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Ebay: So will der neue Deutschland-Chef Oliver Klinck den Marktplatz führen

Der neue Ebay-Deutschland-Chef Oliver Klinck übernimmt seinen Posten in einer für den Onlinehandel stürmischen Zeit. Was jetzt auf ihn zukommt und warum er dennoch glaubt, einen kühlen Kopf behalten zu können, erzählt er im t3n-Interview.

5 Min. Lesezeit
Oliver Klinck ist seit September neuer Deutschland-Chef bei Ebay. (Foto: Ebay)

Seit September ist Oliver Klinck der neue Deutschland-Chef des Online-Marktplatzes Ebay. Klinck ist bereits seit 2018 im Unternehmen und folgt dem Briten Eben Sermon, der im Unternehmen bleibt und die Karriereleiter weiter nach oben genommen hat. Oliver Klinck verantwortete in den letzten zwei Jahren als Chief Commercial Officer zentrale Bereiche des B2C- und B2B-Deutschland-Geschäfts und wusste somit, auf was er sich da einlässt. Dennoch sind die Aufgaben, auf die der E-Commerce-Manager, der davor unter anderem 14 Jahre für die Otto Group gearbeitet hat, vielfältig.

Wieviele Baustellen er vorgefunden hat und wie er die Plattform in Zukunft für den deutschen Markt aufstellen will, erklärt Klinck im t3n-Interview.

t3n: Du bist seit einigen Wochen neuer Deutschland-Chef bei Ebay, wusstest aber natürlich aus den letzten zwei Jahren zumindest, was dich in dieser Position erwarten würde… Dennoch die Frage: Wo steht Ebay in Deutschland aktuell?

Oliver Klinck: Wir stehen aktuell sehr gut da. Um ein paar Zahlen zu nennen: Im zweiten Quartal dieses Jahres ist unser Handelsvolumen, also der Wert der gehandelten Artikel, im Jahresvergleich um 29 Prozent gestiegen – das ist das stärkste Quartalswachstum seit 15 Jahren. Außerdem haben wir in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 mehr neue aktive Käuferinnen und Käufer hinzugewonnen als im gesamten Jahr 2019 – darunter besonders viele junge Menschen, was mich sehr freut. Nun gilt es allerdings, daran anzuknüpfen und auf diesem Erfolg aufzubauen …

t3n: … wozu die Chancen angesichts des anhaltenden Corona-bedingten Booms im Onlinehandel nicht schlecht stehen. Ein traditionsreiches deutsches Handelsmagazin schrieb zum 25. Geburtstag: „Zum 25. Jubiläum dümpelt Ebay im Schatten von Amazon und Alibaba vor sich hin und zählt nicht mehr zur Spitzenklasse der Tech-Firmen“. Was ist da passiert?

Das ist eine Beobachtung, bei der ich überhaupt nicht mitgehe. Über den gesamten Onlinehandel hinweg sind wir eine starke Nummer Zwei im deutschen Markt. Hinzu kommt, dass wir ein Geschäftsmodell haben, das uns von den genannten Unternehmen unterscheidet: Im Gegensatz zu Amazon, Otto, Real und Co sind wir ein reiner Marktplatz. Wir sind niemals selbst Händler, sondern immer starker Partner – und kein Wettbewerber – für die Händler.

t3n: Dennoch denkt man bei Handelsplattformen trotz Amazons Doppelrolle zunächst an den Marketplace des Mitbewerbers. Warum fällt es Ebay so schwer, gerade in Zeiten, in denen jeder vom Plattformgedanken spricht, davon zu profitieren?

Die Einschätzung teile ich auch nicht – im Gegenteil. Gerade in der aktuellen Zeit beweist sich doch die Stärke und Resilienz unserer Plattform. Und das Wachstum, das wir in den vergangenen Wochen und Monaten gesehen haben, fand überproportional in jenen Bereichen statt, in denen nicht mit brandneuer Markenware gehandelt wird – sondern zum Beispiel mit Vorsaisonware, generalüberholten Artikeln, gebrauchten Produkten, Outlet-Ware oder neu aufkommenden Marken. Das sind die Bereiche, in denen unsere Plattform historisch eine besonders Stärke hat – sie machen heute weit mehr als die Hälfte des Handelsvolumens von Ebay in Deutschland aus.

t3n: Du bist ja speziell für das Deutschlandgeschäft verantwortlich. Wie unterscheidet sich das von dem der Kollegen in den anderen Märkten? Was sind Merkmale des deutschen E-Commerce, die für dich wichtig sind?

Tatsächlich gibt es da einige Unterschiede, etwa bei den Kunden. Um ein Beispiel zu nennen: Wir sind in Deutschland absolute „Filter-Weltmeister“. Während Käufer auf anderen Märkten also ganz gezielt nach einem speziellen Möbelstück suchen, geben die Deutschen erstmal „Couch“ ein und filtern dann so lange, bis sie ihr Ergebnis gefunden haben. Auf solche regionalen Besonderheiten reagieren wir natürlich entsprechend.

t3n: Was werden in den kommenden Monaten die Herausforderungen für euch sein und inwieweit bringt die Coronakrise dabei Rückenwind für den Onlinehandel generell und Ebay im Besonderen?

