Anzeige
Anzeige
News

Whatsapp und Apple im Fokus: Wie sich der DMA auf dein Smartphone auswirkt

Bald muss Whatsapp in der EU mit anderen Chatdiensten zusammenspielen, und Apple wird iPhone-Nutzer Apps aus Stores anderer Anbieter laden lassen. Wie stark der Effekt des Digital Markets Acts zu spüren sein wird, ist noch offen.

Quelle: dpa
4 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige

Vor allem auf dem iPhone ändert sich demnächst einiges. (Foto: Denphotos / Shutterstock)

In der EU soll am 7. März eine neue Zeit mit mehr Wettbewerb bei digitalen Angeboten anbrechen: Große Plattformen müssen sich an die Regeln des Gesetzes DMA (Digital Markets Act) anpassen.

Anzeige
Anzeige

Was ist die Idee des DMA?

Das Gesetz soll für mehr Wettbewerb bei digitalen Diensten und bessere Chancen für neue Rivalen sorgen. Die Grundannahme dabei ist, manche große Plattformbetreiber seien so mächtig geworden, dass sie ihre Marktposition zementieren könnten. Der DMA soll diese Starre mit Regeln für die sogenannten „Gatekeeper“ (Torwächter) aufbrechen.

Welche Firmen und Dienste sind betroffen?

Die EU-Kommission machte bisher 22 Gatekeeper-Dienste von sechs Unternehmen aus. Wenig überraschend sind darunter die US-Schwergewichte Apple, Amazon, Microsoft, die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Konzern Meta. Daneben kam auf die Liste die Video-App Tiktok des ursprünglich aus China stammenden Konzerns Bytedance.

Anzeige
Anzeige

Was merkt man davon als Nutzer?

Zwei DMA-Auflagen stechen hervor. Der in Deutschland populäre Chatdienst Whatsapp von Meta soll sich für andere Dienste öffnen – und Apple muss erstmals zulassen, dass auf dem iPhone Apps aus anderen Quellen als dem hauseigenen App Store installiert werden können. Allerdings: Während Whatsapp die Zugänge schaffen muss, wollen konkurrierende Dienste wie Signal und Threema sich bisher gar nicht vernetzen. Und mit Apples Regelung für andere Download-Plattformen ist offen, wie viele Entwickler sich darauf einlassen – oder lieber wie bisher nur im App-Store des Konzerns bleiben.

Wie will Whatsapp die Interoperabilität umsetzen?

Die Nachrichten aus anderen Diensten sollen in einem separaten Bereich landen. Das solle deutlich machen, dass für die Nachrichten andere Sicherheitsstandards gelten könnten, sagte Whatsapp-Manager Dick Brouwer dem Magazin Wired. Whatsapp nutzt die Verschlüsselungstechnologie von Signal – und das macht die Vernetzung mit anderen Diensten, die ebenfalls darauf zurückgreifen, einfacher. Man werde aber auch andere verlässliche Verschlüsselungsprotokolle unterstützen.

Anzeige
Anzeige

Warum wollen andere Dienste nicht mitmachen?

Signal verweist darauf, dass der Dienst über den Schutz von Inhalten hinausgehe: „Wir haben neuartige Techniken entwickelt, um auch vertrauliche Metadaten wie Profilnamen und -foto, Kontaktlisten, Gruppenmitgliedschaften und Informationen darüber, wer wem Nachrichten sendet, zu verschlüsseln.“ Andere große Apps erfüllten „nicht annähernd die Datenschutzstandards von Signal“.

Bei Threema hieß es, Whatsapp gebe alle Protokolle vor, „und wir wüssten nicht mit Sicherheit, was mit den Nutzerdaten geschieht, wenn sie an Whatsapp übertragen werden, zumal Whatsapp nicht Open Source ist“. Auch gebe es ungelöste Probleme wie die Adressierung, da Whatsapp die Telefonnummer verwendet und Threema eine zufällig generierte ID. Dies könne Threema-Nutzer potenziell deanonymisieren.

