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Warum E-Books der Siegeszug verwehrt blieb

Noch zu Beginn dieser Dekade schien kaum etwas den Siegeszug der E-Books aufhalten zu können. Ende 2019 ist klar: Die Revolution ist weitgehend ausgeblieben – dafür gibt es Gründe.

2 Min.
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E-Books haben die prophezeite Revolution verfehlt. (Foto: Shutterstock)

Für so manchen pessimistischen Buchfan sah es vor einigen Jahren noch aus, als würden E-Books gedruckte Bücher und Zeitungen in Kürze komplett überrollt haben. Dazu hatte vor allem Amazon mit der Einführung seines dedizierten E-Book-Readers Kindle und der Entwicklung eines angeschlossenen Selfpublisher-Marktes beigetragen. Dafür, dass den E-Books der vorhergesagte Siegeszug weitgehend verwehrt blieb, machen Marktbeobachter jetzt ausgerechnet die technik-affine junge Generation verantwortlich – und Apple.

E-Books vor allem bei den Älteren beliebt

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In einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtenportal Vox erklärt Andrew Albanese, ein Autor des Branchenmagazins Publishers Weekly, dass gerade die sogenannte Generation Z und die Millennials erstaunlich wenig Interesse an E-Books hätten. Sie klebten zwar immer an ihren Smartphones und liebten soziale Medien, aber wenn es ums Bücherlesen gehe, dann griffen sie eher zu einem gedruckten Buch, so Albanese. Statt der jungen Generation hätten sich ältere Menschen als Hauptabnehmer von E-Books erwiesen, die sogenannten Boomer. Für sie sei ein E-Book-Reader, bei dem man die Schrift vergrößern könne und nicht auf den Buchladen angewiesen sei, bequemer.

In den USA, dem Vorreiter in Sachen E-Books, haben sich die Verkäufe auf 20 Prozent digitale und 80 Prozent gedruckte Bücher eingependelt, so Albanese. Zu Beginn des Jahrzehnts habe man das eher andersherum prognostiziert. Laut Albanese gibt es aber noch mindestens einen zweiten wichtigen Grund, warum E-Books nicht so erfolgreich wurden wie zunächst gedacht: Apple.

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Amazons Niedrigpreisstrategie im Visier der Publisher

Albanese hat das Buch „The Battle of $9.99“ geschrieben. Darin legt er dar, wie Apple bei seinem Einstieg in den E-Book-Markt versucht hat, gemeinsam mit einigen der größten US-Verlage die Niedrigpreisstrategie von Amazon zu zerstören. Konkret soll der Konzern im Vorfeld der Vorstellung des iPads und des iBookstores 2010 mit den Verlagen ausgehandelt haben, dass diese die E-Book-Preise selbst bestimmen konnten. Das sollte die 9,99-US-Dollar-Strategie von Amazon lahmlegen. Und es gelang. Über Nacht, so Albanese, kletterten die E-Book-Preise von 9,99 auf 14,99 Dollar.

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Apple und die Verlage wurden schließlich wegen der Bildung eines Preiskartells zur Rechenschaft gezogen. Die Auswirkungen dieses Deals sind aber noch heute zu spüren. Statt, wie noch 2010 zu erwarten, deutlich günstiger, sind E-Books heute teilweise teurer als die gedruckten Bücher. Der Kampfpreis von 9,99 Dollar für neuerschienene Bestseller – wie zunächst der Fall – ist letztlich nicht zur Regel geworden.

Deutschland: E-Books mit geringem Umsatzanteil

Allerdings funktioniert die Preisgestaltung in den USA anders als in Deutschland, wo die Buchpreisbindung die Maßstäbe setzt. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Umsatzanteil von E-Books am Publikumsmarkt laut Statista bei lediglich 5,7 Prozent. Bei Fachbüchern dürfte dieser höher liegen. Die Zahl der Käufer ist derweil in den vergangenen fünf Jahren kaum gewachsen, sondern diese kaufen lediglich im Schnitt mehr E-Books.

