Analyse

Werden Facebook und Apple die nächste Computing-Plattform dominieren? Die große Augmented- und Virtual-Reality-Marktanalyse

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Von Samsung bis Snap

Von Cardboard und Smartphone-AR bis High-End-VR: Fast jeder große Tech-Konzern bereitet sich auf eine mögliche Spatial-Computing-Zukunft vor. Die unterschiedlichen Herangehensweisen spiegeln die jeweiligen Visionen wider. Facebook sieht VR als nächste große digitale Social-Plattform, weshalb Zuckerberg Milliarden in den Ausbau des eigenen Ökosystems steckt – sowohl was die Software angeht, als auch in Sachen Hardware. Zuckerberg verfolgt eine Zehn-Jahres-Vision, in der es eines Tages möglich sein wird, mit anderen Menschen im virtuellen Raum so interagieren zu können, als wenn diese sich im gleichen Raum befänden. Es ist die vielleicht visionärste Positionierung, und deshalb auch die riskanteste: Niemand kann sagen, ob diese Zukunft tatsächlich in der von Zuckerberg intendierten Weise eintreten wird. Was, wenn der Großteil der Menschen einfach kein Interesse an einer solchen virtuellen Interaktion hat?

Apple und Google gehen ihre Strategien stark über ihre jeweiligen mobilen Ökosysteme an. Während Apple stark auf AR setzt, intern vermutlich bereits mit AR-Brillen experimentiert und bisher keinerlei Ambitionen in Richtung VR zeigt, stellt sich Google insgesamt breiter auf: Die hauseigene VR-Plattform Daydream soll um autarke VR-Brillen erweitert werden, zudem investiert der Konzern in Highend-AR, allen voran in Magic Leap. Der kleinste gemeinsame Nenner ist bei beiden aber das Smartphone – als Gerät, dass fast jeder immer dabei hat, ist es die optimale Voraussetzung, um Spatial-Computing-Technologien anzudocken. Dass sie dann aufgrund der technischen Limitierung ihr echtes Potenzial nicht entfalten können, ist für Apple und Google erstmal zweitrangig, wichtiger ist ihnen eine Heranführung auf gelebte Alltagsszenarien – und die beginnen eben beim Smartphone.

Darüber hinaus versuchen sich etliche andere Player ein Stück des Kuchens dieser Computing-Zukunft zu reservieren. Samsung, das früh mit Oculus die Mobile-VR-Lösung Gear VR entwickelt hat, dessen S8 mittlerweile aber auch Daydream-kompatibel ist. Die Koreaner entwickeln aber offenbar auch eine Highend-VR-Brille, die dann mit SteamVR funktionieren könnte – eine offizielle Ankündigung steht aber noch aus. Oder Snap, das vor den meisten anderen mit AR in einer millionenweit verbreiteten App experimentiert und mit den Spetacles zwar noch keine AR-Brille auf den Markt gebracht hat, aber für das eine entsprechende Weiterentwicklung nur logisch wäre. Überhaupt ist Snapchat als Hardware-Company ein durchaus möglicher Weg für das Unternehmen von Evan Spiegel. Und nicht zuletzt Magic Leap, der Liebling der Investoren im Silicon Valley, das über kurz oder lang beweisen muss, ob die „revolutionäre“ Technologie wirklich so wegweisend ist und sich auf eine tragbare Größe miniaturisieren lässt.

Facebook und Apple vorne

Aber wer wird das Rennen machen? Ich sehe ganz klar Apple und Facebook vorne – in einer idealen Welt fusionieren Zuckerberg und Cook zur idealen Spatial-Computing-Company. Warum? Kein anderes Unternehmen der Welt verfügt über die Expertise von Apple, wenn es um Hardware-Design geht – sowohl in einer technischen als auch in einer dedizierten Design-Perspektive. Bei einer Brille, die die Nutzer möglicherweise jeden Tag tragen, ist sowohl die perfekte technische Implementierung als auch und vor allem die Stilfrage entscheidend. Eine im Alltag getragene AR-Brille muss gut aussehen und Stil haben. Bescheuertes Aussehen ist der vielleicht meist unterschätzteste Faktor, was die Verbreitung von VR und AR angeht.

Facebook hingegen verfügt über den Social-Layer dieser Spatial-Computing-Welt, denn: Multi-User-Experiences, also soziale Interaktionen im digitalen Raum fernab von 2D-Communities auf Bildschirmen, sind das Killer-Feature dieser neuen Computing-Welt. Mit Mitmenschen im digitalen Raum kommunizieren, kooperieren und interagieren – und zwar in einer völlig neuen, unmittelbaren Art und Weise, ohne Barrieren und Abstraktionen eines User-Interfaces, könnte grundlegend verändern, was digitale Räume sind, beziehungsweise sie völlig neu erfinden.

In dieser idealen Welt gibt es aber einen Haken – eine für Spatial-Computing sehr wichtige Technologien ist künstliche Intelligenz. Maschinen müssen die ihnen umgebende Welt in einer Art und Weise verstehen lernen, wie sie es bisher noch bei weitem nicht können. Maschinen müssen genau wissen, was sie sehen – und zwar nicht nur in Form von Abständen und abstrakten Objekten. Etwa: Das ist ein Tisch und auf diesem Tisch steht eine Tasse und ein Buch und der Tisch wird beleuchtet von einer kleinen Stehlampe. Bild- und Objekterkennung ist fundamental entscheidend, um digitale Objekte persistent und logisch in der Welt einzublenden.

Zwar investieren Facebook und Apple massiv in KI – Google allerdings ist beiden noch deutlich voraus. Die DNA des Konzerns ist Datenanalyse, kein anderes Unternehmen ist in Sachen KI-Entwicklung so weit wie das Unternehmen von Larry Page und Sergey Brin. Wenn Google diesen Vorsprung geschickt nutzt, könnte es Software-seitig massiv in den Markt drängen und sich möglicherweise entscheidende Vorteile in der Funktionsweise von Spatial-Computing-Anwendungen erspielen.

Bis es aber soweit ist, werden noch Jahre vergehen, und Facebook könnte sich mit den enormen Datenmengen, die Nutzer täglich auf den Plattformen posten, und einer stringenten Weiterentwicklung der KI stärker positionieren. Für die schönste Brille und die Miniaturisierung der Hardware braucht Zuckerberg dann aber immer noch Apple.

Mehr zum Thema in unserem t3n-Podcast „Filterblase“:

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