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Henrietta Lacks: Biotech-Firma verdiente mit Hela-Zellen nach ihrem Tod Milliarden und zahlt endlich dafür

Spätestens seit ein Buch und ein darauf basierender Film mit Oprah Winfrey auf ihre Geschichte aufmerksam gemacht haben, ist der Name Henrietta Lacks nicht nur in Medizinkreisen bekannt. Jetzt erfuhren die Afroamerikanerin und ihre Familie späte Gerechtigkeit.

Von Jörn Brien
2 Min. Lesezeit
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Hela-Zellen: späte Gerechtigkeit für unfreiwillige Spenderin Henrietta Lacks. s (Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited)

Die Geschichte von Henrietta Lacks gilt heute als Paradebeispiel für Rassismus und Ungerechtigkeit in der Geschichte der Medizin. Die als Hela-Zellen bekanntgewordene, potenziell unsterbliche Zelllinie hat durch ihr Mitwirken an der Entwicklung von Impfstoffen Millionen Menschen gerettet.

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Unrühmliches Kapitel der Medizingeschichte

Die Ungerechtigkeit, die der unfreiwilligen Zellspenderin Lacks und ihrer Familie widerfahren ist, ist dagegen ein unrühmliches Kapitel. Über 70 Jahre nach dem Tod der Afroamerikanerin haben sie und ihre Nachkommen eine späte Gerechtigkeit erfahren.

Denn das US-amerikanische Biotech-Unternehmen Thermo Fisher, das mit den sogenannten Hela-Zellen Milliarden verdiente, hat sich nach einer im Jahr 2021 eingereichten Klage der Lacks-Hinterbliebenen jetzt außergerichtlich mit ihnen geeinigt.

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Hela-Zellen Lacks

Hela-Zellen: Späte Gerechtigkeit für unfreiwillige Spenderin Henrietta Lacks. (Bild: Heiti Paves/Shutterstock)

Einigung zum 103. Geburtstag

Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Bei der Bekanntgabe der Einigung zeigten sich aber beide Seiten zufrieden. Interessante Randnotiz: Am Tag der Einigung hätte Lacks ihren 103. Geburtstag gefeiert.

Lacks war 1951 im Johns-Hopkins-Hospital im US-Bundesstaat Maryland wegen Gebärmutterhalskrebs behandelt worden – leider vergebens. Sie starb acht Monate nach der Krebsdiagnose in dem Krankenhaus.

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Gewebeproben ohne Zustimmung entnommen

Während ihrer Behandlung wurden ihr ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung Gewebeproben entnommen – was allerdings damals nicht gegen Recht verstieß. Aus den Tumorzellen schuf der Krebsforscher George Otto Gey später eine potenziell unsterbliche Zelllinie, eben die oben angesprochenen Hela-Zellen.

Diese wurden in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem zur Erforschung von Krebs und Aids sowie zur Herstellung von Impfstoffen genutzt. Darüber hinaus wurde damit die Empfindlichkeit von Menschen gegen Pflaster oder Klebstoff getestet. Auch bei der Erforschung von Alterungsprozessen spielen die Zellen eine wichtige Rolle.

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Hela-Zellen brachten Firmen Milliarden

Bis zum Jahr 2015 sollen rund 50 Millionen Tonnen Hela-Zellen gezüchtet worden sein. An 11.000 Patenten und mindestens einem Nobelpreis sind die Zellen beteiligt. Ihre Herstellung brachte den Beteiligten Milliarden. Aber weder Lacks noch ihre Familie sahen dafür über die Jahre hinweg auch nur einen Cent.

Das Leben kommt zurück: Satellitenaufnahmen zeigen die Erholung der Landschaft nach einem Vulkanausbruch Quelle: NASA Earth Observatory

Die Geschichte von Henrietta Lacks und ihren Hela-Zellen wurde dank des 2010 erschienen Buches „The immortal Life of Henrietta Lacks“ und dem darauf basierenden gleichnamigen Film mit Oprah Winfrey in einer der Hauptrollen einem größeren Publikum bekannt.

Respekt und Würde für Lacks-Familie

Nach einer Ehrung von Lacks durch die WHO im Jahr 2021 und dem Eingeständnis, dass sie ausgenutzt worden sei, ist der Familie jetzt mit der außergerichtlichen Einigung ein weiteres Stück „Respekt und Würde“ zurückgegeben worden, wie einer der Anwälte der Hinterbliebenen sagte.

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Dein t3n-Team

Maja Benke
Maja Benke

Finde ich nicht so schlimm, sie hat ja nichts aktiv dafür getan.

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Herbert Klein
Herbert Klein

Ungerechtigkeit kann man hier in gewisser Weise erkennen. Wobei es die wahrscheinlich in vielen ähnlichen Fällen gibt, nur dass dieser Fall publik geworden ist.
Rassismus würde ich hier nicht unbedingt erkennen, und auch keine Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau.

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