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Kolumne

Grippezeit: „Krank im Homeoffice arbeiten hat nicht nur Nachteile“

(Foto: Rawpixel.com / Shutterstock)

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Wer krank ist, der soll sich schonen, dafür ist die Krankschreibung ja da. Von zuhause arbeiten gilt bei uns als Ausbeutung. Kolumnistin Isabell Prophet sieht klare Vorteile – für den Arbeitnehmer.

Wie gehe ich mit meinem launigen Chef um? Wie setze ich Heimarbeit durch? Wäre eine Vier-Tage-Woche wirklich besser für uns? Und geht es mir besser, wenn ich aus der Stadt herausziehe? Mit solchen Fragen befasst sich die Autorin Isabell Prophet. Für t3n.de beantwortet sie regelmäßig die Fragen der Leser zu Glück und Arbeit.

Frage: Mein Chef hat heute angemerkt, bei unserem Krankenstand sollten wir ruhig auch mal von zuhause was tun – trotz Krankschreibung. Einige Kollegen waren sofort dazu bereit, aber ich finde den Vorschlag ganz furchtbar. Ich will mir aber auch nicht mit Widerworten die Karriere verbauen. Was soll ich jetzt tun? Und darf man das überhaupt?

Das wichtigste zuerst: Juristisch betrachtet kann der Chef nicht verlangen, dass Mitarbeiter krank arbeiten. Das würde dem Sinn des Attestes widersprechen: Es dient dazu, Arbeitnehmer zu schützen. Sie sollen sich auskurieren. Dass dieses Recht heute gilt, haben Arbeitnehmer früherer Generationen erkämpft. Sie wurden nämlich in der Regel entlassen, wenn sie zu lange krank waren. Lohnfortzahlung und Krankengeld gab es sowieso nicht.

Heute hält sich das Gerücht, es sei nicht gestattet, trotz Krankschreibung vom Arzt zu arbeiten. Das ist falsch. Aber: Steht der tatsächliche Gesundheitszustand der Arbeit im Weg, dann darf die Arbeit nicht ausgeführt werden. Dafür sind sowohl der Mitarbeiter als auch der Chef verantwortlich. Klare Regeln gibt es nicht, es gilt der gesunde Menschenverstand. Auf einer Baustelle sollte man nicht mit Kreislaufproblemen arbeiten, Migräne ist für LKW-Fahrer eher ungünstig, wer Burn-Out-Symptome hat, der sollte nicht unter Zeitdruck programmieren und wer hochansteckend ist, der sollte keinen Kundenkontakt haben.

Die Idee dürfte dein Chef übrigens aus der Schweiz haben, da diskutieren nämlich gerade Arbeitgeber und Gewerkschaften, ob Homeoffice bei Krankheit denkbar ist.

Mir stellt sich zu diesem Thema noch eine ganz andere Frage:

Wann hast du das letzte Mal eine Krankheit wirklich auskuriert?

Und damit meine ich: Wann bist du zuletzt zuhause geblieben und hast Anstrengungen vermieden, bis du vollständig genesen warst?

Die meisten von uns haben in ihrem ganzen Leben noch keinen Infekt wirklich auskuriert. Ich selbst habe es erst vor einigen Monaten zum ersten Mal probiert – es fühlt sich großartig an! An einem Tag im September wurde mir (nach den obligatorischen neun Tagen Grippe) klar: Jetzt ist es vorbei. Ich bin wieder gesund. Kein Schniefen in unpassenden Situationen, keine rote Nase, kein wochenlanger Reizhusten.

Wer krank zuhause bleibt und nicht arbeitet, den plagt oft das schlechte Gewissen, weil er die Kollegen im Stich lässt oder Kunden warten müssen. Sobald wir wieder halbwegs aufrecht stehen können, schleppen wir uns ins Büro. In Startups mit knappem Personal kann das auch unangenehm werden: Ich hatte mal einen Chef, der jeden, der krank war, anschließend schief anschaute. Auskuriert hat sich dort niemand jemals. Wer sich nur noch am Wochenende erholt, um die fünf Tage dazwischen zu ertragen, der hat sein Leben endgültig gegen den Job eingetauscht.

Wer sich zu früh wieder aufrafft, der verschleppt die Krankheit. Bei Virus-Infektionen kann das dramatische Folgen haben, die bis zur – potentiell tödlichen – Herzmuskelentzündung reichen. Deshalb ist körperliche Anstrengung bei Krankheit tabu. Bei Büroarbeitern ist damit in der Regel der Arbeitsweg gemeint. Aber auch der lange Tag am Schreibtisch kann hart sein.

Hier liegt die Chance, die uns die Arbeit im Homeoffice bietet. Wer nämlich – im Rahmen seiner tatsächlichen Möglichkeiten – von zuhause aus arbeitet, der kann das Gröbste auffangen und sich parallel noch erholen.

Dies ist kein Plädoyer, sterbenskrank vor dem Computer zu sitzen. Es geht mir viel mehr darum, dass uns Heimarbeit die Möglichkeit gibt, in der Zeit der Erholung dem Büro fernzubleiben.

Das ist gut für die Kollegen, denn sie stecken sich nicht an. Das ist gut für die Firma, denn die Arbeit wird (teilweise) erledigt. Das ist gut für den Arbeitnehmer selbst: Er spart sich den Arbeitsweg mit dem Rad durch die Winterkälte oder in die Straßenbahn voller Viren und muss nicht stur acht Stunden durcharbeiten. Und wie unangenehm ist es bitte, mit Husten, Kopfschmerzen oder triefender Nase in einem Großraumbüro zu sitzen?

Im Übrigen: Wer sich besser auskuriert, der wird auch nicht so schnell wieder krank. Wenn das in fünf Tagen reduzierter Heimarbeit besser möglich ist, als mit zwei Tagen Krankschreibung und dann drei Tagen Quälerei im Büro, dann sollten wir das viel öfter machen. Das ist gut für den Menschen und gut für die Firma.

Regeln für Homeoffice trotz Infekt:

  • Ob er arbeiten kann, entscheidet der Arbeitnehmer – und auch, in welchem Umfang.
  • Es muss klare Absprachen zur Erreichbarkeit geben.
  • Arbeit bei Krankheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern manchmal möglich.
  • Die Genesung steht im Vordergrund.
  • Stress und Druck sollten unbedingt vermieden werden – auch wenn die Krankschreibung körperliche Ursachen hat.

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