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Fairphone 3 im Test: Dieses Smartphone könnt ihr selbst reparieren

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Nachhaltig, fairer und dank eines modularen Aufbaus selbst reparierbar. Das Fairphone 3 ist anders als nahezu alle anderen auf dem Markt befindlichen Smartphones. Wir haben es ausprobiert.

Mit der mittlerweile dritten Generation des Fairphone will das niederländische Social Business mit handfesten Beweisen zeigen, dass es möglich ist, Technik nachhaltig und unter faireren Bedingungen zu entwickeln und zu bauen. Das Fairphone 3 sieht zwar nicht so kompakt und edel aus wie ein iPhone 11 oder Galaxy Note 10, dafür könnt ihr den Akku tauschen und es bei Bedarf selbst auseinander bauen und reparieren. Auf diesem Wege könne auch die Lebenszeit verlängert werden.

Fairphone 3: Bestandteile konfliktfrei oder recycelt

Das Fairphone 3 ist aus verschiedenen Materialien gefertigt, die im Vergleich zu Geräten anderer Hersteller nachhaltig beziehungsweise umweltschonend und fairer produziert oder abgebaut wurden. Wie bei den Vorgängern kommen beispielsweise Zinn und Wolfram aus konfliktfreiem und verantwortungsvollem Handel. Das verwendete Kupfer stamme aus dem Recycling, der Kunststoff immerhin auch zu 50 Prozent und das Gold stammt Fairphone zufolge aus dem Fairtrade-Handel.

Nach eigenen Angaben kooperiert Fairphone für die Endfertigung mit Arima. Das Fertigungsunternehmen lege laut Fairphone großen Wert darauf, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu verbessern. Ferner arbeite man mit verschiedenen Organisationen zusammen, um die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.

Fairphone 3: Beiliegender Schraubenzieher lädt zum Reparieren ein

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Fairphone 3 mit Schraubenzieher. (Foto: t3n)

Das Fairphone 3 ist nicht nur hinsichtlich der Materialien und Arbeitsbedingungen nachhaltiger, sondern es ist das wohl einzige Smartphone, das vom Besitzer selbst repariert werden kann (und soll). Im Unterschied zu den meisten auf dem Markt befindlichen Smartphones lässt sich der durchsichtige graue Rückdeckel einfach abnehmen, um den Akku zu tauschen; viele der einzelnen Komponenten wie Kamera, Display, Lautsprecher oder USB-Anschluss lassen sich durch den modularen Aufbau ebenfalls auswechseln.

Fairphone 3. (Bild: Fairphone)

Fairphone 3. (Bild: Fairphone)

Hierfür liegt im Lieferumfang ein Schraubenzieher bereit, mit dem sich die 13 Schrauben lösen lassen. Nun lässt sich schon das Displayelement abnehmen. Die weiteren Module sind wiederum nicht verklebt, sondern auch mit Schrauben befestigt. Die Preise der einzelnen Komponenten sind überschaubar:

Ein Ersatzakku schlägt mit 30 Euro zu Buche, für das Kameramodul fallen knapp 50 Euro an. Das „Top-Modul“ bestehend aus Frontkamera und Lautsprecher fürs Telefonieren kostet 30 Euro. Das untere Modul mit Vibrationsmotor und USB-C-Port ist für 20 Euro zu haben. Das teuerste Ersatzteil ist das Display, das 90 Euro kostet.

Die Reparaturkosten halten sich somit in Grenzen und selbst das Displayelement ist vergleichsweise günstig. Durch die modulare Bauweise zielt Fairphone darauf ab, die Lebenszeit des Smartphones zu erhöhen – hier nennt der Hersteller einen Zeitraum von fünf Jahren. In der Regel werden Smartphones häufiger gewechselt.

Einige Autausch-Module des Fairphone 3. (Bild: Fairphone)

Einige Autausch-Module des Fairphone 3. (Bild: Fairphone)

Da Smartphones nicht nur aus Hard- sondern auch aus Software bestehen, plant der Hersteller, auch Software-Updates für fünf Jahre bereitzustellen. Garantieren will man das jedoch nicht, da die Bereitstellung von Aktualisierungen auch mit Hardwarepartnern wie Qualcomm und anderen zusammenhängt. Beim Fairphone 2 sei das Unternehmen schon auf einem guten Weg, erklärte Eva Gouwens, Fairphone-CEO, im Gespräch mit t3n. Das Gerät bekommt schon seit vier Jahren Updates – und man wolle es weiter mit neuer Software versorgen. Leider kommen die Updates nur sporadisch, was man aber ändern wolle, so Gouwens.

Fairphone 3 kommt mit Mittelklasse-Ausstattung

Auf der Hardwareseite ist das Fairphone in der Mittelklasse angesiedelt. Das LC-Display besitzt eine Diagonale von 5,7 Zoll und löst mit 2.160 x 1.080 Pixeln auf. Die nicht veränderbare Farbkalibrierung ist eher neutral bis kühl, an der Displayschärfe ist nichts auszusetzen.

Fairphone 3. (Foto: t3n)

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Der Rand um den Bildschirm des Fairphone ist alles andere als klein. Ober- und unterhalb des Displays findet man große Bezel vor, wie man es mittlerweile nicht mehr von Top-Smartphones kennt. Das dürfte durch die modulare Bauweise des Smartphones vermutlich nicht anders zu lösen sein.