Anzeige
Anzeige

Wie soll das mit anderen App-Stores auf dem iPhone funktionieren?

App-Entwickler können entweder alles beim Alten lassen und ihre Anwendungen wie bisher nur über Apples App-Store mit einer Abgabe von 15 oder 30 Prozent der Erlöse bei digitalen Gütern und Abos vertreiben – oder sie machen von den neuen Möglichkeiten Gebrauch. Dann gelten für sie andere Konditionen. Bei Anwendungen, die sie über Apples App-Store vertreiben, sinkt die Abgabe auf jeweils 10 und 17 Prozent – plus weitere 3 Prozent, wenn sie das Abrechnungssystem des Konzerns nutzen. Neu ist eine „Kerntechnologie-Abgabe“ von 50 Cent für die Erstinstallation einer App in einem Zwölfmonatszeitraum, die nach einer Million Downloads fällig wird. Bei Apps, die über andere Marktplätze vertrieben werden, soll Apple nur sie bekommen. Steigen Entwickler auf das neue Modell um, führt kein Weg zurück.

Wollen sich App-Anbieter darauf einlassen?

Die Spielefirma Epic Games, deren App Fortnite nach einem Regelverstoß aus Apples App-Store verbannt ist, will eine eigene Download-Plattform auf das iPhone bringen. Auch der App-Marktplatz Setapp, der Anwendungen im Abo-Modell nutzen lässt, will im April starten. Zugleich kritisieren zum Beispiel der Musikstreaming-Marktführer Spotify – und auch Epic – die neuen Regeln aufs Schärfste. So sagt die für Wettbewerb zuständige Spotify-Managerin Avery Gardiner, Apples Umsetzung erfülle „nicht einmal annähernd“ die DMA-Vorgaben.

Wo sehen Kritiker Probleme?

Aus Sicht von Spotify widersprechen unter anderem der Umstieg auf eine neue Gebührenstruktur und die Kerntechnologie-Abgabe dem DMA. Spotify gehört zu den größeren Diensten (rund ein Prozent der App-Anbieter nach Apples Rechnung), für die die Kerntechnologie-Abgabe fällig würde. Und sie könnte ordentlich ins Kontor schlagen: Denn sie müsste nicht nur bei im Moment aktiven Nutzern bezahlt werden. Auch wenn jemand die App nur ungenutzt auf seinem iPhone hat, kostet das Spotify beim ersten automatischen Update in einem Zwölfmonatszeitraum 50 Cent. Apple habe die neuen Abgaben so gestaltet, dass es für Entwickler nicht attraktiv oder auch tragbar sei, ihre Apps über andere Stores zu vertreiben, kritisieren unter anderem Epic und Spotify.

Anzeige
Anzeige

Wie steht Apple zu den DMA-Vorgaben?

Der Konzern beharrte schon im DMA-Vorlauf darauf, dass der App-Vertrieb nur über den hauseigenen Store die bessere Lösung für die Nutzer sei: So könne man sie besser vor Datendiebstahl und Betrug schützen. Auch jetzt betont der Konzern, dass er in Apps aus anderen Quellen ein potenzielles Sicherheitsrisiko sehe, das eingedämmt werden müsse. Deshalb werde man auch bei ihnen prüfen, ob sie eventuell falsche Angaben über ihre Funktionen enthielten. Behörden und einige Unternehmen forderten von Apple Zusicherungen, dass sie den App-Download aus anderen Marktplätzen unterbinden könnten.

Wer entscheidet, ob Gatekeeper die DMA-Vorgaben erfüllen?

Die EU-Kommission, unter anderem mithilfe von Marktuntersuchungen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 10 Prozent des jährlichen Umsatzes – und bis zu 20 Prozent im Falle wiederholter Verletzungen. Als letzte Option steht auch eine Zerschlagung im Raum. Am Ende könnten Gerichte über mögliche Strafen entscheiden.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare

Community-Richtlinien

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige