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Corona im Büro: Welche Maßnahme wirklich hilft – und wie Chefs sie untergraben

Unternehmen tun viel, um Coronainfektionen im Büro zu verhindern. Fast alle Maßnahmen versuchen jedoch, an der sichtbaren Präsenz der Mitarbeiter festzuhalten. Ein Kommentar.

3 Min. Lesezeit
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Sinnvolle Maßnahmen: Maske im Büro, Abstand halten zu Kollegen, krank ist krank. (Foto: Shutterstock)

Maske im Büro, Abstand halten zu Kollegen, Lüften. Das sind super Maßnahmen, um die eigene Belegschaft vor einer Covid-19-Infektion zu schützen. Und das ist auch nötig! Die Zahlen steigen rasant, genau genommen exponentiell und was wir jetzt brauchen, ist vor allem eines: starke Eigenverantwortung. Die Verantwortung, uns und andere Menschen nicht zu gefährden. Auf Unternehmensebene gesprochen, kann das sogar bedeuten, die Geschäftsfähigkeit nicht zu verlieren. Denn für ein Team, das in seiner Mitte schlagartig mit Corona konfrontiert ist, heißt es im Zweifel auch, dass Infektion, Quarantäne und bei einem schweren Verlauf auch lange Rehabilitation folgen. Die zweite Welle schlägt härter ein. Und kaum einer kann inzwischen noch von sich behaupten, keinen Infizierten zu kennen. Es gilt also, das Team zu schützen.

Homeoffice: Weniger Kontakte, weniger Infektionen

Das Homeoffice ist die effektivste Maßnahme vor Corona im Team. (Foto: Shutterstock)

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Maske im Büro, Abstand halten zu Kollegen, Lüften. Das sind alles gute Maßnahmen, um der Covid-19-Verbreitung etwas entgegenzusetzen – und doch frage ich mich, warum der größte Hebel schon wieder so aufgeweicht wird: das Homeoffice. Die deutsche Arbeitskultur basiert enorm stark auf der sichtbaren Präsenz. Seit jeher galt: Wer lange am Schreibtisch sitzt, ist fleißig und produktiv. Wichtige Informationen werden auf dem Flur oder an der Kaffeemaschine ausgetauscht, Ideen in Meetings und beim Mittagessen. Wer seltener im Büro ist, wird weniger wahrgenommen. Kurz flackerte auf, dass sich das geändert hat. Wer konnte, ging ins Homeoffice. Und es hat gut geklappt. Bis deutsche Führungskräfte wieder zum Rückzug geblasen haben. Und warum? Weil sie remote nicht führen können.

Auch interessant: „Fenster kippen ist nicht Lüften – und wie sich Reibereien im Team vermeiden lassen“

Überall las ich in den letzten Wochen, dass die deutsche Unternehmenslandschaft die Mischform aus Heimarbeit und Präsenz anvisiert. Die Deutsche Post und auch der Autobauer BMW haben sich unter anderem in diese Richtung positioniert, um nur einige Unternehmen zu nennen. Gut und schön, wenn das nach der Pandemie passiert. Wirklich, ich unterstütze das! Auch mir fehlt es gelegentlich, mir an der Tischtennisplatte eine Klatsche abzuholen oder selten auch mal eine zu verteilen. Auch mir fehlt es, gelegentlich durch die Räume zu laufen und einen Plausch zu halten. Hybridmodelle find ich super. Aber doch nicht mittendrin in diesem Chaos! Ich verstehe nicht, was das für das Kappen von Infektionswegen bringt? Eigentlich ist das doch gerade die Herausforderung schlechthin. Oder sehe ich das falsch?

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„Die Rechnung ist simple: Weniger Kontakte = weniger Infektionen!“

Es ist ganz einfach: Wer im Homeoffice sitzt, beschränkt seine Kontakte auf ein Minimum – steckt nicht mit anderen Menschen im Verkehr, muss sich nicht im Imbiss das Mittagessen besorgen, benutzt nicht dieselben Türklinken und Espressomaschinen wie die Kollegen. Die Rechnung ist: Weniger Kontakte = weniger Infektionen! Abgesehen von den Wohnungen idiotischer Ignoranten, die in ihren heimischen vier Wänden meinen, Partys feiern zu müssen, ist das Zuhause wohl der sicherste Ort, um sich und andere zu schützen. Getoppt nur vom Einsiedlerleben im Wald. Bitte, liebe Chefinnen und Chefs, dealt mit dem „new normal“ und strebt – zumindest in den heißen Phasen der Pandemie – nicht nach einem faulen Kompromiss, um eure Leute zurück in ein vermeintlich sicheres Büro zu holen.

