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Fachkräftemangel: Warum Unternehmen im Wettbewerb antizyklisch agieren sollten

Krisen, wohin man blickt: gesunkene Umsatzzahlen, Massenentlassungen – und dann ist da auch noch der Fachkräftemangel. Warum es sich gerade jetzt lohnen kann, antizyklisch zu handeln, erklärt unsere Gastautorin.

Von Martina van Hettinga
4 Min. Lesezeit
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Führungskräfte sind dann erfolgreich, wenn sie zwischen Stabilität und Dynamik balancieren können. (Foto: Matej Kastelic / shutterstock)

Im VC-Markt befinden wir uns bereits inmitten einer massiven Anpassungsphase. Die Finanzierungsrunden werden deutlich selektiver – ein Trend, der sich in den kommenden Wochen und Monaten noch verschärfen wird. Schließlich droht die Rezession. Etliche Digitalunternehmen haben in den vergangenen Wochen bereits Mitarbeitende entlassen. Auch der bis Anfang 2022 stark überhitzte Markt für Führungspersönlichkeiten mit Digitalexpertise entspannt sich wieder leicht.

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Die Krise als Chance

Für alle wachstumsorientierten Unternehmen bietet die aktuelle Krise dadurch eine Chance, nun antizyklisch zu agieren und trotz des akuten Fach- und Führungskräftemangels begehrte Talente für sich zu gewinnen.

Deutschen Unternehmen fehlen gegenwärtig laut Bitkom 137.000 IT-Expert:innen. Und bis 2035 gehen dem deutschen Arbeitsmarkt laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung insgesamt sieben Millionen Arbeitskräfte verloren – vor allem weil die Babyboomer in Rente gehen. Dennoch reißen die Meldungen seit einigen Wochen nicht ab: Scaleups und Digitalunternehmen entlassen fortlaufend Teile ihrer Teams.

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Denn Anzahl und Höhe der Kapitalrunden verringern sich seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Laut Atomicos State of European Tech flossen letztes Jahr noch 100 Millionen Euro in europäische Tech-Firmen. 98 neue Einhörner, also Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar, entstanden 2021.

Solche Rekordzahlen gehören der Vergangenheit an. Laut Crunchbase fielen die globalen VC-Investments im zweiten Quartal des laufenden Jahres auf 120 Milliarden US-Dollar, 26 Prozent weniger als im ersten Quartal und 27 Prozent weniger verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr.

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Doch die sinkenden VC-Summen liegen nicht nur an makroökonomischen Faktoren wie steigenden Leitzinsen, hohen Energie- und Produktionskosten sowie dem drohenden Abrutschen in die Rezession.

Wachstumsorientierte Scaleups decken typischerweise ihre „Burn-Rate“, also ihre monatlichen Verluste, durch Venture Capital. Im Deutschen bevorzugen einige den Begriff „Wachstumskapital“ gegenüber „Risikokapital“. Das ist nicht nur Wortklauberei: Je risikobehafteter ein Geschäftsmodell derzeit ist, umso schwieriger für die Gründer:innen, dafür neues Geld einzusammeln. Investor:innen zweifeln zunehmend, dass einige der potenziellen „Hyper Grower“ nachhaltig erfolgreich wirtschaften.

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Halten Hyper Grower, was sie versprechen?

Die streben typischerweise nach globaler Marktdominanz und müssen dafür mit hohen Kapitalspritzen zu Ende finanziert werden. Die anfänglich hohen Verluste machen umso höhere Gewinne wieder wett, ist das Unternehmen erstmal globaler Marktführer. Zumindest laut Business-Plan. In der Praxis bestehen allerdings große Fragezeichen, ob die potenziellen „Hyper Grower“ ihre ambitionierten Ziele jemals erreichen.

VCs präferieren aktuell eher „kapitaleffiziente“ Unternehmen. Also Scaleups, die nicht nur ihre Reichweite in Form von Mitgliedern oder Neukund:innen steigern, koste es, was es wolle, sondern keine oder vergleichsweise niedrige Verluste ausweisen. Pitchten Gründer:innen während der Pandemie in erster Linie erfolgreich ihre Vision, so legen sie heutzutage in Investorengesprächen wieder vermehrt den Fokus auf altbewährte betriebswirtschaftliche Kennziffern.

Dieses „Umdenken“ der Investor:innen in der Rezession wirkt sich unmittelbar auf den Markt für Fach- und Führungskräfte in der Digitalindustrie aus. Aufgrund ihrer fortlaufenden Verluste sind die meisten Scaleups schließlich auf stetig neue Kapitalrunden angewiesen.

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Die können sie im aktuellen Investmentklima aber nur erfolgreich abschließen, wenn sie ihr monatliches Minus schmälern. Wem dies nicht gelingt, der fällt aktuell durch das Raster. Die naheliegende Lösung für viele Gründer:innen, um Kosten zu senken: das Personal. Ob das die beste Lösung ist, um erfolgreich durch eine Rezession zu kommen?

Harvard-Wissenschaftler:innen haben 2010 analysiert, wie 4.700 börsennotierte Unternehmen 1980, 1990 und 2000 auf Rezessionen reagierten. 17 Prozent der Unternehmen überlebten die Krise nicht, 80 Prozent hinkten drei Jahre nach der Rezession immer noch ihren Wachstumszahlen von vor der Rezession hinterher. 40 Prozent hatten drei Jahre nach der Rezession immer noch nicht ihren Umsatz und Profit von vor der Rezession erreicht.

Bei neun Prozent der analysierten Firmen ging es nach der Rezession dagegen steil nach oben. Was diese Firmen ausgezeichnet hat? Die Forscher:innen unterteilen die Firmen in vier Kategorien: präventive Firmen mit Fokus auf Kostenreduzierung, fördernde Firmen mit Fokus auf Investments, pragmatische Firmen mit Fokus auf eine Balance aus Investments und Kostenreduzierung sowie progressive Firmen. Diese progressiven Firmen entwickelten sich in den drei Jahren nach der Rezession gemessen am Profit und Umsatz am besten, am schlechtesten schnitten dagegen präventive Firmen ab – also just jene, die die Personalkosten möglichst weitgehend reduzierten.

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Mehr Personal = mehr Erfolg?

Was die progressiven Firmen kennzeichnete? Ihnen ist der Spagat gelungen, Kosten selektiv zu reduzieren, statt Personal zu entlassen. Vor allem analysieren progressive Firmen dafür gerade in schwierigen Zeiten, wie sie effizienter wirtschaften können, und passen ihre betrieblichen Abläufe an. Zugleich investieren sie während der Rezession weiterhin in Forschung und Entwicklung, neue Geschäftsfelder und Marketing.

Nun stehen börsennotierte Firmen und Scaleups zweifelsfrei vor unterschiedlichen Herausforderungen. Doch Personal zu entlassen, um Investor:innen in der nächsten Kapitalrunde zu überzeugen, scheint vor diesem Hintergrund zu kurz gedacht. Im Gegenteil haben Scaleups nun die Chance trotz Fachkräftemangels und eines in den vergangenen Jahren überhitzten Marktes für Führungskräfte mit Digitalexpertise die besten Talente für sich zu gewinnen. Eigene Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren, mehr Forschung und Entwicklung und das Erschließen neuer Geschäftsfelder gelingt nur mit den richtigen Persönlichkeiten an der richtigen Stelle. Diese Talente trotz des Fach- und Führungskräfemangels für sich zu gewinnen, kann in der aktuellen Situation den Unternehmen gelingen, die nun antizyklisch die Krise als Chance begreifen.

Martina van Hettinga ist geschäftsführende Gesellschafterin bei i-potentials, der führenden Executive-Search-Boutique der digitalen Wirtschaft in der DACH-Region. Sie hat bereits zahlreiche wachstumsorientierte digitale Startups und KMU aufgebaut.

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