Analyse

Werden Facebook und Apple die nächste Computing-Plattform dominieren? Die große Augmented- und Virtual-Reality-Marktanalyse

Seite 5 / 6

Apple: AR und nur AR

Wenn Apple eine Sau durchs Dorf treibt, dann ist es Augmented Reality. Firmenchef Tim Cook hat mehrfach wiederholt, dass er Augmented Reality sehr spannend findet und interessanter und zukunftsträchtiger als VR. Der iPhone-Konzern hat 2015 das Münchner AR-Unternehmen Mataio gekauft, in diesem Jahr zusätzlich SMI – ein deutsches Unternehmen, das im Bereich Eye-Tracking weltweit führend ist.

Wie Facebook und Google geht auch Apple bei AR den Weg über das Smartphone: Mit ARKit hat der Konzern auf der diesjährigen WWDC eine AR-Schnittstelle für iOS-Geräte präsentiert, mit der Entwickler AR-Apps bauen können. Seit dem Sommer geistern etliche Protoypen-Apps durchs Netz, die die Möglichkeiten der Plattform zeigen. Wie gut sie im Alltag funktionieren, wird man vermutlich erst bewerten können, wenn die ersten AR-Apps auf Basis der neuen iOS-Version für alle Nutzer verfügbar sind.

Mit dem iPhone X, das kürzlich vorgestellt wurde, legt der Konzern zudem auch die Weichen für technisch ausgereiftere AR-Apps – zumindest in der Theorie. Denn auf der Apple-Keynote sind eher Spielereien gezeigt worden, die genauen technischen Spezifikationen des verbauten Tiefenkamerasystems liegen noch nicht vor. Für Smartphone-AR eher ungewöhnlich: Das Tiefenkamerasystem ist auf der Vorderseite des iPhone X verbaut, was für Gesichtserkennung mit FaceID Sinn ergibt – für AR-Apps eher weniger. Und auch wenn ARKit mit der Smartphone-Kamera runter bis zum iPhone 6S funktioniert und die Schnittstelle für Smartphone-AR werden soll  – das iPhone X könnte das erste Smartphone der Welt sein, dass innerhalb kurzer Zeit millionenfach verkauft wird und fortschrittlichere Smartphone-AR-Technologie an Bord hat. Das, was Google mit Tango in den vergangenen Jahren nicht geschafft hat.

Wenn es nach Apple geht, ist das Smartphone nur der erste Schritt für Augmented Reality – dass eines Tages die AR-Brille womöglich das Smartphone ersetzen könnte, hat sich nicht nur bei der Konkurrenz herumgesprochen. Aber Apple kann diese Entwicklung ähnlich wie Google aus einer relativ komfortablen Position vorantreiben. Auf die aktuelle Computing-Plattform Nummer eins – das Smartphone – die Infrastruktur schaffen, um die Möglichkeiten und die Rezeption in Sachen Augmented Reality auszutesten: Eine Strategie, die relativ wenige Risiken mit sich bringt.

Im Bereich Virtual Reality hält Apple die Füße still. Immerhin: Die neuen iMacs sind jetzt von der Hardware her leistungsfähig genug, um Virtual-Reality-Experiences abzuspielen. Zudem hat Apple mit HTC eine Partnerschaft verkündet und auf der WWDC erste VR-Experiences gezeigt, die auf Macs laufen. Das Apple mehr als dies in Zukunft im VR-Bereich tun wird, ist nicht zu erwarten – zu ungewiss ist noch die Zukunft von VR, aktuell zu eingeschränkt die potenzielle Käuferschaft und noch zu sehr im Bereich Games verwurzelt. Letzteres ist ein Thema, um das Apple seit jeher eher einen Bogen macht und das es bisher nie direkt adressiert hat.

Sony: Alles auf eine Karte

Von allen beteiligten Akteuren in der VR- und AR-Industrie ist Sony als dedizierte Gaming-Company vor allem an Virtual Reality aus Entertainment-Perspektive interessiert. Vielleicht ist Sony deshalb auch am erfolgreichsten: Mit über einer Million verkaufter Exemplare der Playstation VR hat der japanische Konzern vermutlich so viele VR-Headsets wie Facebook und HTC zusammen verkauft. Die Ausrichtung ist klar: Es geht um Games und nur um Games. Während bei Facebook immer auch die große Vision einer sozialen VR-Superwelt mitschwingt, bei HTC neben Gaming auch immer Business-Cases eine Rolle spielen, hat Sony durch die Zuspitzung auf Games eine vergleichsweise einfache Ansprache an die potenzielle Käuferschaft.

Vielleicht verfolgt Sony damit die klarste VR-Strategie von allen größeren Akteuren – damit aber auch die krisenanfälligste. Wenn die Gaming-Karte nicht abhebt, sind Sonys Investitionen im VR-Bereich dahin – es gibt keinen Plan B bei dem Playstation-Konzern. Ein Erfolg von Playstation VR hätte in jedem Fall einen generellen Einfluss auf die ganze Branche, denn in solch einem Frühstadium kann es für alle Akteure nur hilfreich sein, wenn die Technologie Einzug in die Wohnzimmer hält. Was Augmented Reality angeht, ist keine strategische Entwicklung bekannt. Sony setzt – bisher zumindest – alles auf die virtuelle Realität.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung