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Kolumne

Digitalisierung: Darum darf die deutsche Industrie noch hoffen

(Foto: Zapp2Photo/Shutterstock)

Google, Amazon, Facebook oder Uber – das digitale Konsumentengeschäft wird klar von US-Unternehmen dominiert. Doch gelten die Gesetze der digitalen Plattformökonomie auch in der Industrie? Die Neuland-Kolumne.

Die Plattformen haben gewonnen – ausnahmslos, weil es bei allen konsumentenorientierten Geschäftsmodellen im Konsumentenbereich fast immer einen „Winner takes it all“-Effekt gibt. Deshalb sind Google, Amazon, Facebook und Uber zu Giganten geworden, die in ihrem jeweiligen Kerngeschäft der Konkurrenz kaum eine Chance lassen.

Amerikanische Gründer denken größer, haben größere Kapitalgeber im Hintergrund und einen großen, sprachlich einheitlichen Markt mit innovationsfreudigen Verbrauchern vor der Haustür. Zusammen mit ihren wagemutigen und technisch bestens ausgebildeten Gründern ist das die Mischung, die US-Unternehmen sämtliche Konsumenten-orientierten Geschäftsmodelle der digitalen Ära dominieren lässt. Auf ein europäisches Facebook warten wir bis heute vergeblich.

Unter klassischen Industriezulieferern gibt es derartige „Winner takes it all“-Effekte noch nicht. Dafür sind die Bedarfe eines Industrieunternehmens, also Bauteile, Maschinen und Rohstoffe, die zur Produktion benötigt werden, noch zu vielfältig. Facebook ist das Telefonbuch des 21. Jahrhunderts, weil jeder Mensch sehr ähnliche Anforderungen an ein Telefonbuch hat. Aber die Anforderungen eines Herstellers für Medizintechnik unterscheiden sich eben in vielerlei Hinsicht von denen eines Auto- oder Maschinenbauers.

Kommt die digitale Disruption der Industrie?

Eine Digitalisierung macht auch vor diesen Branchen nicht halt: Sensoren melden Verschleiß, Maschinen kommunizieren untereinander, RFID-Chips verbessern die Effizienz von Lieferketten und Online-Handelsplattformen á la Amazon gibt es auch längst für fast alle B2B-Geschäfte.

Doch die Digitalisierung vollzieht sich im industriellen Bereich weniger ruckartig, die berühmte Disruption ist bislang ausgeblieben. Die Nachfrage nach Industrieprodukten ist gestiegen, vor allem durch Schwellenländer wie China und Indien. Davon konnte Deutschland auch im Zeitalter der Digitalisierung profitieren – zumindest bislang.

Dabei wird digitale Technik wie Vernetzung natürlich auch die Industrie durchdringen. Laut einer Studie des Branchen-Lobbyverbands Bitkom und der beiden Unternehmensberatungen Boston Consulting Group und Roland Berger ist Deutschland beim Thema Industrie 4.0 allerdings besser aufgestellt als die gesamte internationale Konkurrenz.

In Deutschland entstehen interessante Industrie-Startups

Und es entstehen auch vielversprechende Startup-Ideen im industriellen Umfeld in Deutschland, auch wenn die weniger sichtbar sind als hippe Berliner Tech-Unternehmen wie Rüdenauer 3D Technology hat beispielsweise eine virtuelle 3D-Welt erschaffen, in der Industrieunternehmen ihre Produktionsprozesse vor dem Bau einer Anlage zunächst einmal virtuell durchspielen können. Noch vor dem Bau der Anlage testen Mitarbeiter mittels Virtual-Reality-Brillen den Produktionsablauf und merken so im Idealfall, wo es hakt, noch bevor die Anlage gebaut wird.

Vielleicht hat niemand eine so negative Sicht auf Deutschland wie die Deutschen selbst. Noch in den 2000er Jahren wurden Bücher wie „Deutschland – Der Abstieg eines Superstars“ oder „Ist Deutschland noch zu retten?“ zu Bestsellern – und lagen mit ihrem Abgesang auf den Wirtschaftsstandort komplett daneben. Es ist nicht auszuschließen, dass Deutschland auch diesmal wieder besser dasteht, als es viele Untergangspropheten derzeit voraussagen.

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2 Reaktionen
Danilo_Manca

Grundsätzlich bin ich auch der Meinung. Konzerne und Startups sind da gut unterwegs.

Der Mittelstand könnte da aber noch einiges nachlegen.

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Carlo

Sehe ich auch so! Gut geschrieben

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