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Mehr zum Thema: Besseres Display: Amazon kündigt neuen Kindle Oasis an

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Kommentare (22)

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Peter

Eigentlich finde ich E-Books mit Kindle echt praktisch, bin viel unterwegs und habe so ohne Gewicht eine gute Auswahl bei mir. Da ich aber Bellestrik (wie wahrscheinlich die meisten) nur einmal lese, finde ich den Preis für E-Books eine Frechheit. Ich gebe gelesene Bücher weiter, hole mir auch gelesene (Bekannte, kostenlose Bücherschränke oder Sozialkaufhäuser), und dieser Mehrmals-Nutzen ist digital ja nicht möglich. Darum, und nur darum liebe Verlage, kaufe ich keine E-Books

Anke

Ich finde es geht nichts über ein gutes Buch in papierform zu lesen. Man kann diese weiter geben und mit in den Urlaub nehmen, im Bett lesen, verschenken und für kleines Geld erwerben. Ich finde es auch wichtig, daß unsere Kinder noch Bücher lesen. Ich bin schon in die Bücherei gegangen und habe das auch an meinen Sohn herangetragen. Die Büchereien sind voll mit Eltern und Kindern. Es ist so schön zu sehen, das sein Buch immer bestehen bleibt. E-Books sind zwar modern, aber nicht jeder kann sich das leisten. Was ist mit den Leuten, die nicht so viel Geld haben oder Kinder, Jugendliche. Wer bezahlt dann das E-Book bei der Anschaffung und die weiteren Kosten. Was ist, wenn das E-book kaputt geht? Kann ein Baby von 2 Jahren ein E-Book bedienen? Es ist da in der Entwicklungphase, tasten, Bilder ansehen, ausprobieren, Sprechen lernen. Da gibt es so süße kleine Anfängerbücher. Deswegen nichts geht über ein Buch.

Maximilian

Es gibt mittlerweile über die meisten Bibliotheken die Möglichkeit auch e-books auszuleihen. Funktioniert super mit dem tolino.

Szenekennerin

Leider lassen Sie bei Ihrem Befund vollkommen das massenhaft und erschreckend bedenkenlos genutzte illegale e-book-Angebot außer acht, dem die Branche eine viel zu geringe Aufmerksamkeit schenkt – im Gegensatz zur Pirateriebekämpfung im amerikanischen Raum

Matthias Herbert

Hört auf, immer alles zu einem apokalyptischen Wettbewerb/Todeskampf zu machen. Das Internet kotzt mich an…

Sebastian

Ich bin seid 2010 E-Book Reader. Ich gehöre allerdings auch zu Generation X. Der Preis ist ein deutliches Problem ich habe deswegen das Kindle unlimited Abo und lese im Jahr im schnitt 30-40 Bücher meistens im englischen. Deutsche Bücher gibt es auf unlimited erst langsam. Viele meiner Bekannten haben angefangen E-Books zu lesen nachdem ich sie darauf hingewiesen habe, das ein Kindle Fire auch ein DRM E-Book reader ist und zugleich ein Tablet welches den Google Store laden kann und damit dann auch alle E-Book formate darstellen. Hier liegt imo der größte Nachteil. Es gibt zwei Ökosysteme, einmal die Amazon Bookstores und dann die Tolino Bookstores. Man kauft sich also ein Gerät für 170 € und kann nicht alle Stores nutzen. Ein Kindle Fire HD 8 bekommt man zu richtigen Zeit für 60 Euro und kann auch von einem Laien mit wenigen Schritten zu einem Allesleser ausgerüstet werden und ist ein gutes Tablet. Also auch an dieser Stelle eine Preishürde: 100€+ für einen E-Book Reader der nicht alles kann, ausser man weiß das es anders geht. Dann greifen die Leute auch zu. Die Amerikaner haben eine regelrechte Buchkultur, viele Bücher im Regal stehen zu haben bedeutet das man gebildet ist. Egal was für eine Art Bücher und die Bookstores wo man gebrauchte Bücher verkaufen kann und kaufen sind genial, das dürfte die E-Books auch in den USA bremsen.