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Auch interessant: „Führen im Homeoffice: Praxis-Guide erklärt, was Chefs jetzt wissen müssen“

Maske im Büro, Abstand halten zu Kollegen, Lüften. Alles super Maßnahmen. Aber wie wäre es mit diesen: Ergebnis statt Präsenz, weniger und kürzere Online-Konferenzen, individuelle Peer-Gespräche. Wer seinen Mitarbeitenden klare Zielvorgaben gibt, sie nicht ständig in langen und unsinnigen Zoom-Calls verbrennt und sich stattdessen regelmäßig in ein Einzelgespräch begibt, um sich Sorgen, Wünsche, Ideen anzuhören – oder sagen wir: überhaupt mal ein Feedback einzusammeln –, wird bemerken, dass Führung auf Distanz gut klappt. Wer jedoch seine alte Manier auf neue Gegebenheiten stülpt, braucht sich nicht wundern, wenn die Leute im Homeoffice verkümmern. Das liegt in den meisten Fällen nicht an den Leuten, das liegt daran, dass die Mission und der Spirit zu Hause nicht spürbar sind. Das zu vermitteln, ist Führungsaufgabe.

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Timo Beyel

Ich weiß nicht, welche Arbeitskultur in der Firma des/der Autor*in herrscht. Zwischenmenschliche Gespräche, welche den Teamspirit maßgeblich festigen und in der Krise für den notwendigen Zusammenhalt sorgen, finden schlicht und ergreifend zwischen den Mitarbeitern über die diversen Kommunikationstools nicht statt. Niemand führt einfach mal kurz einen Smalltalk via Teams und da kann auch der Chef nicht viel dran ändern. Gespräche, die parallel zur Arbeit, quasi „über den Monitor“ hinweg stattfinden, ich nennen sie gerne „Micro-Meetings“, finden nicht statt. Man ruft halt nicht den Kollegen wegen „Kleinigkeiten“ an. Es mag sein, dass sich diese Kultur in den nächsten Jahren ändern wird, aber derzeit ist reines Homeoffice kein Ersatz für Präsenz.

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Titus von Unhold

Du warst noch nie im Außendienst, oder? Das geht alles, man muss sich nur aus der Opferrolle heraus begeben und dann auch wollen.

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Helmut

Also mit den KollegInnen, die ich wirklich sprechen will, klappt das bei mir auch per ViKo – vorher durch Chat angefragt – ganz wunderbar. Ich höre das sehr oft, dass das remote nicht funktioniert und kann das aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Was bei mir in der Tat nicht stattfindet ist die Zufallsbegegnung, z.B. am Kaffeeautomaten. Dafür habe ich noch keine Alternative gefunden. Es müsste einen „I feel lucky“ Knopf im ViKo Tool geben, durch den zwei Personen zufällig verbunden werden. Mit der richtigen Kultur könnte auch so etwas funktionieren…

Antworten
Daniel

Ich sehe das ähnlich, allerdings gibt es auch Mitarbeiter, wie ich einer bin, der zu Hause keinen abgeschlossenen Arbeitsplatz hat Und auch nicht einrichten kann. Zudem ist ein 6 Monate altes Baby und ab 11:30 auch die 7 jährige Tochter und ab 14 Uhr der 4 jährige zu Hause, da ist arbeiten dann fast nicht möglich ohne den Hausfrieden aufs Spiel zu setzen.

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Doc Who

Sehr geehrter Herr Andreas Weck,

herzlichen Dank für ihre persönliche Sichtweise die sie in diesem Artikel kundtun. Es mag aber ihr Geheimnis bleiben, warum es Not tut, dass sie Begriffe wie „idiotischer Ignoranten“ verwenden müssen.
Solch diffamierende Begriffe treiben nur einen Keil in die Gesellschaft. Das sollte aufhören.
Ein Extremismus bringt weder in die eine noch in die andere Richtung etwas.
Wenn sie Arzt wären oder zumindest das Wissen eines Molekularmediziners vorweisen und den PCR-Test erklären können, insbesondere was es z.B. bei 45 Reproduktionszyklen zu bedenken gibt, respektive ab welcher Viruslast überhaupt Infektiösität besteht, würden sie moderatere Töne anschlagen.
Die aktuelle Entwicklung lässt vermuten, dass eher ein Strategiewechsel d.h. ausgeprägter Schutz vulnerabler Personenkreise langfristig mehr Wirkungsgrad verspricht. Die sich hoffentlich entwickelte Basishygiene wie Händewaschen viel frische Luft und eine respektvolle Distanz mit eingeschlossen. Mund-/Nasenabdeckung in Bereichen die das im Einzelnen erfordern sind sinnvoll, aber bitte nicht permanent. Eine drohende Hyperkapnie gerade Schwanger als auch ältere Menschen betreffend sowie periorale Eigeninfektionen sind nicht zu unterschätzen.

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Titus von Unhold

„Solch diffamierende Begriffe treiben nur einen Keil in die Gesellschaft. Das sollte aufhören.“

Nein, das muss dringend verstärkt werden. Covidioten und andere idiotische Ignoranten müssen sozial geächtet und ausgegrenzt werden, idealerweise bis zum Verlust der Arbeit und der Familie.

