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Finanzmärkte im Bitcoin-Rausch: Warum der Sturm aufs Kapitol der Kryptowährung nutzt

Die Geschehnisse in Washington haben einmal mehr gezeigt, dass der Bitcoin und andere Kryptowährungen von Krisen in besonderem Maße profitieren können. Doch die starken Schwankungen machen das Investment gefährlich.

3 Min. Lesezeit
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Der Kurs von Bitcoin steigt und steigt. (Foto: Shutterstock)

Die Ausschreitungen rund um das Kapitol in Washington haben dazu beigetragen, dass der Bitcoin (und, in geringerem Maße, einige andere Kryptowährungen) seinen Höhenflug fortsetzen konnte. Erstmals stieg die Kryptowährung über die Marke von 37.000 US-Dollar. Damit hat sich keine Anlage in den letzten Wochen so gut entwickelt wie Bitcoin, Ethereum und Co. Jeweils in den letzten 30 Tagen verdoppelt (!) haben sich Bitcoin, Ethereum und Litecoin; Bitcoin Cash legte in diesem Zeitraum immerhin um 60 Prozent zu.

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Gesund ist all das nicht – aber dennoch symptomatisch für eine Zeit der Unsicherheit und Krise. Die Marktkapitalisierung beträgt nach Auswertungen von Coinmarketcap erstmals über eine Billion Dollar, der Bitcoin kommt alleine auf rund 700 Milliarden Dollar. Schuld an diesem Sinneswandel sind vor allem die institutionellen Anleger, die die Kryptowährungen aus der Nische rausgeholt haben und dem Geschäftszweig eine Credibility verleihen.

Dennoch ist spätestens jetzt der Punkt erreicht, an dem man davon ausgehen kann, dass der Markt überhitzt ist: Die Bild-Zeitung erklärt, wie man mit dem Bitcoin Geld verdienen kann, und auch an den virtuellen Stammtischen der Republik scheint es kaum ein anderes Thema zu geben. Manche werden sich an die späten 90er Jahre erinnert fühlen, als auch die Aktienmärkte nur eine Richtung kannten. Der Rest ist bekannt – und die Börsenskepsis sitzt in Großteilen der deutschen Bevölkerung so tief, dass es umgekehrt auch schon wieder ungesund ist.

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Starke Kursgewinne 2020, aber Kritik an der Anonymität

Im vergangenen Jahr gehörte das digitale Gold zu den Finanzanlagen mit den stärksten Kursgewinnen. Mit etwa 8.000 Dollar ins Jahr gestartet, gab der Kurs während der ersten Coronawelle im Frühjahr zunächst auf etwa 4.000 Dollar nach, danach folgte ein Kursanstieg, der vor einigen Tagen beim Vierfachen lag. Mit einem Kursplus von auf Jahressicht mehr als 300 Prozent kann kaum eine andere Anlage der Welt mithalten.

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Dennoch haftet der Digitalwährung bis heute ein zweifelhafter Ruf an. Kritiker monieren, die Digitalwährung könne aufgrund anonymer Zahlungsprozesse leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Dazu passt, dass der Bitcoin seit Anbeginn von Finanz- und Betrugsskandalen begleitet wird. Doch sowohl die institutionellen Anleger als auch einige etablierte Zahlungsdienste – allen voran Paypal – haben die Kryptowährungen hoffähig gemacht und dazu beigetragen, dass sich auch die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden international mit dem Thema befassen müssen.

Doch als Zahlungsmittel ist der Bitcoin weitgehend ungeeignet. Zu stark sind seine Kursschwankungen, zu hoch ist der Energieverbrauch in der Herstellung (Mining), zu langatmig und teuer ist die Transaktionsabwicklung. Die Kernidee des Bitcoin-Erfinders, der bis heute nur unter einem Pseudonym bekannt ist, war aber gerade die Erschaffung eines neuen Zahlungsmittels.

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Hohe Volatilität des Bitcoin bleibt ein Risiko

Doch heute wird der Bitcoin verstärkt als alternative Anlage genutzt, weil einige Investoren aufgrund der in der Coronakrise stark steigenden Staatsschulden eine künftig höhere Inflation erwarten. Herkömmliche Währungen leiden in der Regel unter einer hohen Inflation und verlieren über ihren Wechselkurs an Wert. Insofern ist es naheliegend, dass Kryptowährungen angesichts der Coronakrise, des Brexit, der Regierungskrise in den USA und anderer unvorhersehbarer Ereignisse attraktiv erscheinen. Ein sicherer Hafen zur Geldaufbewahrung sind sie aufgrund der hohen Schwankungsbreite dennoch nicht.

Nun stellt sich die Frage, ob der Bitcoin nachhaltig von diesen Entwicklungen profitiert. Denn entscheidende Kritikpunkte bleiben: Sämtliche Kryptowährungen sind hochgradig volatil, auf starke Wertzuwächse folgten in der Vergangenheit immer wieder auch krasse Kurseinbrüche. In den Augen vieler Kritiker stellt diese Wankelmütigkeit das Potenzial des Bitcoin als Anlagegegenstand infrage. Als Finanzanlage und erst recht als Zahlungsmittel ist die Kryptowährung höchst strittig.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele Zentralbanken den Ansatz des Bitcoin aufgreifen und eigene Digitalwährungen anstreben. Das kommt der Wertschätzung von Bitcoin und Co einerseits zugute, könnte andererseits aber auch ein Problem werden. Doch auch, wenn sich die Idee digitalen Notenbankgeldes durchsetzen wird, dürfte diese zumindest in den Industrieländern nicht so weit gehen, dass Einzelpersonen in höherem Umfang notenbankgestütztes Digitalgeld halten können. Das haben zumindest bisher die Regulierungsbehörden und die EU so geplant. Für Bitcoin und Co wird in Form der regierungsgestützten Digitalwährungen also eher ein unterstützender Mitbewerber denn eine Konkurrenz entstehen. (mit Material von dpa)

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Dein t3n-Team

vires_in_numeris

Bitcoin ist pseudonym, nicht anonym…

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Tobias Weidemann

Prinzipiell richtig – es gibt aber (mit einigen Einschränkungen versehene) Anonymisierungsmöglichkeiten / Mixing-Wege. Somit besteht prinzipiell die genannte Gefahr.

Antworten
veritas

„Sämtliche Kryptowährungen sind hochgradig volatil, auf starke Wertzuwächse folgten in der Vergangenheit immer wieder auch krasse Kurseinbrüche. “
Dieser Satz lässt „stablecoins“ außer Acht.

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