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Coronavirus: Gesichtserkennung in China funktioniert jetzt auch mit Masken

Bei den Protesten in Hongkong sollten die Masken noch die Gesichtserkennung erschweren. (Bild: Shutterstock/Michelle Paluski)

Aufgrund der wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus allgegenwärtigen Masken haben chinesische Firmen jetzt ihre Software für Gesichtserkennung entsprechend angepasst.

Allumfassende Überwachung und Gesichtserkennung mittels Big Data und künstlicher Intelligenz gehören in China zum Alltag. Mehrere Hundert Millionen Kameras sollen in dem Land installiert sein. Die Technologie schreitet dabei immer weiter voran – ebenso wie die Einsatzvarianten. Seit Dezember etwa müssen Chinesen beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages auch ihr Gesicht scannen lassen. Jetzt haben die chinesischen Firmen, die an entsprechender Gesichtserkennungssoftware arbeiten, Durchbrüche gemeldet – sie können jetzt auch von Masken bedeckte Gesichter erkennen.

Masken kein Schutz mehr vor Gesichtserkennung

Wegen der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus tragen in China viele Menschen Gesichtsmasken – eine Herausforderung für die korrekte Erfassung der dahintersteckenden Menschen. Firmen wie Sensetime, das wertvollste KI-Startup der Welt, Minivision und Facego waren daher gezwungen, ihre Systeme auf die Erkennung von teilverdeckten Gesichtern zu optimieren. Für westliche Beobachter vielleicht erschreckend: Es scheint ihnen gelungen zu sein. Anders gesagt, reicht eine Atemmaske jetzt nicht mehr aus, um sich vor der Gesichtserkennung zu schützen.

Die dahinterstehende Technologie ist wiederum nicht neu, wie Abacus-News berichtet. Schon 2017 hatte ein Forscherteam der Stanford University um Amarjot Singh einen Algorithmus entwickelt, der Personen identifizieren konnte, die künstliche Bärte, Brillen, Schals oder Schutzhelme trugen. Das Ganze ist möglich, weil die speziell entwickelten Gesichtserkennungssysteme mit Schlüsselpunkten um Augen und Nase auskommen. Um die Technologie noch genauer zu machen, müssten die Datenbanken mit mehr Bildern gefüttert werden, die nur Teile von Gesichtern zeigen, erklärten Experten.

Systeme noch mit Schwächen

Bisher scheinen die Systeme laut dem Abacus-News-Bericht jedoch vor allem in begrenzten Bereichen wie bei der Zutrittserkennung in Firmen zu funktionieren. Der Minivision-Manager Hu Jianguo erklärte dazu in einem Interview mit der chinesischen Ausgabe des Fachportals Synced, dass es schwierig sei, das System auf eine größere Gruppe von Menschen auszudehnen. Das liegt daran, dass sich die Technologie vor allem auf die Augenpartie konzentriert. Je größer die Anzahl derjenigen, die von den KI-Systemen abgeglichen werden müssen, desto größer die Möglichkeit dort auf zu große Ähnlichkeiten zu stoßen.

Zu spaßen ist mit den Entwicklungen der chinesischen Gesichtserkennung aber nicht. Denn laut einem Bericht der Financial Times vom Dezember versucht China, über Firmen wie ZTE, Dahua und China Telecom Einfluss auf die Erstellung internationaler Standards zu nehmen, wenn es um Gesichtserkennung und Videoüberwachung geht. Diese von China beeinflussten Standards – und damit auch die Einstellung zu Überwachung und Gesichtserkennung – könnten dann vor allem von aufstrebenden Staaten in Afrika, dem Nahen Osten und Asien übernommen werden, wie Menschenrechtsanwälte warnen.

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Ein Kommentar
Hartmut K.

Wenn die Technik schon so ausgereift ist, frage ich mich, warum es dann überhaupt noch so etwas wie das „Vermummungs-Verbot“ gibt?

Oder ist das exklusiv chinesische Technik? Unsere Regierung wird doch bestimmt ähnliches auf Lager haben, oder……?

LG aus BLN

Antworten

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