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Bitpanda-Gründer Eric Demuth: „Wir haben noch viel Kontrolle über die Firma“

Die Vorzüge des Kryptomarktes auch beim Aktienhandel – das will das Fintech Bitpanda möglich machen.  Ein Interview mit CEO Eric Demuth über regulatorische Hürden, Bootstrapping und Produkte für die breite Masse.

5 Min. Lesezeit
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„Bitpanda ist mein Leben“, sagt CEO und Gründer Eric Demuth. (Foto: Bitpanda)

Immer mehr Europäer:innen sollen ihre Krypto- und Aktieninvestments über die österreichische Plattform Bitpanda abwickeln. Daran arbeiten die Gründer Eric Demuth, Paul Klanscheck und Christian Trummer. CEO Eric Demuth spricht im Interview darüber, welche Hürden Österreichs erstes Unicorn bis zur dritten Funding-Runde überwinden musste und wie es weitergehen soll.

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t3n: Anfang der Woche wurde bekannt, dass Lydia euer erster Kunde für die White Label Solution ist. Was bedeutet das für euch?

Eric Demuth: Lydia ist nur der erste Kunde, es werden in den nächsten Monaten weitere folgen. Wir können damit in Märkte gehen, in denen wir selbst nicht aktiv sind.

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Der erste Vorstoß in die B2B-Sparte. Wie seid ihr vorgegangen?

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Wir profitieren jetzt von unserer Selfmade-Philosophie: Wir haben uns immer selbst um die Technologie gekümmert und halten die Lizenzen selbst. Damit wächst man langsamer, aber technologisch haben wir mit unserer App etwas Ordentliches gebaut. Das können mehrere Firmen nutzen, nicht nur Bitpanda. Für die White Label Solution haben wir einfach eine API eingebaut, um unser Angebot anderen Fintechs und Banken zur Verfügung zu stellen. Bei der Lösung für Lydia hat die Implementierung etwa drei Monate gedauert.

Daneben ist 2021 bei euch aber auch viel anderes passiert: Zwei Finanzierungsrunden, neue Assetklassen, etwa 100 neue Mitarbeiter:innen. Wie schaut ihr auf das Jahr zurück?

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In jeder Hinsicht ist dieses Jahr für uns enorm gewesen – allein schon wegen der immer größer werden Summen. Aber wir sind ja schon eine ganze Zeit in der Szene, da gewöhnt man sich daran und das haut einen nicht mehr vom Hocker. Der ganze Fintechmarkt ist verrückt. Für uns als Gründer kommen immer neue Sachen dazu, obwohl wir gerne etwas abgeben würden. Unsere Arbeit wird weniger operativ, weniger tief, aber breiter. Ich gebe zum Beispiel mehr Interviews und bin wieder mehr auf Reisen. Momentan haben wir knapp 700 Mitarbeiter und hiren sehr viel. Ende des Jahres ziehen wir in eine neues Büro hier in Wien um. 8.000 Quadartmeter, da haben wir ordentlich investiert, das wird ein großes Ding.

Kannst du beschreiben, wie Bitpanda tickt?

Die meisten würden dir jetzt PR-Standard-Scheiß antworten. Doch so funktioniert das nicht. Kultur lässt sich nicht von oben diktieren. Meine Antwort wäre nur mein Idealbild, das heißt aber nicht, das es wirklich so ist. Wichtiger ist darauf zu achten, ob die Gesamtstimmung im Team passt, und falls etwas schief läuft, dann immer wieder gegensteuern.

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Haben Bitpanda zusammen gegründet: Christian Trummer, Paul Klanscheck und Eric Demuth. (v.l.; Foto: Bitpanda)

Kommen wir zu eurem Kerngeschäft. Als europäische Firma seid ihr strengen Regularien unterworfen. Hast du das Gefühl, dass ihr dadurch im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz Nachteile habt?

Ja, das ist ein Problem. Wir sind durch die Regularien teilweise langsamer und müssen von den Kunden mehr abverlangen, was die ganze Dokumentationspflichten und KYC angeht. Das Problem ist, dass der Finanzmarkt der EU heterogen und stark fragmentiert ist. Als Fintech gehst du nicht in den europäischen Markt, sondern in 27 unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Regeln und Voraussetzungen. Ich glaube darauf ist die EU jetzt mittlerweile schon aufmerksam geworden. Aber einige unserer Konkurrenten schalten viel Werbung, die für uns illegal ist. Ich hoffe, dass sich die Regulierer das anschauen.