Steffen Miodecki

Viele vergessen auch in DE gibt es die Buchpreisbindung die auch auf E-Books ausgeweitet wurde. Daher ist es für viele schlicht weg uninteressant sich E-Books zu kaufen(Abo-Modelle lasse ich hier mal vor) da sie meist NUR 1€ unter der Taschenbuchausgabe liegen und das TB kann ich später noch verschenken/verleihen/tauschen. Daher würd ich sagen der Hauptschuldige ist die Buchprisbindung.

Ein Hannes

Meiner Meinung nach könnte auch das Gegenteil von dem passieren, was der Autor beschreibt. E-Books haben ihre große Zeit womöglich noch vor sich. Die bisherigen sind langsam, schwarz-weiß und Notizen lassen sich nur umständlich anbringen. Auf asiatischen Messen gibt es aber bereits Geräte mit farbigen E-Ink-Displays zu sehen, bei denen Leser mit einem Stift Notizen machen können, um diese dann einfach auszudrucken. Für mich werden E-Books dann überhaupt erst interessant.

Toni

Die ständigen Hinweise auf Albanese machen diesen Beitrag leider unerträglich zu lesen.

DerBiker

Ich finde unseren Tolino auch super, weil ich im Urlaub viel lese. Und gerade wenn man mit dem Rad unterwegs ist, will man ja keine 10 Bücher mitschleppen. Seit mir allerdings klar geworden ist, dass man die Bücher nicht weitergeben kann, hat mein Interesse schnell nachgelassen. Wenns wenigstens eine Art Verleih für ein paar Groschen gäbe, wäre ja ok. aber so. Nö…

Mani

„Wenns wenigstens eine Art Verleih für ein paar Groschen gäbe….“

Den gibt es – nennt sich Bibliothek bzw. onlihe.
In unsere Stadtbibliothek kostet 20 Euro im Jahr, die Gemeindebibliothek vor Ort sogar nur 5 Euro.

Geht aber nur mit dem epub-Format, somit mit jedem Reader ausser Kindle.

DerBiker

Super danke! Wenns das Internet nicht gäbe ;)

Raphael

„Statt der jungen Generation hätten sich ältere Menschen als Hauptabnehmer von E-Books erwiesen“, da muss ich doch spontan an meine 83jährige Oma denken, die auch einen eBookreader verwendet. Ich persönlich kann damit gar nichts anfangen, lese Bücher lieber nach wie vor in Papierform. Ich kann es auch nicht leiden, Musik nur online als MP3 zu kaufen, ich möchte da einfach was in der Hand halten, wenn ich dafür Geld ausgebe – am liebsten Schallplatten. Außerdem daddle ich noch immer gerne auf meinen Amigas alte Spiele…vielleicht bin ich auch einfach nur nicht ganz normal :-)

Maxi

Viele Leser beschweren sich, dass man Bücher nicht weitergeben kann und es kein vernünftiges Verleihsystem gibt. Dem muss ich widersprechen.
Gebundene Bücher habe ich immer in der Stadt-/Dorfbücherei ausgeliehen und genauso mache ich das auch mit e-Books.

Falls noch jemand auf der Suche ist, die „Onleihen“ der Büchereien in Deutschland sind auf dieser Seite aufgelistet:
https://www.onleihe.net/fuer-leser-hoerer-zuschauer/ihre-onleihe-finden/onleihen-in-deutschland.html

G. Johannsen

Gibt es irgendeinen nachvollziehbaren Grund, warum ich als Deutscher plötzlich zu einem Buch Book und zu einem Lesegerät Reader sagen muss, nur weil sie elektrisch sind? Schon dieses schwachsinnige Englischgequatsche zeigt, wie sinnlos all dieser ach so moderne Elektonikmüll ist. Und glaubt wirklich jemand, dass er bei dem heute üblichen Innovationswahnsinn seine heute gekauften E-Bücher in zehn Jahren noch lesen kann? Da lobe ich mir doch die zum Teil mehr als 100 Jahre alten Papierbücher in meinem Regal. Sie sind zwar etwas vergilbt und zum Teil in Frakturschrift geschrieben, man kann sie aber noch lesen.

