Kommentar

Warum ich mir die Corona-Warn-App installieren werde

Die Corona-Warn-App ist extrem datenschutzfreundlich umgesetzt. (Foto: ImYanis/ Shutterstock)

Noch bevor die deutsche Corona-Warn-App zum Download angeboten wird, ist eine heiße Diskussion über Datenschutz-Aspekte entbrannt. Dabei spielen auch Missverständnisse eine Rolle – insbesondere rund um den Begriff „Tracing“.

Der erste Geburtsfehler der Corona-Warn-App ist vielleicht schon der Begriff Tracing, unter dem sämtliche Apps zur Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie diskutiert werden. Tracing ist für das, was diese Apps tun, der technisch korrekte Begriff. Aber manchmal lösen technisch korrekte Begriffe bei der breiten Öffentlichkeit, die die technische Definition des Begriffs nicht genau kennt, falsche Assoziationen und Ängste aus.

Tracing (englisch für Verfolgung) klingt nach Fahndung, Überwachung, detaillierten Kontaktlisten. Genau das wird es bei dem Ansatz von Apple und Google, der die technische Basis auch für die deutsche Corona-Warn-App werden wird, nicht geben. Apple hat das Problem des Begriffs erkannt und nennt seinen Ansatz seit Version 1.1 des Protokolls nicht mehr Contact Tracing API, sondern Exposure Notification API.

Die Corona-Warn-App misst vor allem Zeit

Denn was dezentral auf Smartphones gespeichert wird, ist die Zeit, die das Smartphone sich in der Nähe von später als infiziert gemeldeten Usern aufgehalten hat. Ob sich dabei ein Telefon zehn Stunden in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat oder jeweils eine Stunde in der Nähe von zehn Infizierten, lässt sich mit dem privatsphärefreundlichen Ansatz von Apple und Google nicht feststellen.

Doch so wie die Zahnpasta nicht mehr zurück in die Tube befördert werden kann, müssen wir jetzt wohl mit dem Begriff Tracing für die Corona-Warn-Apps leben – denn der Begriff hat sich in Medien und Öffentlichkeit längst etabliert. Und leider trägt er dazu bei, dass die Corona-Warn-App Ängste auslöst, die in Relation dazu, wie wir in der Ära der Digitalisierung sonst mit unseren Daten umgehen, unangemessen sind.

Denn wir alle tragen freiwillig Geräte mit uns herum, die via GPS und Funkzellen jederzeit ortbar sind und schon aufgrund ihres technischen Aufbaus dank Mikrofon und Always-on-Internet zu Wanzen umfunktioniert werden können. Das alles sollte immer im Hinterkopf behalten werden, wenn es jetzt darum geht, sehr ausgewählte Informationen zur Pandemiebekämpfung via App zu sammeln.

Insbesondere angesichts des extrem privatsphärefreundlichen, dezentralen Apple-Google-Ansatzes beim Corona-Backend sind einige der Wortmeldungen zur Datenschutz-Debatte über die App schon bemerkenswert. So verglich der Präsident der Gesellschaft für Informatik die App beispielsweise mit einem „trojanischen Pferd“.

Datenschutz schlägt Infektionsschutz

Mit dem dezentralen Ansatz wurde entgegen dem Wunsch zahlreicher Epidemiologen auch vom Robert-Koch-Institut der Infektionsschutz dem Datenschutz untergeordnet – denn der dezentrale Ansatz hat aus epidemiologischer Sicht einige, teils gravierende Nachteile. So fehlen beispielsweise Daten, um den Warn-Algorithmus zu trainieren. Vereinfacht gesagt könnte man sagen: Die datenschutzfreundlichen Nerds haben sich – mit Rückendeckung von Apple und Google – gegen die Mediziner durchgesetzt, bei denen der Infektionsschutz im Vordergrund stand.

Das war sogar gut, wenn es dazu führt, dass möglichst viele Menschen die App installieren. Denn der Nutzen einer solchen Corona-Warn-App steigt extrem mit der Verbreitung – schließlich lebt sie davon, dass sie ein Gegenstück auf dem Smartphone unserer Kontaktpersonen findet, um zu messen, wie lange wir uns in der Nähe der Person aufhalten.

Meine Aufgabe als datenschutzfreundlicher Nerd sehe ich jetzt aber darin, der Öffentlichkeit Ängste zu nehmen und zu erklären, dass Tracing-Technologie in diesem Fall kein lückenloses Logbuch bedeutet. Es ist eine sehr datenschutzfreundliche Methode, die Zeit zu messen, die wir in der Nähe von Personen verbracht haben, die sich später als infiziert herausstellen. Natürlich wird die Warn-App die Coronakrise nicht im Alleingang lösen – aber den Gesundheitsämtern Zeit und Ressourcen bei der Nachverfolgung der Infektionsketten zu sparen und damit schneller wieder neue Infektionen zu verhindern, kann ein wichtiger Baustein sein. Und ganz nebenbei Leben retten.

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14 Kommentare
Daniel Blum
Daniel Blum

Falsch!!! nur weil Medien Hippies wie verrückt auf Daten und Tracing ihrer Website sind heißt es nicht dass Nutzer das toll finden und gnadenlos hinnehmen. Dabei geht „Internet“ auch ohne jeden Google Cookie oder Facebook!

Man benötigt nicht zwingend eine App um grundlegende Hygiene Maßnahmen zu verinnerlichen.

Sobald ein Impfstoff für Verfügung steht hat es sich mit dem Tracing quasi erledigt oder möchte man dann die App um anzugeben dass man den Corona Virus aus eigenen Stücken überlebt hat? diese Technik Gläubigkeit fällt euch irgendwann auf die Füße!

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Gunar
Gunar

Ein Kumpel von mir hat zu diesem Thema ein äußert amüsantes und traurigerweise richtiges Zitat gepostet:

CoronaApp und Facebook ( Datenschutz ? )

Hier kann man sehr deutlich sehen wie Facebook und wie die Corona-Warn-App funktioniert

Peter Petersen auf Facebook: „Ich lasse mich doch nicht verarschen!!1! Diese Corona-App werde ich niemals installieren! ICH LASSE MICH NICHT AUSSPIONIERN!!“

Facebook so: Oh, Peter Petersen, 35-40Jahre alt,
männlich, wohnt in „Sydney“, loggt sich normalerweise in Wuppertal und Umgebung ein, politisch eher konservativ,
katholisch.

798 Kontakte ersten Grades, 6712494 Kontakte zweiten Grades, Name vermutlich korrekt, da in den Adressbüchern der Freunde so vorhanden, hat 2 Kinder mit „Petra Petersen“ die in 2 Monaten Geburtstag hat und sich aktuell in einer Beziehung mit „Lurchi Mommsen“ befindet.

Mag Musik von den Flippers, Andrea Berg und Mötley Crüe, hat gestern Abend auf Netflix „Suits“ geschaut, war danach auf Pornhub, Stern, und TAZ um Artikel über Reisen zu lesen, bevorzugt Reiseziele in Bergregionen,
hat in 4 Tagen Geburtstag, kauft eher impulsiv und online,
interessiert sich für hochpreisige Marken, hat BMW, Ferrari und Glashütte Uhren abonniert.

Haushaltsnettoeinkommen ca 30-50.000 Euro, hat 1999 an der Kalle Grabowski Universität Unna einen Abschluss in Literaturwissenschaft gemacht, wohnt weit entfernt von den Eltern, hat in letzten 4 Jahren mindestens 4 Beziehungen gehabt.

Wird vermutlich demnächst ein Auto der Marken Mazda oder Honda kaufen, ist technisch interessiert, aber eher skeptisch, gilt als „late adopter“, hat gerade einen neuen Post verfasst:
//Ich lasse mich doch nicht verarschen!!1!
Diese Corona-App werde ich niemals installieren!
ICH LASSE MICH NICHT AUSSPIONIERN!!//

Geschrieben mit der Facebook App Version X.X in der Nähe Marktplatz Wuppertal, auf einem Apple Iphone X, 256GB, IOS ältere Version, Gerätesprache Deutsch
Akkustand 23%Netzbetreiber Telekom.

