Ratgeber

Videokonferenzen mit Jitsi Meet: So setzt ihr euren eigenen Server auf

Mit Jitsi Meet könnt ihr euren eigenen Server für Videokonferenzen aufsetzen – kostenlos und quelloffen. (Bild: Youtube / Jitsi)

Ein eigener Jitsi-Meet-Server für Videokonferenzen ist schon allein aus Datenschutzsicht was Feines. Habt ihr die passende Serverbasis und ein paar grundlegende Linux-Skills am Start, ist der verhältnismäßig easy aufgesetzt – hier lest ihr, wie.

Die Open-Source-Videokonferenzlösung Jitsi Meet erfreut sich derzeit nicht ohne Grund großer Beliebtheit. Erst vor Kurzem zeigten wir euch, wie ihr eure Calls darüber in Gang bringt, welche öffentlichen Server sich anbieten und wie ihr Jitsi bedient.

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Ein, wenn nicht gerade der Clou bei Jitsi Meet ist, dass ihr mit verhältnismäßig wenig Aufwand auch euren ganz eigenen Server aufsetzen könnt, auf den dann nur ihr Zugriff habt. Aus Datenschutzperspektive ist das nicht zuletzt für Schulen, Universitäten und Unternehmen spannend, da die Konkurrenz wie Zoom, Teams und Co. häufig nicht den strengen Auflagen gerecht wird. Außerdem können die Server dieser Dienste – obwohl ja meist ziemlich gut ausgestattet – aufgrund des hohen Andrangs überlastet werden, sodass eure virtuellen Meetings dann oft von Ausfällen, Stottern und Pixelbrei geplagt sind.

Habt ihr euren eigenen Jitsi-Server laufen, seid ihr in diesen Hinsichten safe. Wir haben euch mal aufgeschrieben, was ihr für euren eigenen Server an Voraussetzungen braucht – und wie ihr ihn an den Start bringt.

Voraussetzungen für euren eigenen Jitsi-Meet-Server

Hardware: Damit ihr Jitsi Meet betreiben könnt, ist ein eigener Server mit Linux-Betriebssystem nötig. Das kann ein von euch gepachteter, dedizierter Server, eine Instanz auf einem Cloud-Server, Server-Hardware in eurem Keller oder sogar euer Notebook oder PC sein. Wichtig ist vor allem die verfügbare Bandbreite – die wird schließlich bei den Videocalls in Anspruch genommen. Jitsi selbst empfiehlt Folgendes als gute Basis, um eine große Zahl Meetings und Teilnehmer ohne Probleme simultan zu stemmen:

  • 2 Gigahertz CPU
  • 1 Gigabyte RAM-Speicher
  • 25 Gigabyte Festplattenspeicher
  • 10-Gigabit-Ethernet-Bandbreite.

Prinzipiell gilt „Je bandbreiter, desto meet“: Je mehr Bandbreite zur Verfügung steht, desto stabiler sind die Jitsi-Meetings – und desto mehr Konferenzen können parallel laufen. Für kleinere Teilnehmerzahlen und den Einsatz beispielsweise in kleineren Unternehmen dürfte aber auch eine Leitung mit 50-100 Mbit/s ausrechen.

Software und Rechte: Auf diesem Server sollte Linux installiert sein. Der Einfachheit halber nehmen wir hier beispielhaft Ubuntu 18.04 LTS – es funktionieren aber auch andere Debian-basierte Betriebssysteme. Eine Anleitung zur Ubuntu-Server-Installation findet ihr hier. Dort lernt ihr auch, wie ihr euch Root- oder Superuser-Rechte (sudo) verschafft. Unter dem frisch erschienenen Ubuntu 20.04 LTS sollte unsere Jitsi-Server-Anleitung genauso funktionieren.

Damit ihr die Jitsi-Meet-Installation durchführen und die nötigen Konfigurationen vornehmen könnt, benötigt ihr vollen Root-Zugriff auf den Server oder müsst ein User mit Sudo-Rechten sein. Im folgenden Beispiel nehmen wir an, der User hat Sudo-Rechte.

Letsencrypt-Logo

(Grafik: Let’s Encrypt)

SSL-Zertifikat: Da Jitsi auf dem Kommunikationsstandard WebRTC basiert, der wiederum über HTTPS funktioniert, braucht ihr ein gültiges SSL-Zertifikat auf eurem Jitsi-Server. Wenn ihr schon eins habt, nehmt einfach das. Alternativ bietet euch Jitsi aber auch die Möglichkeit, im Installationsprozess ein selbst signiertes Zertifikat zu erstellen – die werden von Browsern allerdings als nicht sicher erkannt. Alternativ könnt ihr später ein sicheres von Let’s Encrypt einzubinden. Wichtig: Let’s-Encrypt-Zertifikate funktionieren nicht mit IP-Adressen. Wollt ihr so eins nutzen, braucht ihr also eine (Sub-)Domain für euren Server.

Domain-Name oder IP-Adresse: Damit ihr euren Jitsi-Server aufsetzen könnt, braucht ihr entweder einen DNS-Domain-Namen für ihn, oder ihr verwendet einfach seine IP-Adresse. Wichtig: Damit ihr und andere später auf den Server zugreifen können, muss dann der korrekte DNS-Name oder die exakt korrekte IP-Adresse eingegeben werden. Ein eingängiger DNS-Name dürfte leichter zu merken sein und ist daher zu empfehlen, allerdings müsst ihr euch dafür eine entsprechende Domain sichern, was Geld kostet. Bei einigen Webhostern und beispielsweise auch Anbietern von Homepage-Baukästen gibt es günstige Domains, teilweise sogar kostenlos – meist für das erste Nutzungsjahr.

Alternativ nehmt ihr einfach eure IP-Adresse. Die ist zwar schwieriger zu merken, da ihr später die Zugangsadresse zu eurem Jitsi-Server aber einfach per Copy & Paste weitergeben könnt, ist auch das nicht allzu umständlich. Nur während des Konfigurationsprozesses solltet ihr aufpassen, stets die korrekte IP-Adresse zu verwenden.

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3 Kommentare
Markus
Markus

Wer keine Ahnung von Code hat und einfach nur loslegen möchte, wird bei netcup fündig. Die haben ein fertiges Image für den Server. Also ist man mit wenigen unteschnischen Schritten in deren Weboberfläche bereits fertig. Kann bei Gefallen aber dennoch alles ganz individuell gestalten (muss man aber nicht).

Ich habe keine Kooperation mit netcup, gehöre nicht zur Firma und bin da selbst erst seit wenigen Wochen Kunde und war vom Service und deren Portfolio positiv überrascht.

Antworten
Roland
Roland

Kein Tippfehler ?
Die Hardware von einem kleinen Notebook, aber mindestens ein 10 Gbit LAN ? Das hat ja nicht mal mein 8Core Xeon 128GByte Ram – Server im Rechenzentrum.
Oder sind es 10MBit ?

Antworten
Julius Beineke

Hallo Roland,

danke für deine Nachfrage und den Hinweis. Die Empfehlung kommt tatsächlich von einem Beispiel von Jitsi selbst und bezieht sich auf Server, die ordentlich Kapazität für viele, große Konferenzen bieten sollen. Für Konferenzen mit weniger Teilnehmen – und besonders, wenn ihr euren Server nur für eigene Zwecke nutzen wollt – sollte auch eine Ecke weniger Bandbreite ausreichen.

Das wurde im Artikel nicht ganz klar, daher habe ich die Stelle noch ein wenig ergänzt.

Besten Gruß!

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