Kommentar

In diesem Jahr wird sich Ebays Zukunft entscheiden

Ebays langjährige Vorbereitungen auf den neuen Produktkatalog gehen dem Ende zu. Jetzt stirbt das Listing endlich. (Foto: jejim/Shutterstock)

Das Listing stirbt in diesem Jahr endgültig, und dieses Ende markiert den Neuanfang bei Ebay. Dass Ebay damit Amazon ähnlicher wird, ist kein Hindernis, sondern zwingende Voraussetzung für das Überleben des Marktplatzes.

Ebay-CEO Devin Wenig hat kürzlich auf einer Wall-Street-Konferenz gesprochen, wie Ecommercebytes berichtet. Die langen Vorarbeiten des Unternehmens auf dem Weg in die Zukunft scheinen abgeschlossen. In diesem Jahr steht die wohl entscheidendste Umwälzung in der Geschichte des Marktplatzes an: Das Listing stirbt und der Marktplatz setzt auf einen einheitlichen Produktkatalog. Schritt für Schritt hat sich Ebay diesem Ziel angenähert, jetzt ist es soweit. Das Jahr, in dem sich Ebays Zukunft entscheiden wird, ist angebrochen.

Wie Ebays Weg in die Zukunft bisher ablief

Der Tod des Listings tritt nicht plötzlich ein. Ebay arbeitet seit langer Zeit daran, den Marktplatz in ein einheitliches Korsett zu pressen. Neue Angebote bei Ebay mussten verpflichtend mit dem EAN beziehungsweise GTIN versehen werden, damit das angebotene Produkt eindeutig identifiziert werden kann. Die Grundlage für einen strukturierten Produktkatalog war geschaffen, mittlerweile dürften die grob geschätzt 180 Millionen Artikel bei Ebay korrekt und ohne Dubletten in der Datenbank erfasst sein.

Es folgten schrittweise Anpassungen, wie neue Produktdetailseiten, dann zuletzt Anpassungen an der Suchfunktion, die zu gebündelten Suchergebnissen führten und so schon der erste Schritt hin zu mehr Übersichtlichkeit waren.

Ebay bündelt einige identische Angebote schon jetzt. (Screenshot: Ebay)

Diese Zwischenschritte sind aus mehreren Gründen nötig gewesen: Zum einen hat Ebay längst auf eine modernere Microservices-Architektur umgestellt, in der einzelne „Programmbestandteile“ gekapselt und autark ablaufen. Das ermöglicht eine agilere und flexiblere Entwicklung und führt offensichtlich dazu, dass beispielsweise die Produktdetailseite ein einzelner Microservice sein könnte. Die schrittweise Umstellung ist als technischer Transformationsprozess sicherer und schneller als eine brutale Komplettmigration.

Zum anderen muss ein Transformationsprozess aber auch alle Stakeholder mitnehmen, also Kunden wie Händler. Kunden müssen sich an die Veränderungen in der Bedienung gewöhnen und Händlern muss vermittelt werden, dass die kommende, radikale Veränderung keine Apokalypse ist. Denn Änderungen bei Ebay werden traditionell gerne erst einmal verteufelt.

Dass die Händlerwelt sich infolge des neuen Produktkataloges und dem endgültigen Tod des Listings verändern wird, das ist unausweichlich. Die Luft wird dünner, besonders im Bereich der klassischen Handelswaren. Selbst zur Marke zu werden und in Eigenmarken mit selbst entwickelten Produkten aus eigener Produktion zu investieren, wird auch bei Ebay langfristig die sinnvollste Strategie sein. Händler, die das nicht können, werden untergehen.

Das klingt ebenso bitter wie fatalistisch, ist aber die einzige Möglichkeit für Ebay, als Marktplatz noch einen Rang zu halten und sich weiterhin als mehr oder weniger großes Gegengewicht zu Amazon zu platzieren.

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