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Interview
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Höhle der Löwinnen? Diese Regisseurin startet Gründershow für Frauen

„Die Höhle der Löwen“ zeigt Gründende und ihr fertiges Produkt. „Create F“ will Frauen während der Gründung begleiten. Das steckt hinter Franziska Pohlmanns neue Empowerment-Show.

7 Min. Lesezeit
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Franziska Pohlmann führt Regie bei Create F. (Foto: franziskapohlmann.de)

„Create F“ heißt die neue Show von Franziska Pohlmann, die Frauen beim Gründen begleitet. Anders als bei der Erfolgsshow „Die Höhle der Löwen“ zeigt sie in der „Female Founders Show“ den Prozess hinter der Unternehmensgründung und nicht nur den Pitch vor Investorinnen und Investoren. Wir haben die Filmemacherin getroffen und über die Wichtigkeit des Formats für die weibliche Gründungslandschaft, die Entscheidung, auf Youtube zu veröffentlichen, sowie ihre eigenen Erfahrungen als Jungunternehmerin gesprochen. Die 35-jährige Regisseurin und Komponistin hat bereits während ihres Studiums an der Leuphana Universität ihre erste Filmproduktionsfirma gegründet, kurz darauf einen Kinofilm produziert und später unter anderem für renommierte Institutionen wie den Kika oder das SZ-Magazin Regie geführt. Mit dem Start von „Create F“ am 30. September möchte sie nun weibliches Gründertum unterstützen.

„Create F“ zeigt Frauen und ihren Gründerinnenweg

Das Team von „Create F – The Female Founders Show“. (Foto: Create F)

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t3n: Warum braucht es eine rein weibliche Gründershow?

Franziska Pohlmann: Zur Identifikation und für mehr Vorbilder auf Augenhöhe. „Create F“ zeigt Menschen, Persönlichkeiten, ihre Visionen und Wege. Um Motivation und Mut in die Gesellschaft zu tragen, brauchen wir nahbare, inspirierende Geschichten – damit Gründen ein selbstverständlicher Karriereweg wird. Wir setzen dabei auf eine maximal diverse Szene und wollen bewusst weiblich geführte Unternehmen in den Fokus stellen.

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Der Anteil von Gründerinnen und Gründern an der Erwerbsbevölkerung hat sich laut der KfW seit 2004 mehr als halbiert. Warum ist dieser Karriereweg so unbeliebt geworden?

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Die Gründe dafür sind meiner Meinung nach vielschichtig: Uns fehlen, wie gesagt, nach wie vor Vorbilder, Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit. Hinzu kommt die Bürokratie, die es Gründerinnen oft nicht einfach macht, den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen. „Work is not a job“-Autorin Catharina Bruns betont ja immer wieder, dass die Rahmenbedingungen für eine Selbstständigkeit in unserem Sozialsystem fehlen und freies Arbeiten dadurch unsicher und teuer ist. Dadurch ist natürlich auch die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Care-Arbeit erschwert.

Sind das die entscheidensten Faktoren?

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Jein, ich glaube, der entscheidende Faktor für mich persönlich ist neben den oben erwähnten Gründen vor allem auch die nicht vorhandene Wagniskultur, die ausbleibende Risikobereitschaft in Deutschland. Die Neugierde auf das „Machen“, ohne immer schon alle Konsequenzen erkennen zu können. Rückschläge sind negativ besetzt, sodass eine gescheiterte Gründung oder Insolvenz von vielen – auch den Gründenden selbst – als persönliche Niederlage bewertet wird. Dabei sind genau das oft die Lebenserfahrungen, die Biografien prägen und andere inspirieren.

Welche Rolle spielen Frauen dabei, dass sich die Gründungsquote künftig wieder erhöht?

„Ich habe mich entschieden, mich nicht länger für meine Weiblichkeit zu entschuldigen“ – das schreibt die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie. Damit trifft sie – meiner Ansicht nach – den Nagel auf den Kopf. Denn was ich beobachte ist: Es sind vor allem Frauen, die uns mit Empathie und Scharfsinn durch diese stürmischen Zeiten aus sozialen und ökologischen Krisen navigieren. Ich denke da an Greta Thunberg, Neuseelands Premierministerin Jacinda Arden oder Michelle Obama. Vermeintlich „weibliche“ Qualitäten wie Mitgefühl, vernetztes Denken oder der Fokus auf Kollaboration und Co-Creation braucht es aktuell mehr denn je. Immer mehr Frauen entscheiden sich selbstermächtigt: Ich kann das, ich mach das jetzt und zwar genau so, wie ich es möchte. Das wird nicht nur die Gründungsquote erhöhen, sondern auch jene motivieren, die es sich bisher nicht zugetraut hatten, loszulegen.