Ebay-Europazentrale in Kleinmachnow. (Foto: dpa)

Es ist kein Geheimnis, dass der deutsche Handel vor großen Herausforderungen steht. Gerade der stationäre und lokale Handel leidet unter der Coronakrise, deren Auswirkungen wir sicherlich noch lange spüren werden. Da wir nur erfolgreich sind, wenn die Händler auf unserem Marktplatz es auch sind, heißt das für Ebay, dass wir sie nach Kräften unterstützen – aus partnerschaftlicher Loyalität, aber natürlich auch aus eigenem Geschäftsinteresse heraus. Mit einem Soforthilfeprogramm für kleine Unternehmen und lokale Händler, das im März startete und noch bis zum Ende des Jahres läuft, haben wir einen solchen Schritt gemacht. Über 5.000 Händler haben bereits zu uns Kontakt aufgenommen und von den Maßnahmen profitiert. Sie konnten so die Verluste durch Ladenschließungen in Teilen auffangen.

t3n: Ein in Deutschland höchst erfolgreicher Teil des Ebay-Konzerns, die Kleinanzeigen-Sparte, wird dieser Tage verkauft. Schmerzt das, ein solches Aushängeschild abgeben zu müssen? Hat Ebay als Plattform von den Kleinanzeigen eher profitiert oder haben sich die beiden Formate kannibalisiert?

Nein, das schmerzt mich nicht, ich sehe uns auch ohne Ebay Kleinanzeigen im Portfolio sehr gut aufgestellt. Es gibt für beide genügend Potential für weiteres Wachstum im Markt, denn neben Überschneidungen gibt es auch deutliche Unterschiede im Angebot an die Nutzerinnen und Nutzer. 80 Prozent unseres Geschäfts ist B2C, hier gibt es also wenige Überschneidungen, und im Geschäft von Privatleuten untereinander haben wir ein anderes Geschäftsmodell als Ebay Kleinanzeigen: Wir setzen auf globale Reichweite und eine strukturierte und sichere Einkaufserfahrung ohne die Notwendigkeit eines persönlichen Kontakts zwischen den Handelnden. Davon abgesehen werden wir aber ohnehin noch eine Minderheitenbeteiligung an den Anzeigenmärkten behalten.

t3n: Kommen wir mal von Ebay selbst weg: Was sind für dich Themen, die du persönlich als wichtige Trends im E-Commerce siehst? Was würdest du einem Händler raten, worauf er in nächster Zukunft schauen sollte?

Ich glaube, dass das extrem von der Branche und dem Geschäftsmodell des jeweiligen Händlers abhängt. Wichtig ist es, für seinen eigenen Shop ein agiles Modell zu finden, mit dem man sich schnell anpassen kann. Ganz nah dran am Kunden zu bleiben und dessen Wünsche im Blick zu behalten, ist nicht neu, aber weiterhin aktuell. Aber es gibt natürlich ein paar Trends – etwa sehen wir, dass die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft nicht mehr bloße Worthülsen sind, sondern tatsächlichen Einfluss auf geschäftlichen Erfolg haben. Um ein Beispiel zu nennen: Im Vergleich verdoppelte sich die Suche nach nachhaltigen Produkten bei Ebay von 2018 auf 2019. Entsprechend muss die Branche reagieren und sie tut es in weiten Teilen auch schon.

Lieber Oliver Klinck, vielen Dank für dieses Gespräch!

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3 Kommentare
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Rainer Theis
Rainer Theis

Hat Ebay-Deutschland-Chef Oliver Klinck Ihnen auch erzählt wie Ebay seit Juli 2020 zu Gunsten von Microsoft weltweit (auch Deutschland) private und gewerbliche Verkäufer vorsätzlich kaput macht und dabei noch Ihre Tochtergesellschaft Paypal mißbraucht,private/geschäftliche Konten sperrt,Geld einfriert?

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Peter Hock
Peter Hock

Zitat: „Im Gegensatz zu Amazon, Otto, Real und Co sind wir ein reiner Marktplatz“.
Die eigentliche DNA von ebay, die Auktionen von Privaten Nutzern, spielt im Denken also gar keine Rolle mehr? Also reiner Marktplatz? Ja dann viel Spaß wenn jetzt dann ex-real bald kaufland.de gas gibt. Die haben fähige Manager, fähige Programmierer und Komptenz im Handel …

Antworten
Thomas
Thomas

Durch die hohen Gebühren für private Verkäufer sind die Angebote, welche Ebay einmal ausgemacht hat, fast vollständig verschwunden. Vieles davon landet in der Mülltonne, verstaubt im Keller oder wird auf Kleinanzeigen-Sites angeboten. Ebay hat sich die Butter vom Brot nehmen lassen.

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