„Der Finanzmarkt ist einer der am stärksten regulierten Märkte.“

Haben die strengen Regulierungen auch Vorteile für euch?

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Klar. Bitpanda wird von oben bis unten durchleuchtet. Aber die europäischen Regulatoren haben dabei die Kundensicherheit im Blick und davon werden wir langfristig profitieren. Der Finanzmarkt ist einer der am stärksten regulierten Märkte. Und als Fintech musst du da mitspielen, wenn du groß werden willst. Regulierung schafft Vertrauen und Sicherheit. Wir hätten nicht so viele Banken als Partner, wären wir nicht so stark reguliert. Außerdem wird der Kryptomarkt immer seriöser. Die Gesetze, die momentan geschaffen werden, werden den Kryptomarkt in den klassischen Finanzmarkt eingliedern. Krypto wird eine richtige Assetklasse werden.

Ihr seid mit dem Kryptohandel gestartet, seit April können eure Kund:innen aber auch Teilaktien und ETF kaufen und verkaufen. Welchen Ansatz verfolgt ihr dabei?

Im ersten Quartal werden wir die Betaversion abgeschlossen haben und dann werden Tausende Aktien handelbar. Wir wollen, dass das Investieren in Aktien so ist, wie man es vom Kryptomarkt kennt: Handel rund um die Uhr, Teilbarkeit von Aktien, günstiger Handel. So wird es kein Payment-for-order-flow geben. Wenn der Finanzmarkt, heute, zu Zeiten des Internets, erfunden werden würde, würde er mehr so aussehen, wie der Kryptomarkt. Aber es ist sehr naiv zu glauben, dass man einfach die Vorteile des Kryptomarktes übertragen kann. Man muss quasi ganz neue Ansätze mit dem Regulator gemeinsam finden. Es hat über zwei Jahre mit intensivem Austausch gedauert, bis wir die erste Lizenz dafür bekommen haben. Wir wollten nicht einfach nur Aktien anbieten, sondern es gemäß dem Zeitgeist so behandeln wie die anderen Assets auch, zum Beispiel das Zahlen mit Kreditkarte ermöglichen und den Handel am Wochenende.

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Welche Kund:innen wollt ihr damit ansprechen?

Die breite Masse. In Österreich ist uns das schon gelungen: Es gibt hier mehr Menschen, die ein Konto bei uns haben, als Menschen, die in Aktien investieren. Dabei ist Krypto noch komplizierter als Aktien. Aber wenn du es den Leuten gut erklärst und viele Infos an die Hand gibst, kannst du die Mass-Adoption erreichen.

Obwohl es Bitpanda seit 2014 gibt, habt ihr erst 2020 Investoren dazu geholt. Würdest du das wieder so machen?

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Das ist eine fiese Frage, weil ich heute viel mehr weiß als damals. Ich würde ein Jahr früher VC reinholen, weil das positive Effekte auf das Wachstum hat. Fintechs mit VC ziehen mehr und bessere Mitarbeiter und Partner an.

Was haben euch die Bootstrapping-Jahre gebracht?

Wir drei Gründer haben am Anfang von Bitpanda einfach unser ganzes Erspartes reingesteckt und über einen sehr langen Zeitraum ohne Mitarbeiter gearbeitet. Was sehr angenehm ist: Wir sind seit fünf Jahren profitabel. Deswegen haben wir keinen Druck, unsere Anteile zu verkaufen oder schnell eine Funding-Runde machen. Unsere Funding-Runden waren immer Purpose-gebunden. Ich kenne kein anderes großes Fintech, bei dem die Gründer noch über 50 Prozent der Anteile halten. Das gibt uns viel mehr Kontrolle über die Firma. Einen Exit kann ich mir nicht vorstellen. Bitpanda ist unser Leben geworden.

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Wo seht ihr Bitpanda in fünf Jahren?

Das kann ich schwer sagen. Wir sind in einer unfassbar schnellen und agilen Industrie, in der in wenigen Monaten komplett neue Dinge auftauchen. Vor einem Jahr hat noch niemand über NFT gesprochen. Der Gedanke an eine Super-App ist bei uns nicht so stark ausgeprägt. Aber alles was mit Geld zu tun hat, wird auch dann noch im Fokus stehen. Unsere Herausforderung ist Innovation in einen regulierten Rahmen reinzubekommen. Das geht nur mit guten Leuten, viel Wissen und Arbeit.

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