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Kommentar

Banken vor der Zeitenwende: Warum passiver Widerstand nicht die Lösung ist

Das NFC-Payment-Beispiel zeigt das Dilemma der Banken. (Bild: Redpixel.pl / Shutterstock)

Banken haben ihr Alleinstellungsmerkmal verloren, den Geldinstituten steht ein tiefgreifender Bedeutungswandel bevor. Dennoch bietet die EU-weit geltende PSD2-Richtlinie auch zahlreiche Chancen, wenn sie es geschickt anstellen.

„Google Pay für alle“ und „20 Millionen mögliche Kunden auf einen Streich“ titelten vergangene Woche die einschlägigen Medien – und vermeldeten damit einen Sachverhalt, der vielen Kunden gut gefallen dürfte: Anders als bisher benötigt man für die Nutzung des Kontaktlos-Bezahldienstes Google Pay in Zukunft kein Bankkonto bei einer teilnehmenden Bank. Ein einfaches Paypal-Konto, das zu jedem Girokonto passt, reicht aus.

Doch die Geschichte, die dahinter steht, ist die eigentlich eine noch spannendere, denn sie ist ein Indiz für einen nachhaltigen Wandel einer Branche, die seit Jahrhunderten eine herausragende Stellung in unserer Gesellschaft hat: Der Fall zeigt, dass inzwischen der Rubel auch ohne das Zutun der Banken rollt, dass Banken, die man zum Jagen tragen muss, mittelfristig auf der Strecke bleiben werden.

Für die Banken ist die aktuelle Situation ein Dilemma – sie  durchlaufen einen ähnlichen Wandel wie vor rund 20 Jahren die Telekommunikationsunternehmen, namentlich hier vor allem die Telekom. Waren Banken bisher für die gesamte Finanzinfrastruktur in Deutschland und Europa verantwortlich, geht inzwischen auch vieles mithilfe von Payment-Dienstleistern und zu E-Commerce-Unternehmen gehörenden Firmen. Die Banken werden so zwar weiterhin Service-Provider bleiben, verlieren aber ein Stück weit ihre Infrastrukturhoheit. Und vor allem: Sie werden ihre Vormachtstellung verlieren, können allenfalls noch Primus Inter Pares sein.

PSD2: Zwischen Schreckgespenst und neuer Perspektive für Banken

Dazu beigetragen hat die PSD2-Verordnung, die die Banken EU-weit in diesem und dem kommenden Jahr umsetzen müssen – eine Standardisierung, die einerseits regelt, dass Fintechs auf die Bankkonten der Kunden zugreifen können, wenn diese das wollen, andererseits auch, dass diese Zahlungen bei Banken auslösen können. Das wird dafür sorgen, dass die Fintechs auf Augenhöhe mit den Banken agieren, eröffnet aber auch die Möglichkeit – wenn die Banken es geschickt anstellen –, dass diese ihre Services für den Kunden erweitern können. Ob Banken hierfür mit Fintechs kooperieren, die Unternehmen gleich aufkaufen oder unter dem eigenen Dach gründen, ist dabei zweitrangig.

Ein Teil der Geldinstitute (übrigens auch Sparkassen und Genobanken) hat verstanden, dass diese Entwicklung auch Chancen bieten kann, dass es vernünftig und folgerichtig ist, die Entwicklung nicht wie das Kaninchen im Angesicht der Schlange zu verfolgen. Wer sich als Bank in Zukunft so positioniert, dass Fintech-Startups wissen, dass es sinnvoll ist, mal ein Gespräch zu führen, der kann im Laufe dieses Wandels gewinnen. Inzwischen bemerkt man, dass die Berührungsängste der Startups ebenso abnehmen wie die der etablierten Banken. Einige große Banken verfügen über Labs oder Fintech-Hubs, veranstalten Hackathons und werben gezielt um Nachwuchs. Der findet in Banken immer noch einen soliden Arbeitgeber oder zumindest einen Geschäftspartner, der langfristig attraktiver sein kann als manches Startup.

Doch unterhält man sich mit Vertretern von Banken, Fintechs und etablierten Paymetdienstleistern, dann gibt es auch eine andere Sorte an Banken: diejenigen, die mit aller Macht versuchen, die Ausgestaltung der PSD2 gerade einmal so rudimentär umzusetzen, dass die verantwortliche Bafin sie nicht rügt. Es wird sicherlich eine nicht geringe Zahl an Banken geben, die im Zweifelsfall trotz des langfristig bekannten Fahrplans, der vorsieht, dass im kommenden Frühjahr zumindest ein Testbetrieb stehen muss und im Herbst 2019 ein Standardbetrieb sichergestellt werden muss, genau dies bis dahin nicht haben werden. Und diese Banken werden es sein, die mittelfristig einen Bedeutungsverlust erleiden – frei nach dem Spruch „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Denn für alles, was mit Payment zu tun hat, sind sie obsolet geworden, wenn sich PSP und Fintechs mit entsprechend Bafin-lizenzierten Serviceanbietern zusammentun.

Google Pay und Paypal: Rechnung der implementierenden Banken ging nicht auf

Gleichzeitig zeigen Entwicklungen wie die Paypal-Google-Pay-Kooperation allerdings auch auf, dass die Rechnung der Banken, die mit viel Aufwand als erste den Google-Bezahldienst eingebunden haben, nicht unbedingt aufgehen muss, wenn schon nach wenigen Monaten mit einem Schlag sämtliche Kunden anderer Kreditinstitute denselben Nutzen haben. Google hat an dieser Stelle anderen Digitalunternehmen einen Bärendienst erwiesen, weil die Banken in Zukunft sich nicht mehr so bereitwillig um die Implementierung eines neuen Services reißen werden. Wie man hört, waren einige der zum Start präsentierten Banking-Partner von Google Pay mehr als „not amused“. Noch schwieriger dürfte es jetzt allerdings für die Sparkassen werden, ihr wenige Tage später vorgestelltes eigenes Mobile-Payment-Angebot in den Markt zu positionieren.

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Eine Reaktion
Titus von Unhold

Wer solche Dienste nutzt, kann nicht ganz dicht sein. Der Kunde wird Gläsern und stimmt zu dass seine Daten von entsprechenden Dienstleistern (Paypla, Amazon, Aplle, Kreditkartenfirmen) nach belieben genutzt, verknüpft und weiter gegeben werden können. Und das, bis 10 Jahre nach Ende der Geschäftsbeziehung. Toll.

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