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Von dem Woman-Only-Setup abgesehen: Was unterscheidet „Create F“ von Erfolgsserien wie „Die Höhle der Löwen“?

„Nicht nur eine kurzweilige und plakative Produkt- und Startup-Vorstellung.“

„Create F“ zeigt den Prozess hin zur Unternehmensgründung, die Entwicklung von Produkt oder Dienstleistung und vor allem der Persönlichkeit hinter der Idee. Nicht nur eine kurzweilige und plakative Produkt- und Startup-Vorstellung. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist auf jeden Fall die durchgehende Begleitung durch Investorinnen, denn die meisten Investments werden nicht ad hoc getätigt, sondern nach eingehendem Kennenlernen. Genau diese authentische Perspektive zeigt die Sendung. Mit jeder Menge Entertainment und wertvoller, persönlicher Insights der Gründerinnen und Investorinnen. Als Filmemacherin will ich das Publikum begeistern, ohne dabei reißerisch werden zu müssen.

Die Sendung wird also ohne Provokationen auskommen?

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Wir glauben, dass ein Unterhaltungsformat überzeugen kann, ohne Persönlichkeiten bloßstellen zu müssen. Wertschätzend und auf Augenhöhe, inspirieren statt denunzieren – das ist unser Anspruch an „Create F“.

Warum erscheinen die Episoden im Social Web anstatt im Fernsehen? Wäre die Reichweite nicht viel höher im TV?

Youtube ermöglicht einen demokratischen Zugang für alle. Nicht der Kanal, sondern der Newswert ist entscheidend. Ehrlicherweise habe ich das Projekt vielen Sendeanstalten gepitcht – das Interesse ist groß und es liegen wohl in den meisten Redaktionen Konzepte zu „Female Entrepreneurship“ oder „Female Empowerment“ – nur werden fast alle in die Nischenschublade gesteckt. Ziemlich absurd, denn es geht um Storytelling und Persönlichkeiten. Innovation und Risikobereitschaft sind an vielen, entscheidenden Stellen blockiert in Deutschland – auch in der Medienlandschaft. Aber mit Google for Startups und der Nordmedia sehen wir aktuell den perfekten Match, gleichzeitig fundiert, wie auch flexibel zu sein.

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Warum?

Wir können ganz „startuppy“ über unseren Sendeplatz und unsere Formatlänge entscheiden – das ist eine großartige Ausgangsvoraussetzung. Zudem ist damit nicht nur das Format innovativ und richtungsweisend, sondern auch der Sendeplatz.

Ihr habt einige populäre Unterstützerinnen für eure Sache gewonnen wie Miss Code Aya Jaff und Deutschlands einst jüngste Aufsichtsrätin Fränzi Kühne: Braucht es nicht viel mehr männlichen Support? Tragen nicht gerade sie den größten Bias in sich?

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Ein zweiter Blick auf unsere Homepage verrät: Da steckt auch eine Menge männlicher beziehungsweise diverser Support hinter „Create F“. Um Sichtbarkeit für Gründerinnen und Investorinnen zu schaffen, brauchen wir alle Multiplikatoren. Die Unterstützung von allen Seiten. Der Bias liegt aktuell wohl noch eher in uns allen. Das Bewusstsein und den Safe Space zu schaffen, halte ich für einen Wendepunkt.

Was meinst du mit Safe Space?

Alles sein zu dürfen, keine Rollen spielen zu müssen, alles erreichen zu können, in einem sicheren Rahmen, der kuratiert ist und von vornherein Vertrauen und Mut für alle Beteiligten etabliert. Damit es möglich ist, offen zu sein und authentisch durch den Prozess zu gehen. Zusammen stärker zu werden und diesen Safe Space selbst auch herstellen zu lernen. Wir wollen schließlich motivieren und anstecken, selbst drauflos zu gründen.

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Was tut ihr, um die Zielgruppe möglichst breit anzusprechen?

Damit wir ein diverses Publikum für die Sendung gewinnen können, wollen wir natürlich breit erzählen und auch Anreize für alle schaffen. Entweder schon in der ersten Staffel oder in der nachfolgenden wird es die Möglichkeit geben, in die Startups zu investieren. Das finde ich persönlich wichtig, um mitgestalten zu können. Es geht um menschliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Potentiale.

Du meinst, die Zuschauerinnen und Zuschauer können in die Startups investieren? Wie das?

„Wir hatten in der ersten Bewerbungsphase knapp 100 Bewerberinnen.“

Aktuell sind wir dabei, ein Blockchain-basiertes, partizipatives Tool zu entwickeln, das den Zuschauenden die Möglichkeit gibt, direkt in die Ideen zu investieren, die sie überzeugt haben. Uns geht es nicht nur auf Gründungsebene darum, innovative Ideen und Experimentierfreudigkeit zu fördern, sondern auch auf Investment-Seite neue Wege zu gehen. Wege, die mehr Teilhabe ermöglichen, damit wir kollektiv mehr bewegen können. Ob wir das Tool schon in dieser Staffel einsetzen können, wird sich zeigen.

Die Einreichungsphase wurde am 18. August beendet: Wie viele Gründerinnen haben sich beworben?

Wir hatten in der ersten Bewerbungsphase knapp 100 Bewerberinnen, jetzt sind noch einmal 30 hinzugekommen. Dass wir auch jetzt noch fast ausschließlich Bewerbungen aus einem homogenen Mikrokosmos bekommen, spornt mich umso mehr an, weitere Staffeln des Projekts anzustreben. Wir alle wünschen uns mehr Chancengleichheit, aber dafür müssen wir auch weitere, potentielle Kandidatinnen erreichen und die Komfortzone verlassen.

Wonach habt ihr die Kandidatinnen ausgwählt?

Es gibt einen klaren Kriterienkatalog, anhand dessen eine Jury die Favoritinnen ausgewählt hat. Der ist eine Kombination aus eher objektiven Fakten: Wie ausgeprägt sind die Aspekte ökonomischer, ökologischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit in der Gründungsidee? Natürlich auch die Idee an sich, das Gründungsstadium, das Zukunftspotential sowie der Markt dahinter und der Innovationsgrad spielen eine Rolle. Aber auch persönliche Faktoren, wie beispielsweise die Motivation und Überzeugungskraft der Gründerinnen. Die Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen der Sendung wird neben den klassischen Gründungsschritten ein klarer Fokus sein. Gerade diese Soft Skills sind bei entscheidenden Pitches mit potenziellen Investorinnen und Investoren ja genauso relevant wie die harten Fakten.

Du bist selber schon früh als Gründerin in Erscheinung getreten. Mit 20 Jahren hast du während der Uni eine Filmproduktionsfirma gegründet. Wie hast du deine eigene Persönlichkeitsentwicklung während der Gründung und der Führung der Firma wahrgenommen? Was hättest du dir damals während deiner ersten Schritte gewünscht?

Es war gut, dass ich im Prinzip nichts wusste und voller Tatendrang gestartet bin. Mir war allerdings nicht bewusst, welche Verantwortung ich als Arbeitgeberin trage. Viele Angebote von der Gründungsberatung an Hochschulen, zur IHK und vor allem auch Communities und Plattformen hätten mir damals sicher viele Erfahrungen erspart, die mich Kraft und vor allem auch Geld gekostet haben. Mit meiner frisch gegründeten, neuen Medienproduktion „Bold & Salty“ kann ich ganz anders starten und die Learnings aus frühen Jahren umsetzen. Ich muss nicht alles selbst können oder schaffen. Das anzuerkennen hat etwas gedauert. Im wertvollen Austausch und Team mit anderen Gründerinnen und Gründern läuft es wesentlich entspannter ab. Diese gegenseitige Unterstützung, Austausch mit Mentorinnen und mehr sichtbaren und leicht zugänglichen Support wünsche ich mir für alle Gründerinnen, die gerade starten. Im Vertrauen voneinander zu lernen und nicht alles allein zu tragen, macht nicht nur erfolgreicher, sondern auch zufriedener.

Danke für das Gespräch.

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Dein t3n-Team

Sven

Komischerweise finden das so alle ganz toll. Wäre jetzt ein Mann auf die Idee gekommen so etwas nur mit Männern zu machen, was da wieder losgewesen wäre. Ich persönliche finde alles, bei dem es sich nur auf bestimmte Teile der Menschen reduziert, rassistisch. Überall wird lauft DIVERS herausposaunt, das trifft aber immer nur dann zu wenn „alte weiße Männer“ daran beteiligt sind, alte weiße Frauen scheinen hingegen OK zu sein. Und DAS ist rassistisch

Antworten
Andreas Weck

Hallo Sven, nein, das ist nicht rassistisch. Es sei denn du definierst Mann und Frau als ethnisch unterschiedliche „Rassen“, aber das wäre dann auch nicht richtiger.

Nochmal mit dem Begriff auseinandersetzen bitte.

Gruß

Andreas

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