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Bildungszeit, wie cool: Die Sache hat jedoch einen Haken

Wie eine Elternzeit, nur für Weiterbildung: Die Pläne zur Bildungszeit des Bundesarbeitsministers sind gut gemeint, aber die Maßnahme verpufft, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Ein Kommentar.

2 Min. Lesezeit
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Wie eine Elternzeit, nur für Weiterbildung: Bildungszeit. (Foto: Shutterstock/Liderina)

Das sind die Top-3-Dinge, die den meisten Menschen im Job wichtig sind: Geld, Flexibilität und Weiterbildung. Während Beschäftigte für Ersteres in der Regel verhandeln müssen, bieten Unternehmen Zweiteres schon von sich aus, um beim aktuellen Fachkräftemangel konkurrenzfähig zu bleiben. Letzteres ist nun Sache des Staates: Der will in einem Weiterbildungsgesetz eine Bildungszeit gesetzlich festschreiben – und die sogar bezahlen!

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Bildungszeit soll laut den Plänen des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil (SPD) nach österreichischem Vorbild für ein Jahr möglich sein, und zwar bei 60 bis 67 Prozent Gehaltsausgleich durch den Staat. Im Grunde ist das also wie eine Elternzeit für Weiterbildung. Auch ist es möglich, die Bildungszeit in Teilzeit zu planen und auf zwei Jahre aufzuteilen. Eine tolle Chance, sich Fähigkeiten und Wissen draufzuschaufeln.

Bildungszeit: Jeder Fünfte wird ausgeschlossen

Jedoch hat die Sache einen Haken: Die Menschen, die sich dringend weiterbilden müssten, um von der Digitalisierung und Automatisierung nicht niedergewalzt zu werden, können sich diese tolle Chance trotzdem nicht leisten. Die Rede ist von den vielen Geringverdienenden am Arbeitsmarkt. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ist das jeder Fünfte.

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Es ist schon fast eine Binse: Es ist nicht die Mitte und auch nicht die Besserverdienenden, deren Jobs über kurz oder lang dem technologischen Fortschritt zum Opfer fallen. Es sind die Menschen, die im unteren Bereich verdienen – die uns das Essen nach Hause bringen, die uns unseren Kram aufräumen, die unsere Waren zusammenlöten. Wer es sich leisten kann – und interessiert ist –, kümmert sich längst um seine Weiterbildung.

Ein Instrument, das die Probleme deutlich macht, ist der Bildungsurlaub. Dahinter steht das Recht, sich in Deutschland von der Arbeit freistellen zu lassen, um eine Weiterbildung zu machen. Die freien Tage muss der Arbeitgebende bereitstellen, die Kosten für die Fortbildungsmaßnahme trägt jedoch die Arbeitnehmerin beziehungsweise der Arbeitnehmer selbst. Dreimal dürft ihr raten, wie viele Menschen Bildungsurlaub machen!

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Etwas Neues lernen, sich persönlich und beruflich weiterentwickeln: 77 Prozent der Beschäftigten sind an Fortbildungen interessiert – aber nur ein bis zwei Prozent nehmen Bildungsurlaub, obwohl sie in fast allen Bundesländern einen gesetzlichen Anspruch darauf haben. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund. Die Gründe sind vielfältig, dazu zählt unter anderem auch: das liebe liebe Geld.

Bildungszeit für alle!

Versteht mich nicht falsch. Es ist großartig, dass es Bildungsurlaub und bald Bildungszeit gibt. Beide Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Doch wir müssen beides auf diejenigen Beschäftigten maßschneidern, die Fort- und Weiterbildung am dringendsten benötigen. Ein Vorschlag: den Gehaltsausgleich am Verdienst ausrichten. Für Arme könnte somit ein Komplettausgleich sinnvoll sein und Reiche zahlen selbst. Was meint ihr: Happy to discuss!

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