Marie

Ich finde ein gropsses manko ist der Preis. Für ein Gedrucktes Buch mit Hardcover 19.99 Euro und für die Kindle bzw. E-Book Version sind es 17.99 Euro. Klar es sind nur die Druckkosten die wegfallen, aber ich kann das buch auch nicht auszeihen, auf verschiedenen Geräten lesen ist auch oft nicht möglich. Beim Hardcover kann ich es nach dem Lesen aufbewahren oder weiter verkaufen, vielleicht sogar spenden, beim E-Book nicht. Dafür finde ich 2 euro nicht genug als Preisnachlass.

Dirk

Ich nutze gern die Möglichkeit zweier Welten. Kaufe mir Taschenbücher und besorge mir dann noch das zugehörige eBook inoffiziell. Ich lese einfach gerne abends mit dem Tablet und stelle mir die Bücher ins Regal.

Es wäre angebracht, wenn zB. Amazon den Papierbuchkäufern das eBook kostenlos zur Verfügung stellen könnten, mit CDs funktioniert es ja auch: Die physisch gekaufte Musik wird automatisch als MP3 in die Cloud geladen, von wo man sie auch komplett herunterladen kann.
Den physischen Datenträger kann man anschließend verkaufen…

Martin

Ich liebe es Belletristik auf einem Kindle eBook Reader zu lesen! Gerade im Urlaub kann man so eine große Auswahl an Büchern auch im Flieger mitnehmen. Das Format (epub vs. mobi) hat mich dank Konverter noch nie interessiert. Ich gebe aber zu, gekauft habe ich ein elektronisches Buch noch (fast) nie. Dafür kann meine Sammlung wohl mit einer größeren Landesbibliothek mithalten. Es macht aber eher keinen Sinn, man findet in der Masse einfach nicht die guten Bücher.
Für Fachbücher ist ein eBook Reader eher schlecht, da sich z.B. mathematische Formeln nicht richtig darstellen lassen, da hat sich wohl PDF durchgesetzt, sodass ich diese (und Zeitschriften) nur auf einem Tablet lese (und die wichtigen auch im Abo bezahle). Wobei ich für gedruckte Fachbücher doch recht viel Geld ausgebe.

Karl

ich finde die Bedienung besch. Warum kann man beim Kindl keine Bücherregale abbilden?
z. b. ein Regal mit gelesenen, ein Regal neuen und ein Regal mit wird gerade gelesen Bücher?
Warum starten der Kindl nicht mit dem Cover beim Lesen sondern immer mit dem Kapitel 1?
Warum überspringt der Kindl die Notizen, Hinweise der Schriftstellerin, des Schriftstellers?
Das ist doch eine IKgnoranz der Schriftstellerin, des Schriftstellers gegenüber.
Ich überlege gerade wieder auf gedruckte Bücher zurück zuwechseln.
Wenn nur das Lesen bei Dunkelheit mit dem Kindl nicht so praktisch wäre.

Boandlgramer

Musik und Video ist auch erst mit den Streamingdiensten (einigermaßen) erfolgreich geworden, wo man sich für einen monatlichen Beitrag ins Gesamtprogramm einmietet. Die sind aber kaum an bestimmte Endgeräte gebunden bzw. hat inbesondere Google mit Android eine Plattform bereitgestellt, die eine große Marktdurchdringung mit geringem Aufwand verspricht.

Im Gegensatz dazu gibt es bei eBooks ein munteres miteinander von mehreren in sich geschlossenen Ökosystemen…

Die Ursache dafür ist weniger die Buchpreisbindung, sondern dass sich die Verlage und Grossisten gegenseitig nicht die Butter auf dem Brot gönnen. Und bevor einer was bekommt, sollen alle lieber nichts haben. Jeder Verlagschef denkt, er könnte das neue Apple werden mit einem umsatzstarken Lock-In – und dabei sind alle nur Kodak oder Nokia…

Das deutsche Verlagswesen: Selbstmord aus Angst vor dem Tod!