Das speicher ich gleich mal auf meinen Servern in den USA, Deutschland, Norwegen, Dänemark, ………

Corona-Warn-App so: Oh. 221h273bd77 hat gerade 5 Minuten unter 2m entfernt von 23882bdw810 gestanden.
Wenn in zwei Wochen keiner von denen gemeldet hat, dass positiv getestet wurde, lösche ich diese Info wieder.
Sonst bekommt die jeweils andere ID eine Nachricht, dass ein Test empfohlen wird.

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Max
Max

Insbesondere angesichts des extrem privatsphärefreundlichen, dezentralen Apple-Google-Ansatzes beim Corona-Backend sind einige der Wortmeldungen zur Datenschutz-Debatte über die App schon bemerkenswert. So verglich der Präsident der Gesellschaft für Informatik die App beispielsweise mit einem „trojanischen Pferd“.

https://www.heise.de/news/Informatiker-Die-Corona-App-ist-wie-ein-trojanisches-Pferd-4764560.html

Na wer erkennt die Ironie in diesem Satz?

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Elmar
Elmar


Es ist eine sehr datenschutzfreundliche Methode, die Zeit zu messen, die wir in der Nähe von Personen verbracht haben, die sich später als infiziert herausstellen

Das kann doch dezentral und via BT LE nur funktionieren, wenn ich die Person nochmal wiedertreffe, oder hab ich da einen Denkfehler?

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Michael Weiß
Michael Weiß

Jetzt da die App heraußen ist, fällt damit die häusliche Quarantäne. Wenn ich als Infizierter zu Hause bleiben muss wie sollen dann andere vor mir gewarnt werden? Laufen dann nur solche rum die gesund sind?

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Stephan Dörner

Es geht darum, dass diejenigen, die länger mit der Kontakt hatten, nachträglich gewarnt werden.

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Michael Weiß
Michael Weiß

Es muss doch sein Handy langer wie 15 Min. mit meinem Verbindung haben. Wie geht das, wenn er nicht aus dem Haus geht.

Stephan Dörner

Noch mal anders: Es geht darum, dass die Kontakte von Leuten _nachträglich_ gewarnt werden – zu dem Zeutpunkt wusste die Person ja noch nicht, dass sie positiv ist.

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Michael Weiß
Michael Weiß

Das funktioniert doch nur über Bluetooth da misch sich niemand ein wegen dem Datenschutz. Und auch nur wenn die Person positiv getestet ist in sein Handy einträgt und das dann mit dienem länger wie 15 Min. Verbindung hat. Genau so habe ich es gestern im TV gesehen.

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Mathias
Mathias

Gut auf den Punkt gebracht oder noch einfacher: Die Daten sind auf deinem Handy und sicher. Herr Spahn kann sich auf den Kopf stellen, da kommt er nicht dran.

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dennis
dennis

Genauso ist das und all die bekoppten meine, dass es anders wäre. Hauptsache sich melden, wenn man keine Ahnung hat. Dein Kommentar ist einfach richtig und stellt den Sachverhalt einfach richtig dar.

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Aldus Huxley
Aldus Huxley

Wenn ihr einen Frosch in einen Top mit heißem Wasser werft, springt er hinaus. Setzt ihr ihn in einen Top mit kaltem Wasser und lasst das Wasser langsam anfangen zu kochen dann ….

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Wolfgang Kurth

Ob der Gebrauch der app sinnvoll ist, soll der Anwender entscheiden. Er hat sie sich ja freiwillig heruntergeladen(oder versteckt mit einem Softwareupdate?)
Bei ca. 60% soll die Quote liegen damit diese sinnvoll funktioniert.
Was passiert wenn diese Quote nicht erreicht wird, soll dann eine Zwangsverpflichtung kommen?
Was ist mit den Handys die vom Betriebssystem nicht in der Lage diese app zu installieren?
Werden die diese installiert haben bevorzugt behandelt?
Fragen über Fragen, Heute das grosse C und Morgen?
Schaut mal nach China, Überwachung pur. Ich brauche sowas nicht

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