Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

Kein Deal um jeden Preis: Games-Entwickler lehnt eine halbe Million Dollar ab

Für unabhängige Spieleentwickler:innen kann ein Vertrag mit einem Publisher ein enormer Vorteil sein. Abhängig von den Auflagen entstehen aber auch ernstzunehmende Risiken.

2 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige
Screenshot aus dem Indie-Game „Scrabdackle“. (Screenshot: Scrandackle / Jackfriend)

Für die Vertriebsrechte an seinem Indie-Game „Scrabdackle“ wollte ein Spiele-Publisher dem Entwickler Jakefriend eine halbe Million US-Dollar zahlen. Kein schlechtes Angebot, wenn man bedenkt, dass er die Spielentwicklung bis dato über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert hatte, über die er umgerechnet knapp 30.000 Euro eingenommen hat. Mit den Vertragsbedingungen konnte sich der Solo-Spieleentwickler allerdings nicht anfreunden. „Jeder weiß, dass ein Unternehmen seine eigenen Interessen schützen wird, und das ist auch gut so. Ich würde nicht erwarten, dass jemand einen sechsstelligen Betrag in mich investiert, ohne das Risiko stark zu mindern. Aber der Grad der Kontrolle ging weit darüber hinaus, mit irrsinnigen Strafen bei Vertragsbrüchen für mich – und keine für sie“, so der Indie-Entwickler auf Twitter.

Anzeige
Anzeige

Jakefriends größtes Problem an dem vorgelegten Vertrag: Sollte er auf irgendeine Art vertragsbrüchig werden, gingen die Rechte an seinem Spiel vollständig an den Publisher. Gleichzeitig müsste er in dem Fall auch sämtliche Kosten für die Beendigung des Spiels tragen – ohne dass im Vertrag eine Obergrenze dafür angegeben wäre. „Hier bin ich also, ein 30-jähriger Solo-Entwickler, der, wenn ihm sein Spiel weggenommen wird, auch noch Schulden hat“, erklärt der Spieleentwickler die Problematik. Da das Geld des Publishers für seine Lebenshaltungskosten draufgehen würde, wäre der Entwickler nach eigener Einschätzung im schlimmsten Fall lebenslang verschuldet. Dem Indie-Spielemacher zufolge könnte auch schnell ein Vertragsbruch herbeigeführt werden, wenn der Publisher das wirklich wollte. Immerhin hätte das für das Unternehmen dann den Vorteil, dass sie das Spiel umsonst bekämen und auch kein Geld an dessen ursprünglichen Entwickler zahlen müssten.

Aber auch ohne die Gefahr einer lebenslangen Verschuldung sieht der Entwickler gewisse Probleme mit dem Vertrag. Zwar wäre die vorgeschlagene Teilung des Gewinns zu gleichen Teilen theoretisch durchaus profitabel, allerdings müsste er erst eine Viertelmillion zurückzahlen. Und selbst danach sollte er laut Vertragsentwurf erst 30 Tage nach Ende des Quartals bezahlt werden. Er müsste im Zweifel demnach vier Monate auf sein Geld warten. Auch wenn der Publisher etwaige Änderungen am Spiel wünscht, kann sich der Entwickler laut Vertrag nicht dagegen wehren. Theoretisch könnte das Vertriebsunternehmen einfach einen anderen Entwickler dafür anheuern, die gewünschten Änderungen durchzuführen. Die Kosten dafür wiederum würden ebenfalls bei ihm hängenbleiben.

Anzeige
Anzeige

Indie-Game-Szene kennt das Problem

Jakefriends Twitter-Thread über den Vertrag hat unter Spiele-Entwickler:innen zu viel Aufmerksamkeit geführt. Aus den Kommentaren lässt sich herauslesen, dass mehrere andere Indie-Game-Entwickler:innen in der Vergangenheit ähnliche Verträge erhalten haben. „Es handelt sich nicht um ein einzelnes räuberisches Unternehmen, sondern um eine Branche, die uns ausnutzt, indem sie die Mentalität des ‚einen faulen Apfels‘ übernimmt. Das IST die Norm“, fasst Jakefriends zusammen, der den Namen des Publishers nicht nennen möchte, denn am Ende wäre es die gesamte Branche, die Entwickler:innen im Stich lasse, und nicht nur die eine Firma.

Anzeige
Anzeige

Grundsätzlich gibt es nur wenige öffentlich zugängliche Informationen über die Verträge zwischen Publishern und Spieleentwickler:innen. Schon weil diese Verträge meist eine Klausel enthalten, die öffentliche Äußerungen dazu unter Strafe stellen. Eine lobenswerte Ausnahme machte im letzten Jahr der schwedische Indie-Game-Publisher Raw Fury, als er den Standardvertrag des Unternehmens ins Internet stellte. Auch bei diesem Vertrag gab es aber durchaus Diskussionen darüber, wie fair er am Ende wirklich für die Spieleentwickler:innen ist. Aber immerhin haben die dadurch etwas an der Hand, um ihre Verträge mit dem von Raw Fury zu vergleichen.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Ein Kommentar
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

icu

Warum soll es in der Spieleszene anders sein, als in anderen Kreativ- und Kunst-/Medienbranchen. Überall wird der Künstler, der Kreative vom Publishing und Vertrieb ausgenommen.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige