Analyse

Krypto-Rubel und Bitcoin-Dollar: Blockchain als nationale Währung

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Der Staat mag Bargeld nicht, unter anderem weil sich damit Steuern hinterziehen, illegale Geschäfte abwickeln und sogar terroristische Aktivitäten finanzieren lassen. Dazu kommt, dass der Staat auch nicht die volle Kontrolle über das eigene Finanzsystem hat, solange Bargeld existiert – Stichworte „Negativzins“ und „Bargeld unter dem Kopfkissen“. Wird eine nationale Währung allerdings auf eine digitale von der Zentralbank kontrollierte Währung umgestellt, lösen sich all diese Probleme in Luft auf. Der Staat kann theoretisch jede einzelne Transaktion nachverfolgen und die Bürger können kein Bargeld mehr abheben, so dass die Regierung stets die volle Kontrolle über das Finanzsystem behält.

Die bargeldlose Gesellschaft ist ein Traum vieler Staaten. Die Blockchain könnte den Traum Realität werden lassen. (Foto: Shutterstock / Syda Productions)

So fasziniert viele Regierungen von den Möglichkeiten der Blockchain sind, so groß dürfte auch die Angst vor Bitcoin und anderen „privat“ ausgegebenen Digitalwährungen sein. Immerhin erfreuen sich die Cryptocoins einer wachsenden Beliebtheit und haben gleichzeitig das Potenzial, das komplette Finanzsystem vom Kopf auf die Füße zustellen. Es dürfte kaum einen Staat geben, dem wohl bei dem Gedanken ist, die Kontrolle über das eigene Finanzsystem abzugeben.

Bitcoin, Ethereum und andere Ansätze zeigen, dass eine Reform des Geld- und Finanzsystems möglich ist. Staaten könnten daher versuchen, die öffentliche Aufmerksamkeit mit einer selbst ausgegebenen Digitalwährung vom Bitcoin-Hype abzulenken.

Public Blockchain vs. Private Blockchain

So spannend die Technologie hinter der Blockchain und digitalen Währungen auch ist, sie kann – wie jede andere Technologie auch – auf die eine oder andere Art eingesetzt werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die großen Kryptowährungen der ersten Stunde in ein paar Jahren mit neuen von nationalen Zentralbanken ausgegebenen Digitalwährungen konkurrieren werden. Die Voraussetzungen dafür bringt die Technologie mit, denn schon heute existieren drei mögliche Formen der Blockchain: öffentliche Blockchains, Konsortium-Blockchains und private Blockchains.

Künftige staatliche Regulierung könnte private Blockchains bevorzugen. (Grafik: Shutterstock)

Eine öffentliche Blockchain wie bei Bitcoin kann jeder Interessent einsehen und lesen. Validierte Transaktionen sind somit öffentlich sichtbar. Diese Blockchains sind völlig dezentral. Eine Konsortium-Blockchain wird dagegen von einer bestimmten Zahl von Teilnehmern – beispielsweise 50 Finanzinstitutionen – kontrolliert. Diese Art der Blockchain kann zwar auch von anderen Teilnehmern genutzt werden, kann aber in Bezug auf die Lesbarkeit auf die kontrollierenden Teilnehmer beschränkt werden. Die private Blockchain geht noch einen Schritt weiter und ist die zentralisierteste Form. Mehr zu diesem Thema findet sich in dem Post „On Public and Private Blockchains“ von Vitalik Buterin im Ethereum-Blog.

Es ist zu befürchten, dass künftige staatliche Regulierungen die Grundidee der öffentlichen Blockchain und eines Public Distributed Ledgers angreifen könnten, um diese mit einer zentral kontrollierten Spielart zu ersetzen. Das wäre nicht nur im Sinne von Staaten, sondern auch im Interesse vieler Unternehmen. Immerhin dürften die wenigsten Firmen wollen, dass jeder einen tiefen und detaillierten Einblick in die Bilanzen und Bücher erhält.

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