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Die Corona-Warn-App ist da: Was sie kann und wie sie funktioniert

Corona-Warn-App. (Foto: t3n)
Lesezeit: 6 Min.
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Seit Wochen wird über die Corona-Warn-App diskutiert – und noch immer sind viele unschlüssig, wie die Software zu bewerten ist. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Nach wochenlangen Vorbereitungen ist die offizielle deutsche Corona-Warn-App seit der Nacht von Montag auf Dienstag für iOS und Android zum Download verfügbar. Die Bundesregierung stellte die neue Anwendung am Dienstag in Berlin vor. Das Herunterladen soll für alle Bürger freiwillig sein, um mithilfe von Smartphones das Nachverfolgen von Infektionen zu erleichtern. Die Regierung wirbt für eine breite Nutzung und verspricht hohen Datenschutz. Forderungen nach einem Gesetz lehnte sie ab. Die Ärzte unterstützen die neue App.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das ist ein sehr sinnvolles Instrument.“ Die App sorge auf einfache Weise dafür, Infektionsketten zu erkennen. „Sie ermöglicht aber auch, persönliche Vorsorge zu treffen – indem man sich bei einer entsprechenden Warn-Meldung testen lassen kann.“ Die App wirke natürlich nur dann, wenn man möglichst viele Menschen fürs Mitmachen gewinne. „Sie würde noch besser wirken, wenn man das System grenzüberschreitend in Europa gangbar machen könnte.“

Kommentar von t3n.de-Chefredakteur Stephan Dörner zur Corona-Warn-App: Warum ich mir die Corona-App installieren werde

Die App soll am Vormittag von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), mehreren Ministern, dem Robert-Koch-Institut und den beauftragten Unternehmen SAP und Telekom vorgestellt werden. Sie kann messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren. Kontaktdaten werden nicht – wie zunächst vorgesehen – zentral gespeichert, sondern nur auf den Smartphones. Die Entwicklungskosten betragen rund 20 Millionen Euro.

Nutzer konnten die App bereits in der Nacht zum Dienstag auf ihr Smartphone herunterladen. Im App-Store von Google war sie bereits um kurz nach 2 Uhr morgens verfügbar, bei Apple dauerte es etwas länger. Nutzer klagten in sozialen Medien über Verzögerungen bei der Verfügbarkeit der App sowie über Probleme beim Herunterladen. In weniger als einer Stunde schienen die Startschwierigkeiten dann überwunden.

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Energieeffizient dank Bluetooth LE

Die App, die in den jeweiligen Stores kostenlos heruntergeladen werden kann, soll dank Bluetooth LE energieeffizient arbeiten – und das sowohl unter iOS als auch unter Android.

Corona-Warn-App
Preis: Kostenlos
‎Corona-Warn-App
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Entwickler: Robert Koch-Institut
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Wichtig für alle Nutzer zu wissen ist, dass keinerlei der per Bluetooth gesammelten Daten das Smartphone verlassen, sondern lediglich eine ID genutzt wird, um die eigentlichen Kontakte abzugleichen. Die App weiß somit weder, welche Person das Handy nutzt, nicht einmal, welches Geschlecht diese hat, wo sie wohnt oder sich aufhält oder welches Smartphone-Modell sie nutzt. Zudem herrscht Datensparsamkeit im Sinne der DSGVO, worauf – davon ist auszugehen angesichts des großen Buzz, den das Thema erzeugt hat – sämtliche Datenschutzexperten dieser Welt achten.

Datenschutz: Corona-App ist dezentral organisiert

Dass die Tracing-App, die eigentlich schon einige Wochen früher geplant war, so lange auf sich warten ließ, hat auch mit der grundsätzlichen Entscheidung über ihre Ausgestaltung zu tun. War zunächst ein zentrales Register geplant, an das sämtliche Smartphones ihre Daten spielen sollten, ist die nun gewählte Lösung dezentral organisiert: Die Daten werden auf dem eigenen Gerät gespeichert, verlassen es aber nicht. Ausgewertet werden somit keine Geodaten, sondern die App sammelt lediglich Kennungen von anderen Geräten, die die App ebenfalls nutzen. Die jeweiligen Codes lassen dabei keinerlei Rückschluss auf eine bestimmte Person zu (pseudonymisierte Ablage). Die eigenen Daten werden mit fremden Daten abgeglichen, die regelmäßig abgerufen werden, um problematische Begegnungen zu erkennen. Die wiederum kommen zustande, indem ein Nutzer, der infiziert ist, seine Daten für die Verteilung an andere mit einem Abgleich freigibt.

Prinzipiell werden ja beispielsweise Gäste von Restaurants bereits heute dazu angehalten, ihre Kontaktdaten mitsamt Adresse anzugeben, um im Fall, dass ein mit dem Coronavirus Infizierter im jeweiligen Restaurant war, nachträglich die weiteren Gäste informieren zu können. Mit der Corona-App soll das alles deutlich genauer und automatisiert möglich sein. Und davon abgesehen ist die Corona-App auch deutlich diskreter als beispielsweise Adresslisten, die zwar mit einem Papierstück abgedeckt werden sollen, was in der Praxis aber insbesondere für die Mitarbeiter eines erhebenden Betriebs nicht sinnvoll umsetzbar ist.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont, dass jede Person mehr, die die App benutzt, schon dazu beitragen kann, die Pandemie in Stück beherrschbarer zu machen respektive besser steuerbar. Die Universität Oxford rechnet vor, dass die Corona-Epidemie dann beherrschbar ist, wenn rund 60 Prozent der Bevölkerung eines Landes die App verwenden und den von ihr gegebenen Empfehlungen auch folgen. Immerhin liegt die Durchdringung von Whatsapp bei über 60 Prozent der genutzten Smartphones in Deutschland – und wenn man dieser App seine Daten anvertraut, dürfte es wenig stichhaltige Argumente geben, das nicht gegenüber einer so sorgfältig geprüften wie der Corona-App zu tun.

Corona-Warn-App

Corona-Warn-App: Screens für iOS und Android. (Bild: SAP)

Der Quellcode der Corona-App ist via GitHub einsehbar

Im Sinne der Transparenz haben die Programmierer bereits den kompletten Programmcode der Tracing-App per GitHub offengelegt. Diese stammt von SAP und Deutsche Telekom und basiert auf den Protokollen DP-3T, TCN sowie den Schnittstellen von Apple und Google. Beratend waren die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA tätig.

Übrigens war es aus technischen Gründen auch nicht so einfach möglich, eine der ausländischen Apps einfach für Deutschland umzuarbeiten oder anzupassen. Denn all jene Apps aus Ländern, die sich vor der konzertierten Aktion von Google und Apple an die Arbeit gemacht haben, müssen zumindest unter iOS im Vordergrund laufen, um korrekt die Bluetooth-Funktionalität nutzen zu können (während dies bei Android-Apps nicht das Problem war, sobald die entsprechenden Runtimes zur Verfügung standen). Auch bemängeln viele Nutzer anderer Apps deren Bedienkonzept – ob Deutschland hier ein leuchtendes Beispiel an Nutzerfreundlichkeit wird, bleibt noch abzuwarten.

Konzertierte Aktion zwischen Apple und Google

Dass Apple und Google als Unternehmen so wichtig sind, hat einerseits mit den beiden Mobilbetriebssystemen zu tun, andererseits aber auch damit, dass diese für den Austausch und Abgleich der Krypto-Schlüssel verantwortlich sind. Diese Schlüssel sollen alle paar Minuten wechseln. Ohne die beiden Unternehmen wäre es somit kaum möglich gewesen, eine vergleichbare Lösung zu entwickeln, heißt es auch seitens des Chaos Computer Club. Der hatte sich im Vorfeld gegen jedwede nicht dezentrale Lösung verwahrt und könnte mit dem jetzt gefundenen Ergebnis sogar einverstanden sein.

Zusätzliche Erkenntnisse erhofft sich die Bundesregierung von freiwillig geteilten Daten, die über diese Minimallösung hinaus einen Einblick über Bewegungen geben können und die Datenlage verbessern sollen. Auch hier setzt man bewusst auf Freiwilligkeit, will offenbar auch keine falsche Incentivierung schaffen, um aus der Sache heraus zu überzeugen. Einige CDU-Politiker hatten indes Erleichterungen in der Freizügigkeit oder gar steuerliche Vorteile in die Diskussion gebracht, wenn die App genutzt werde. Umgekehrt soll sie – außer etwas Akkuverbrauch, der dank Bluetooth Low Energy sehr moderat ausfallen wird – den Nutzer auch nichts kosten. Das bedeutet insbesondere, dass kein kostenpflichtiger Datenverkehr unterwegs stattfindet, der mit der App zu tun hat.

Ob es für den Einsatz der App eines entsprechenden Gesetzes bedarf, ist noch nicht abschließend geklärt. Die vier Grünen-Justizminister der Länder wollen es so, die übrigen Parteien argumentieren dagegen, dass es sich ja bewusst um ein freiwilliges Angebot handele. Ein entsprechendes Gesetz sei folglich auch nicht erforderlich. Die Bundesregierung will aber, das wurde vergangene Woche bekannt, für den Einsatz der App in einer großen Kampagne werben.

Zusätzliche Möglichkeiten über QR-Codes

Darüber hinaus kann die App auch dazu genutzt werden, Testergebnisse eines Coronatests zu übertragen. Dazu erhält der Patient von seinem Arzt oder dem Labor einen QR-Code, der dann via Smartphone eingescannt wird, um sich als berechtigt auszuweisen. Anders als beispielsweise in Österreich, wo man sich mithilfe einer Handynummer als infiziert melden können soll, ist in Deutschland die Nutzung eines entsprechenden QR-Codes erforderlich, der nur vom Gesundheitsamt vergeben werden kann und auch nur Infizierten selbst ausgehändigt wird. Ein solcher Code wird durch die Behörden übrigens auch dann vergeben, wenn ein Erkrankter seine Daten auf die App hochlädt – Missbrauch und Fehlalarme sollen so ausgeschlossen werden.

Zunächst wird die App auf Deutsch und Englisch zur Verfügung stehen, weitere Lokalisierungen, etwa Türkisch und Russisch, seien geplant, heißt es. In Sachen Betriebssystem benötigt der Nutzer mindestens Android 6 oder iOS 13.5 – und natürlich ein Bluetooth-fähiges mobiles Gerät. Wer sich noch einmal die Funktionsweise der Corona-App anschauen will, findet bei der Süddeutschen ein passendes Video.

Mit Material von dpa

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4 Kommentare
Wolfgang Kurth
Wolfgang Kurth

Noch so ein unkritischer Bericht.
Wozu diese App für ein Ereignis, das nicht mehr existent ist.

Antworten
Jérémie
Jérémie

Hallo Wolfgang,

das „Ereignis“ hat vor einigen Monaten mit einer handvoll Infektionen begonnen.
Das war genug dass Weltweit über 400.000 Menschen gestorben sind.

Aktuell haben wir in DE knapp 6.000 Fälle. Damit ist das „Ereignis“ sehr wohl existent, nur vielleicht nicht Teil deiner ( eingschränkten ) Wahrnehmung.

Antworten
Julian P.
Julian P.

Mich würde mal gerne folgendes interessieren: Woher will die App wissen, dass sich zwei Menschen im Radius von zwei Metern begegnet sind, wenn sie nur auf Bluetooth zugreift? Soweit ich weiß ist es nicht möglich mit Bluetooth Entfernungen zu messen, geschweige denn ob sich eine Wand zwischen zwei Menschen befindet (Ubahn, Mehrfamilienhaus etc.)

Antworten
luise
luise

Es geht nur darum die Bürger im Westen zu konditionieren damit man hier auch Überwachung und Digitalisierung a la China einführen kann. China überwacht 1 Millarde Menschen und steht kurz davor die USA bei Mobilfunktechnik (G5) und KI (künstliche Itteligenz) abzulösen. Hier fürchtet der Westen auf dem 2. Platz zu landen und will jetzt auch bisschen Digitale Diktatur!

t3n ist leider völlig unkritisch…..

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