beurteilten die Geschäftslage für 2017 und 2018 weit überdurchschnittlich als „sehr gut“ oder „gut“, während in den Feldern Maschinenbau, Gummi/Kunststoff beziehungsweise Dienstleistungen die Geschäftssituation „verhaltener“ eingeschätzt wurde.

Die deutsche Automobilzulieferbranche, heißt es, sei mit ihren Kernfunktionen und Stammbelegschaften in Deutschland „noch stark verwurzelt“, weise jedoch gleichzeitig auch einen hohen Grad an Internationalisierung auf. So seien 74 Prozent der Zulieferer auch in anderen westeuropäischen Ländern aktiv, 49 Prozent in Osteuropa und 51 Prozent in China. 46 Prozent der befragten Zulieferer seien in den USA präsent und immerhin 33 Prozent bereits in Mexiko. Weitere zehn beziehungsweise zwölf Prozent würden ein Engagement in diesen Ländern zumindest planen, wie es heißt.

Allerdings gibt es nicht nur gute Nachrichten: Im steigenden Kostendruck würden viele Unternehmen der Branche zunehmend eine Existenzgefährdung für ihr Geschäft sehen, will die Studie des CAM erhoben haben. Demnach hätten 46 Prozent der Automobilzulieferer der Aussage zugestimmt, dass ein weiter steigender Kostendruck durch die Automobilhersteller die Existenz des eigenen Unternehmens „nachhaltig gefährde (Vorjahr: 43 Prozent).

Kostendruck macht kleinen Unternehmen zu schaffen

Wenig überraschend könnten größere Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern dem Kostendruck dabei besser standhalten als kleinere Zulieferer – und würden sich demzufolge auch weniger gefährdet sehen, legt die Studie nahe. Bei den KMU hingegen sei der Leidensdruck dagegen „deutlich stärker ausgeprägt“.

Besonders betroffen vom Kostendruck, heißt es, seien Elektro- und Metallunternehmen, während die häufig mit komplexeren Produkten zuliefernden Maschinenbauer und Dienstleister offenbar „weniger betroffen“ sind. Auch im Bereich Einkauf würden die Zulieferer Gefahrenpotenzial sehen. So hätten knapp zwei Drittel der Unternehmen angegeben, dass der Einkauf ihres Hauptkunden „rein preisgetrieben“ sei und langfristig betrachtet „zwangsläufig zu Qualitätsproblemen führen“ werde.

Bedenklich stimme zudem, dass viele Zulieferunternehmen offenbar „Zweifel hegen“ an der Vertrauensbasis zu ihren Kunden. Immerhin fast jedes zweite befragte Zulieferunternehmen, nämlich volle 47 Prozent, glaube nicht, dass die eigenen Kunden ein Interesse daran haben, dass ihr Unternehmen nachhaltig wirtschaften könne und die eigene Existenz somit gesichert sei.

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