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Vielen wurde Amazon-Werbung mit Kot angezeigt – das ist der Grund

Unser Autor bekam am vergangenen Samstagnachmittag einen Haufen Kot als Werbung von Amazon auf Instagram ausgespielt. Zuerst war er angeekelt und verwirrt. Dann begann er die Recherche.

4 Min. Lesezeit
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So sah die Anzeige von Amazon aus. (Bild: Shutterstock/FocusStocker/t3n)

Es ist nicht ungewöhnlich, mit äußerst kruder Werbung konfrontiert zu werden. Besonders wer in den Sozialen Medien unterwegs ist, wird immer wieder über sonderbare Anzeigen scrollen. Eine Britney-Spears-Kerze vielleicht, oder ein Papp-Aufsteller von Angela Merkel. Manchmal sind es auch Gegenstände, die auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen sind – also dazu einladen, direkt mal auf den Link zu klicken. Solche Anzeigen sollen freilich verwundern. Denn nur die Werbung, die direkt ins Auge springt, sorgt auch dafür, dass man kurz mit dem Scrollen aufhört.

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Am vergangenen Samstag aber sah ich eine Anzeige, die mich nicht nur aufhören ließ zu scrollen. Sie sorgte dafür, dass ich mich auf eine kleine Recherche begab.

„Das ist ja Stuhl“

Es war also Samstagnachmittag und ich nahm, wie man das so macht, gedankenlos das Smartphone in die Hand. Öffnete Instagram, sah Bilder von Menschen, die mich nur selten interessieren, und machte plötzlich Halt. „Das ist ja Stuhl“, dachte ich, denn genau das war es, was ich sah: eine Anzeige von Amazon, die mir laut Text ein Edelstahl-Schüsselset verkaufen wollte. Das Bild aber zeigte etwas komplett anderes. Ein Haufen Kot war da abgebildet.

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Nach den ersten Sekunden der Verwunderung und des Ekels beschloss ich, dem auf den Grund zu gehen. Mein erster Weg führte mich zu Amazon selbst. Ich suchte nach Scherzartikel-Kot, fand auch einige solcher Produkte, doch alle sahen stark nach Plastik aus. Den Kot, den ich gesehen hatte – das war kein Plastik. Es konnte sich also nicht um eine falsche Zuordnung von Produkt (Edelstahl-Schüsselset) und Bild (Kot) gehandelt haben, denn ein solches Kot-Bild dürfte Amazon eigentlich gar nicht im Repertoire haben.

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Also weiter zu Twitter. Meine Suche nach „Amazon“ und „Kot“ bracht direkt ein paar Ergebnisse hervor. Die verlinke ich hier mit der Warnung, dass ein Haufen Kot zu sehen ist. Ich war also nicht die einzige Person, der diese Werbung ausgespielt wurde. Unter einem der Tweets fand ich auch schon eine Nachricht vom Amazon-Kundenservice. Das Problem sei bekannt, man arbeite an einer Lösung. Ich schrieb den Twitter-Account direkt an und fragte, wie so etwas passieren könne. „Das können wir dir leider nicht sagen. Wir haben das aber bereits mehrmals an das zuständige Team weitergegeben“, bekam ich als Antwort. Und auf die Frage, wer von Amazon mir denn erklären könnte, wie das Kot-Foto in die Werbung kam, konnte man mir auch nicht weiterhelfen.

Ein „Akteur mit schlechten Absichten“

Also schrieb ich den Amazon-Presseservice an, mit der Bitte, die Situation zu erklären. Für mich kamen eigentlich nur drei Szenarien infrage: Es handelte sich doch um ein vertauschtes Foto und irgendwo in den Untiefen des Amazon-Katalogs verbirgt sich ein Haufen Kot als Produktfoto. Vielleicht wurde aber auch Amazon beziehungsweise deren Social-Media-Tool gehackt. Oder eine Person innerhalb von Amazon hat sich einen „Scherz“ erlaubt und einen Kot-Haufen ins System eingespeist.

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Die offizielle Antwort von Amazon war ernüchternd: „Wir arbeiten intensiv daran, unseren Kund:innen und Verkaufspartner:innen ein großartiges Einkaufserlebnis zu bieten und ergreifen Maßnahmen, um sie vor denjenigen zu beschützen, die ihr Erlebnis in unserem Store gefährden. Wir haben Verkaufsrichtlinien, denen alle Verkaufspartner:innen zustimmen und bei einem Verstoß ergreifen wir schnell entsprechende Maßnahmen, die die Schließung des Verkaufspartner-Kontos beinhalten können.“

Aus Unternehmenskreisen erhielt ich dann aber doch eine konkretere Antwort. Ein „Akteur mit bösen Absichten“ habe das Bild eingefügt. Es seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, um mit der Person umzugehen. Alle Bilder wurden inzwischen entfernt, der eigentliche Kunde, das Edelstahl-Schüsselset, habe damit nichts zu tun.

Auf den zweiten Blick bedenklich

Es sei also wirklich eine einzelne Person gewesen, die dafür gesorgt hat, dass etliche Menschen an einem Samstagnachmittag einen Kothaufen zu sehen bekamen. Nicht erfahren konnte ich, welche Absichten diese Person hatte und wie genau weiter mit ihr verfahren wird.

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Auf den ersten Blick mag es sich dabei um eine heitere Angelegenheit handeln. Keine schöne, aber eine heitere. Doch sind solche Zwischenfälle durchaus bedenklich. Denn es hätten auch ganz andere Bilder hochgeladen werden können als nur Exkremente. Von expliziten Fotos über politische oder Hassbotschaften ist alles möglich. Und lassen sich neben Bildern auch Links so einfach austauschen? Es stellt sich die Frage, wie einfach es sein mag, Zugriff auf dieses doch ziemlich mächtige Werbe-Tool von Amazon zu erhalten.

Es bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen diesen Anlass nutzt, um die schützenden Maßnahmen stark zu erhöhen. Werbung ist meistens egal und manchmal störend. Gefährlich sollte sie nie sein. Besonders nicht, wenn sie von einem Multimilliardenunternehmen kommt. Und was mich angeht: Ich habe nun erstmal genug davon, von Kot zu schreiben. Und die nächsten Werbeanzeigen auf Instagram werde ich noch kritischer beäugen.

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