Jossi

Ich lese gedruckte und e-books gleich gern. Beim gedruckten Buch ist die Haptik und die Anmutung schöner, e-books sind einfach praktischer: Man kann im Bett ohne Licht lesen, Anstreichungen und Anmerkungen machen, ohne das Buch zu versauen, überallhin Massen an Büchern mitnehmen, ohne Hin- und Herblättern zu Endnoten und zurück springen, bei fremdsprachigen Büchern mit einem Tipp das Wörterbuch aufrufen und so weiter. Allerdings benutze ich keine dezidierten ebook-Reader, weil mir deren Darstellung einfach zu hässlich ist, sondern lese alles auf dem iPad oder iPhone: Ich bin nicht an die oft potthässlichen Verlagslayouts gebunden, sondern kann mir Schriftart, Ränder und Abstände einstellen, wie ich möchte. Und ich kaufe keinen DRM-verseuchten Schrott, sondern lese nur gemeinfreie Klassiker von Seiten wie mobileread oder geliehene Bücher aus der Bibliothek. Dass die e-books nicht aus den Puschen kommen, liegt aus meiner Sicht vor allem daran, dass die Verlage nicht von den Bedürfnissen der Leser ausgehen, sondern nur aufs Geld schielen und dabei jeden Fehler nachmachen, den die Musikindustrie vorgemacht hat. Digitale Musik kam als Download erst richtig in Schwung, als die Musikindustrie erkannte, dass DRM kontraproduktiv und absatzschädigend ist, und dann nochmal mit bezahlbaren Streaming-Angeboten. Wer will denn statt eines gedruckten Buchs, das man verleihen, verschenken und verkaufen kann, für eine unsichere, jederzeit widerrufbare Leselizenz fast denselben Preis bezahlen? Die e-book-Preise sind einfach grotesk überhöht. Jeder, der sich ein wenig mit Verlagskalkulation auskennt, wird zugeben müssen, dass ein ebook als Zweit- bzw. Drittverwertung eines Hardcovers/Taschenbuchs im Direktvertrieb allenfalls ein Drittel des gedruckten Buches kosten dürfte. Stattdessen werden potentielle Käufer mit einem Euro oder 10 Prozent Nachlass nicht gelockt, sondern abgeschreckt. Und dann wundert man sich, wenn sich Leser lieber im Netz unverkrüppelte Gratisbücher besorgen. Gegen Piraterie kommt man nicht mit Abmahnungen und Polizeieinsätzen an, sondern indem man dem Kunden ein besseres, bequemeres und angenehmeres legales Angebot macht! Auch für die Preisgestaltung gibt es ein Vorbild, nämlich die Softwareindustrie. Noch vor zwanzig Jahren waren professionelle Programme für Desktop-Computer nur zu Preisen zwischen 50 und 500 Mark zu haben. Heute kosten Tablet-Apps überwiegend zwischen einem und zehn Euro – und werden zu Millionen gekauft. Die Entwickler sind darüber nicht verhungert, ganz im Gegenteil. Aber das kapieren die Verlage nicht. Nur ein Beispiel: Die Große Kommentierte Berliner und Frankfurter Brecht-Ausgabe bei Suhrkamp kostet € 1280,–; das heißt, der potentielle Käuferkreis beschränkt sich auf wissenschaftliche Bibliotheken und eine Handvoll Spezialisten. Eine ebook-Edition der kompletten Ausgabe für 50 oder 100 Euro würde Tausende neuer Käufer finden – ohne den Bibliotheksmarkt zu kannibalisieren. Gibt es aber nicht. Ebenso wie S. Fischer einzelne Essays von 10 oder 15 Seiten Umfang aus der Großen Kommentierten Frankfurter Thomas-Mann-Ausgabe als ebooks für € 1,99 das Stück anbietet. Wer ist denn verrückt genug, dergleichen zu kaufen? Ja, es gibt auch die „Buddenbrooks“ in der Textfassung der GKFA für € 9,49 – mit ordentlich Druckfehlern (z. B. erscheinen alle ursprünglichen ck-Trennungen im Wortinneren als kk) und ohne den Kommentarteil! Dass ein ordentliches ebook mindestens ebenso gut sein muss wie ein gedrucktes, hat sich nämlich noch längst nicht bei allen Verlagen herumgesprochen. Ganz zu schweigen davon, dass die Technik der ebooks ermöglichen würde, einen enormen Mehrwert für den Leser gegenüber dem gedruckten Buch zu realisieren. Aber um das zu sehen, müsste man wohl etwas anderes gelernt haben als Verlagskaufmann…

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