„Wenn sie Arzt wären oder zumindest das Wissen eines Molekularmediziners vorweisen und den PCR-Test erklären können, insbesondere was es z.B. bei 45 Reproduktionszyklen zu bedenken gibt, respektive ab welcher Viruslast überhaupt Infektiösität besteht, würden sie moderatere Töne anschlagen.“

Obiges gilt insbesondere wenn gefährlicher Aluhutverschwörungsbullshit über PCR-Tests verbreitet wird, bei dem aus tatsächlichen Fakten mit etwas Schwurbel gefährlicher Nonsens wird.

https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-test-wie-funktioniert-der-test/
https://www.volksverpetzer.de/corona-faktencheck/pcr-tests-genau/
https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/09/09/pcr-test-auf-sars-cov-2-warum-in-der-praxis-falsch-positive-ergebnisse-selten-sind/

Antworten
Sebos

„Nein, das muss dringend verstärkt werden. Covidioten und andere idiotische Ignoranten müssen sozial geächtet und ausgegrenzt werden, idealerweise bis zum Verlust der Arbeit und der Familie.“

Ja genau, vielleicht können wir auch deren Geschäfte einschmeissen? Sie in Lager verfrachten?

Man man man. Echt! Das Leute 80 Jahre nach dem Wahnsinn es immer noch nicht rallen und meinen Leute die sie für „anders“ halten „bekämpfen“ und „zerstören“ zu müssen ist einfach nur traurig. Nichts, aber rein gar nichts gelernt! :-(

Meckerkopp

Uuups, vom homeoffice zur rabiaten Bekämpfung von Verschwörungstheorien… Das Thema soziale Ausgrenzung und Arbeitsplatzverlust hatten wir in Deutschland schon einmal, Sie erinnern sich? Endete 1945…
Das muß doch nicht sein, ein wenig mehr Gelassenheit hilft enorm. Und ganz tief Luft holen, ein Spaziergang machen, ein wenig autogenes Training und schon geht es einem besser.
Damit kein Mißverständnis aufkommt: Wat mut, dat mut. Auch wenn es einem nicht paßt, wir sind ja nicht alleine auf der Welt.

Jetzt zum Thema homeoffice. Ich arbeite seit über 4 Jahren als webmaster von zu Hause und fahre einmal in der Woche in die Firma. Wie und wann ich meine Arbeit erledige, kann ich selber einteilen.
Rechner und Bildschirm werden vom Arbeitgeber gestellt, ich konnte mir aussuchen, was ich haben wollte.
Es gab nie eine Nachfrage, was ich den ganzen Tag mache. Selbstverständlich zeichne ich die Arbeitszeiten auf, jetzt ist übrigens Pause damit hier schreiben kann.
Vertrauen aus der Führungsetage gegenüber den Mitarbeitern ist Voraussetzung, sonst klappt das nicht.
Kontakt zu den Kollegen und Chefs halte ich per Telephon und e-mail. Den smalltalk in Pausen benötige ich nicht.
Ich arbeite viel effektiver als in der Firma, da es viel weniger Ablenkung gibt. Und die tägliche Fahrt in die Firma fällt aus, ist alles private Lebenszeit, die ich selber gestalten kann.

Das klingt alles paradiesisch? Mag sein, vielleicht habe ich auch einfach nur Glück.
Wo es möglich ist, sollte vom homeoffice aus gearbeitet werden.
Wenn es nicht geht, ist der Arbeitgeber in der Verantwortung, ein produktives Umfeld zu schaffen.

Freue mich auf nette Kommentare.

Antworten
Sebos

Meckerkopp, ich mache seit Covid ähnliche Erfahrungen. Die Produktivität ist dank Home Office auch bei mir deutlich gestiegen, weil Ablenkungen fehlen. Allerdings ist man nach 8 Stunden auch deutlich müder, weil länger konzentriert gearbeitet, statt 5x zur Kaffeemaschine und 2 Stunden Plausch. Gerade in deinem Bereich (Webmaster) ist es ja herzlich egal, von wo aus man arbeitet (*ok, vielleicht nicht aus einem zwielichtigen Internet-Café :-), da finde ich die Einstellung deines Arbeitgebers sehr cool und modern.

Klar, das Schwätzchen mit Kollegen ist nett, aber oft nur Zeitfüller, weil man vor dem nächsten Termin in 15 Minuten nichts Neues anfassen will. Dazu die richtigerweise frei gewordene Freizeit (bei mir ca. 2 Std. am Tag) und Geld wird auch gespart (Fahrtkosten; Mittagsmenü). Wobei das die nächste Strom / Heizrechnung wieder auffressen dürfte :-)

ABER – wir reden über das Thema Umweltschutz, CO2-Belastung reduzieren usw… Home Office ist ein riesiger Hebel. Auch was Work-Life-Balance angeht. Auch was Wohnungsnot in Großstädten angeht. Auch was Verkehr angeht usw.

Dem Tenor von Andreas Artikel stimme ich übrigens voll zu. Viele Führungskräfte haben einfach gelernt, dass man zum Arbeiten in die Firma kommen muss. Gelerntes hinterfragen Menschen bekanntlich selten, sofern einmal für sich selbst als richtig bewertet. Und so hält man an der Präsenzpflicht fest. Dabei übersieht man, dass diese in der Menschheitsgeschichte selbst eine neuzeitliche Erfindung ist. Heim und Arbeit waren für die meisten Menschen eigentlich seither immer am selben Ort.

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