Kommentar

Mit der Leaf-Methode lassen sich Konflikte in wenigen Minuten lösen

Konflikte binnen Minuten lösen. (Foto: Shutterstock-GaudiLab)

Vor Konflikten im Job ist niemand gefeit. Einige Probleme lassen sich jedoch recht schnell in den Griff bekommen – und zwar mit der Leaf-Methode. Ein Kommentar.

Dass Konflikte im Büro passieren, ist genauso normal wie Atmen. Jeder Berufstätige wird sich in seinem Arbeitsleben sicher nicht nur einmal mit einem Vorgesetzten, einem Mitarbeiter oder einem Kunden gezofft haben. Wenn Konflikte sich jedoch zu einem endlosen Streit hinziehen, liegt das oft daran, dass die Beteiligten nicht gelernt haben, mit den Augen des anderen zu sehen und mit den Ohren des anderen zu hören. Das ist jedoch eine Eigenschaft, die auch fernab des Berufes immer wichtiger wird. Empathie als Softskill dieses Jahrhunderts kann so manche persönliche oder berufliche Krise lösen.

Laut Angaben von Pollack Peacebuilding Systems — einem Beratungsunternehmen für Konfliktlösung aus San Francisco — sind Angestellte in US-Unternehmen pro Woche rund 2,8 Stunden in Streitigkeiten verwickelt. Das entspräche 319 Milliarden Euro bezahlter Arbeitsstunden, die nicht in die eigentliche Arbeit fließen, so die Experten. Auch wenn das eine sehr zahlenorientierte Sicht auf das Thema ist und man auch eine Bereitschaft zur Konfliktlösung in sich tragen sollte, die sich nicht gleich auf ökonomische Argumente beruft, taugt das Beispiel trotzdem, um darzulegen, wie unkonstruktiv viele Streitigkeiten werden können.

Konflikte lösen per Leaf: Mit Empathie voran!

Einen Ausweg bietet da die Leaf-Methode, auf die auch professionell ausgebildete Konfliktmanager gerne verweisen. Das Akronym steht für: „listen“ (zuhören), „empathize“ (sich in jemanden einfühlen), „apologize“ (sich entschuldigen) und „fix“ (das Problem lösen). Diese Methode ist vor allem für akute Auseinandersetzungen gedacht, die in der Regel auf falschen Interpretationen oder Wahrnehmungen basieren. Anders als Konflikte, die auf Differenzen mit Persönlichkeiten oder Kommunikationsstilen zurückgehen und die mehr als ein paar Minuten benötigen, um gelöst zu werden, lassen sich akute Unstimmigkeiten sehr schnell in den Griff kriegen.

Zuhören dürfte den meisten Menschen dabei wohl am schwersten fallen. Wer in einen Konflikt gerät, unterliegt meistens dem Impuls, sich zu verteidigen, anstatt dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, loszuwerden, was er oder sie zu sagen hat. Böse ausgedrückt könnte man jetzt meinen, da wird schlichtweg Ignoranz an den Tag gelegt. Vermutlich sind die meisten gar nicht ignorant, sondern fühlen sich einfach nur angegriffen und geraten in eine negative Abwehrhaltung. Zuhören ist wichtig – nicht etwa, um Gegenangriffe zu starten, sondern um zu verstehen, worum es dem Gegenüber wirklich geht.

„Empathie als Softskill dieses Jahrhunderts kann so manch eine persönliche oder berufliche Krise lösen.“

Nicht immer ist man der gleichen Meinung wie das Gegenüber. Vielleicht verfolgt man ganz einfach auch andere Ziele. Vielleicht gehen die Erfahrungen auch auseinander. Dennoch ist es wichtig, sich in die andere Person einzufühlen: Warum ist der streitbare Gegenstand der einen Person so wichtig? Und würde man nicht genauso reagieren, wenn man deren Brille aufsetzen würde? Sich diese Fragen zu stellen, hilft, sich einer gemeinsamen Lösung anzunähern. Nicht nur persönlich, um einen Konflikt beizulegen, sondern auch inhaltlich. Denn häufig muss das eine Ziel das andere gar nicht aushebeln.

Wichtig ist tatsächlich, dass die Streitenden sich auch eingestehen, wenn sie einen Fehler gemacht oder sich ungebührend verhalten haben, und die Größe besitzen, sich zu entschuldigen. Eine ehrlich gemeinte Entschuldigung und die Fähigkeit, zu verzeihen, sind die beste Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit. Entschuldigungen sind der Sekundenkleber des Lebens. Man kann so gut wie alles damit reparieren. Einzig und allein: Man muss bereit sein, sein eigenes Ego zu überwinden. Leider ist das ein Kraftakt, den nicht immer jeder schafft.

Wer die Leaf-Methode verinnerlicht hat, wird sich wesentlich weniger im Berufs- als auch im Privatleben aufregen. Und das alleine ist schon Grund genug, sich mit ihr zu beschäftigen. Denn das Ärgerliche an Streitigkeiten ist doch, dass man sich oft selbst schadet, ohne anderen zu nutzen.

Erfolgreicher im Job: 15 Apps, die im Berufs- und Privatleben helfen
Jobsuche: Die kostenlose Truffls-App für iOS und Android ist ein Tinder für Bewerber. Wer auf der Suche nach einem interessanten Job ist und fündig wird, swipt einfach nach rechts und schickt einen Lebenslauf ab. Antwortet das Unternehmen, kommt es zum Match. (Grafik: t3n / dunnnk)

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12 Kommentare
Alexander
Alexander

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Xaver
Xaver

„Vor“ verlangt den Dativ…

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Andreas Weck

Danke. Haben wir übersehen. Gruß, Andreas

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Kay
Kay

Nicht grundsätzlich: „Ich trete vor den Richter“ = Kasusrektion: Akkusativ!

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Klugscheißer
Klugscheißer

Schon mal was von Carl Rogers oder Marshall B. Rosenberg gehört?

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Juergen Risse
Juergen Risse

Lieber Herr Weck,

grundsätzlich hat mir Ihr Artikel gefallen, aber seien Sie doch bitte so gut und schlagen mal bei Gelegenheit nach was das Wort „Neoliberalismus“ bedeutet.

Beste Grüße
Jürgen Risse

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afasfs23qfwgfweg
afasfs23qfwgfweg

Im Grunde sagt das doch nur aus, dass Menschen eigensinnige und sture Geschöpfe sind – was vermutlich jeder weiß -, die stets Recht haben müssen. Um ein angenehmes Klima zu wahren gibt man sich diesem Trieb ausnahmsweise mal nicht hin und versucht eine Diskussion auf Augenhöhe zu führen anstatt dem Gegenüber ständig Seitenhiebe zu verpassen oder eine passiv-aggressive Sprechweise an den Tag zu legen. Als kritikfähiger Mensch ist es immer wieder unglaublich schlimm zu sehen, wie sich einige Menschen völlig grundlos wegen Meinungsdifferenzen an den Kragen gehen …

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Amir B.
Amir B.

Damit ist jedem geholfen, dass Menschen die in Konflikte geraten den Gegner zu Wort kommen lassen und dann noch sich mit einer Entschuldigung unterordnen.
Besser wäre gemeinsam nach Ursprung von Konflikten zu suchen.
Aus meiner Sicht kratzt dieser Artikel an der Oberfläche des Sachverhalts rum und hat wenig Tiefgang.

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lockeramlimit

„Wer die Leaf-Methode verinnerlicht hat…“ genau daran scheitert es meist. Das „Verinnerlichen“ im Sinne von erfolgreich anwenden, erfordert pers. Souveränität und eine Maximum an mentaler Selbstkompetenz. Doch selbst dann ist das hehre Ziel „Konflikte in wenigen Minuten zu lösen“ wohl mehr dem allgemeinen Wunschdenken bzw. der journalistischer Aufmerksamkeitsökonomie, als dem realistisch Machbaren geschuldet.

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heureka47

Derlei Konzepte mögen gelegentlich funktionieren, aber sie lösen nicht das – heilbare – Grundproblem, welches in der großen Mehrheit der Menschen der „zivilisierten Gesellschaft“ – allermeist unbewußt – vorherrscht und u.a. eine generelle Beziehungs- und Kommunikations-Störung mit sich bringt, neben einer essentiellen Wahrnehmungs- / Erkenntnis- und Lernstörung, einer Vertrauens-Störung und pathologischen Anfälligkeit für Selbst-Überschätzung oder -Zweifel. Siehe z.B. Michael Balint zur „Grundstörung“ oder die Arbeiten von Erich Fromm, Wilhelm Reich, Christa Meves und etlichen anderen, die zur „kollektiven Neurose“ (Gattungsbegriff in der Soziologie), „Krankheit der Gesellschaft“ (W. Kütemeyer), „Menschheitsneurose“ (S. Freud), „Gesellschaftsneurose“ / „Kakokratie“ (H. Oberth), „Dysgnosie“ (H. von Förster), usw., geschrieben haben.

Diese „Krankheit der Gesellschaft“ / „kollektive Neurose“ ist m.E. die tiefere Ursache aller Übel der „Zivilisation“ / „zivilisierten Gesellschaft“.

Leider sind die meisten derer, die davon wissen, aus Gründen eigener Befallenheit nicht befähigt, das wahre Ausmaß des Problems zu erkennen.
Die sehr wenigen wahrheitsgemäßen Beschreibungen / Expertisen wurden / werden aus denselben Gründen ignoriert bzw. die Autoren diskreditiert.

Die Angst vor der Wahrheit und direkte oder indirekte (unbewußte) Abwehrhaltung ist pathologisch (neurotisch), kann aber – und muß (für die Heilung) – überwunden werden.

Kollektive Neurosen bestehen aus den individuellen Neurosen der (Mehrheit der) Mitglieder des – jeweiligen, gemeinten – Kollektivs.

Neurose verstehe ich primär als den Zustand zwischen seelischer Verletzung / Traumatisierung und grundlegender, natürlicher, Heilung.
Neurose ist in Wahrheit weitaus mehr als die in manchen Veröffentlichungen beschriebenen auffälligen Symptome.

Der größere Teil der Symptome „versteckt“ sich in der – angeblichen, vermeintlichen – „Normalität“ der zivilisierten Gesellschaft.
Die Krankheit selbst „versteckt“ sich im Unbewußten der Befallenen.

Im Zustand der Neurose befindet sich die Seele – die ich als rein energetisches (nichtmaterielles, feinstoffliches) Lebewesen sehe – in einer Art „Rückzugs- / Schutzhaltung“, wodurch ihr Leistungs-Potenzial für den materiellen (grobstofflichen) Aspekt des Menschen nur begrenzt verfügbar ist.

Das Leistungs-Potenzial der Seele umfaßt im Wesentlichen ZWEI Komponenten:

1.: ENERGIE (feinstoffliche Lebens-Energie, Kraft der Liebe und des Friedens, Heilkraft, usw.)
und
2.: INFORMATION (intuitive Erkenntnisse, Eingebungen, Ahnungen, Fügungen, Führung, usw.).

Bei Mangel an diesen Komponenten kann kein wahres Leben / Sein, keine gesunde Entwicklung, stattfinden – so daß befallene Menschen auch nicht wahrhaft (geistig-seelisch) erwachsen werden können.

(Kollektive) Neurose sehe ich als den wesentlichen Ursachenfaktor aller sogenannten „Störungen“ / „Krankheiten“ einschließlich der Störung(en) der Fähigkeiten zu wahrer Verantwortung und echten, menschlichen, Beziehungen.

Kollektive Neurosen können sich steigern zu „kollektiven Psychosen“ wie Krieg, Bürgerkrieg, Aufstände, Terror(-ismus), Massaker, Genozid, usw.

Bei fortgesetzter Nichterkenntnis / -Heilung droht der befallenen Population Untergang und Aussterben.
Entsprechende Warnungen finden wir in der Literatur.

Wir stehen in der Erfahrung dieser schlimmsten aller Krankheiten seit mehr als 10.000 Jahren – und vor der Herausforderung, sie nun endlich auch kollektiv zu erkennen und den Weg der grundlegenden, natürlichen, Heilung zu beschreiten.

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Frank
Frank

Ich habe den Bericht und die Kommentare mit Interesse gelesen und wirklich herzlich gelacht. Wir sollten froh sein, wenn Menschen überhaupt noch verbal kommunizieren und nicht per Whats App. Auch in der schönen neuen Büroumgebung ist Skype for Business standard. In der Mittagspause sitzen alle Personen in der tollen Lunge, essen und neben ihnen liegt das Smartphone. Es herrscht eine gespenstische Stille, da jeder nur noch mit sich beschäftigt ist und z.B. selfies von seinem Mittagessen macht Die meisten sind heute gar nicht mehr in der Lage, Konfklikte verbal auszutragen. Jetzt kommen Sie Herr Weck als Reporter aus dem Silikon-Valley und das wundert mich wirklich, der Ort den man auch Zombieland nennt, und haben schreiben diesen Bericht. Mich würde wirklich mal interessieren, wenn Sie den letzten handschriftlichen Brief geschrieben haben? Wann haben Sie wirklich mal einen Tag ohne Ihr Handy bzw. Smartphone verbracht? Wo liegt eigentlich Ihre Priorität bzgl. Kommunikation? Fragen über Fragen und sicherlich habe ich jetzt wieder Dativ, Genitiv und Akussativ verwechselt……

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Andreas Weck

Ihr Kommentar hinterlässt bei mir den Eindruck, dass Sie pauschal meinen, wer Smartphones nutzt, keine Briefe schreibt und obendrein noch als Korrespondent aus dem Silicon Valley berichtet hat, könne weder sozial noch emphatisch sein. Und habe deshalb keine Berechtigung über konstruktive Konfliktlösung zu schreiben. Trifft mein Eindruck den Kern ihrer Aussage?

Gruß, Andreas Weck

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