Als Prozessor steckt im Fairphone ein Snapdragon-632-Chip von Qualcomm mit acht Kernen und einer maximalen Taktrate von 1,8 Gigahertz – der Prozessor steckt etwa auch im Mitteklasse-Gerät Motorola Moto G7. Unterstützt wird das SoC von vier Gigabyte RAM und 64 Gigabyte Flash-Speicher, der sich per Micro-SD-Karte erweitern lässt. Zudem lässt sich das Gerät mit zwei SIM-Karten betreiben.

Die Ausstattung lässt zwar keine superschnelle Systemgeschwindigkeit wie bei Top-Smartphones zu, für ein Mittelklasse-Gerät ist es aber allemal ausreichend. Apps lassen sich im Nu öffnen, die Nutzeroberfläche läuft flüssig und ohne Ruckler. Bei ressourcenintensiven Games oder Anwendungen darf man keine Höchstleistungen erwarten.

Das Fairphone 3 hat eine 12-Megapixel-Kamera. (Foto: t3n)

Das Fairphone 3 hat eine Zwölf-Megapixel-Kamera. (Foto: t3n)

Bei der Hauptkamera hat Fairphone im Vergleich zum Vorgänger nachgelegt: Anstelle eines Moduls mit acht Megapixeln ist nun ein Sensor mit zwölf Megapixeln verbaut. Die Resultate der Kamera sind bei Tageslicht gut, wobei man auf Gegenlicht achten muss – Fotos werden stark abgedunkelt. Bei Dunkelheit kann man die Kamera leider in der Tasche lassen. Zwischen der Kamera des Fairphones und dem knapp 400 Euro teureren Google Pixel 3a (Test) liegen Welten. Für gelegentliche Schnappschüsse bei genügend Licht reicht sie aber aus.

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Fairphone 3 – der Fingerabdrucksensor ist recht weit oben angebracht. (Foto: t3n)

Gewöhnungsbedürftig ist die Position des rückseitigen Fingerabdrucksensors. Der Sensor erkennt den gespeicherten Fingerandruck rasch und entsperrt das Gerät zuverlässig, jedoch ist er – vermutlich aufgrund des modularen Aufbaus – zu weit oben angebracht. Um ihn zu erreichen, muss man entweder Teleskopfinger besitzen oder seine Handposition ändern, also umgreifen.

Die Energie des verbauten 3.000-Milliamperestunden-Akkus reicht für einen Tag aus. Geht euch das Saft aus, könnt ihr das Fairphone per Quick-Charge-3.0-Schnelladung per USB-C-Port nachladen. Kabelloses Laden wird nicht unterstützt. Für Fans kabelgebundener Kopfhörer relevant: Das Fairphone 3 besitzt eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse.

Fairphone 3 mit Android 9, bloatwarefrei

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Fairphone 3 kommt mit cleanem Android. (Foto: t3n)

Wer das Fairphone 3 zum ersten Mal startet, dürfte sich über die Kargheit des App-Drawers wundern. Kein anderes Smartphone hat so wenige Apps vorinstalliert, lediglich ein paar Google-Anwendungen wie Maps, Gmail und Photos sind zu finden. Fairphone liefert keine eigenen Apps an, Bloatware, wie sie oft selbst auf teuren Smartphones vorinstalliert ist, gibt es nicht.

Als Betriebssystem setzt der Hersteller auf ein naturbelassenes Android 9 Pie, wie Google es anbietet. Durch das pure Android sollten nur minimale Anpassungen seitens Fairphone vonnöten sein, um künftige Google-Updates für das Fairphone 3 auszuliefern. Hier deutet sich an, dass das Unternehmen hinsichtlich der Software dazugelernt haben könnte.

Fazit: Nachhaltige Mittelklasse

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Fairphone 3. (Foto: t3n)

Mit dem Fairphone 3 liefert der Hersteller einen verbesserten Nachfolger seines Fairphone 2, der vor allem hinsichtlich seiner faireren Produktionsbedingungen, seiner Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit glänzt. Kaum ein anderes lässt sich so leicht und verhältnismäßig günstig reparieren wie das neue Smartphone aus den Niederlanden. Kaum ein anderes Unternehmen legt so großen Wert auf faire Produktionsbedingungen und Herkunft der Materialien.

Dass das Fairphone 3 ein Mittelklasse-Smartphone ist, dürften die Kunden des Unternehmens in Kauf nehmen. Auch der Preis von 450 Euro ist für das Gebotene verhältnismäßig hoch, denn Geräte mit ähnlicher Ausstattung kosten etwa die Hälfte. Diese Smartphones sind dann aber weder leicht reparierbar noch stammen die Mineralien und Rohstoffe dezidiert aus Minen, die nicht in die Finanzierung von Bürgerkriegen verwickelt sind.

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2 Kommentare
Werner Krawzik
Werner Krawzik

Wichtig fehlende Info: Hat das Gerät eine Benachrichtigungs LED?

Antworten
Matz
Matz

Hat es. Allerdings „nur“ dreifarbig.

Antworten

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