Smartphone-Fotografie ist seit Jahren schon mehr als nur das Ablichten dessen, was vor einer der vielen Kameralinsen zu sehen ist. Denn mithilfe von Software-Algorithmen werden Fotos verbessert, aufgehellt, nachgeschärft und mehr. Nur mit diesen Hilfsmitteln sind Smartphones überhaupt dazu in der Lage, die mittlerweile hohe Bildqualität zu erzielen.
Galaxy S23 Ultra: Mehr Mond als zu sehen ist – KI hilft aus
Ein Vergleich mit Fotos, die mit klassischen DSLR-Kameras angefertigt werden, ist schwierig. Schließlich passen in das Smartphone-Gehäuse weder so große Sensoren wie bei einer Fourthirds- oder Vollformatkamera, noch entsprechende Objektive, die mitunter allein viel teurer als ein Galaxy S23 Ultra (Test) oder Xiaomi 13 Pro sind.
Samsung oder andere bestreiten den KI-Ansatz auch nicht, sondern gehen sehr offen damit um. So hat Samsung schon 2022 – vor Veröffentlichung des Galaxy S23 – eine Dokumentation zum Verfahren der Mondfotografie veröffentlicht: Dabei kommt nach Identifizierung des Mondes „in der Endphase eine auf Deep Learning basierende KI-Detailverbesserungsengine (Detail Enhancement Technologie)“ zum Einsatz. Damit soll Rauschen effektiv entfernt und die Details des Mondes maximiert werden, „um ein helles und klares Bild des Mondes zu erhalten“.
In einem Reddit-Thread wird Samsung vom User „Ibreakphotos“ indes vorgeworfen, „Fake-Bilder“ vom Mond zu produzieren. Dabei stützt der User seine Vorwürfe auf einen Test, bei dem ein hochauflösendes Bild des Mondes aus dem Internet heruntergeladen, auf 170 x 170 Pixel verkleinert und per Bildbearbeitungssoftware unscharf gemacht wurde, um Details zu entfernen.
Anschließend wurde das Mondbild im Vollbildmodus auf einem Monitor großgezogen und alle Lichter im Raum ausgeschaltet. Dann wurde der Mond auf dem Bildschirm mit dem Samsung-Smartphone geknipst. Das Resultat der Mondfotografie erzeugte mehr Details, als auf dem unscharfen Bild zu sehen waren.
Ibreakfotos geht daher davon aus, dass Mondbilder von Samsung mit künstlicher Intelligenz erstellt und um auf dem Bild nicht vorhandene Details ergänzt werden. Vollkommen abwegig ist das nicht, da eine KI dazu in der Lage wäre, wenn sie mit ausreichend Bildern des Mondes trainiert wurde – auch wenn Samsung das dementiert.
Ohne Computational Photography weit weniger Fortschritt
Letzten Endes halte ich das aber für nicht wichtig. Denn diese Mondfotografie ist schlussendlich eine kurzweilige Spielerei, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selten genutzt wird. Samsungs Verfahren ist zudem allem Anschein nach weit von dem entfernt, was Huawei einst vorgeworfen wurde. Damals sollte das P30 Pro (Test) ein Overlay des Mondes auf das Foto gestülpt und Nutzer:innen glauben lassen haben, dass es eine tatsächliche Kamerafunktion ist.
Allgemein liefert die Kamera von Samsungs S23 Ultra eine ausgezeichnete Qualität ab. Dabei nutzt der Hersteller in nahezu allen Fällen, außer im RAW-Modus, in irgendeiner Weise KI und Softwareoptimierungen. Im Idealfall spiegelt das Resultat das Gesehene möglichst natürlich wider, wobei wir uns bei HDR-Fotos und Nachtaufnahmen doch jedes Mal darüber freuen, wenn Bilder eine hohe Bilddynamik, lebendige Farben und selbst bei tiefer Dunkelheit möglichst viele Details festgehalten haben. Bei der Mondfotografie ist das nicht anders.
Wie sagt man so schön? Die beste Kamera ist immer die, die man bei sich trägt. Und die Kameras in aktuellen Top-Smartphones sind außerordentlich performant, was neben der hohen Rechenpower und den ausgezeichneten Sensoren mittlerweile immer mehr den softwareseitigen Optimierungen per KI zu verdanken ist.
Das ist schon eine intensive Verteidigungsschrift für dieses seltsame Verhalten.
Die KI sollte das, was eindeutig da ist, verbessern.
Hier wird offensichtlich das Motiv erkannt und mit Daten von sonstwoher ergänzt, die nichts mit dem eigentlichen Foto zu tun haben. Das ist m.E. genau das gleiche, wie einfach ein Stock-Mond-Bild aus der Datenbank reinzuklatschen, was im Prinzip das P30 tut.
In 5 Jahren mache ich ein Selfie mit irgendeinem besoffenen B-Promi und die KI bastelt mir den frisch vom Maskenbildner ins Foto.
So ist es in diesem Fall ja eben eher nicht wirklich. Aber ja, Samsung sollte den Kram idealerweise nochmal besser erklären.
„Letzten Endes halte ich das aber für nicht wichtig. Denn diese Mondfotografie ist schlussendlich eine kurzweilige Spielerei, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selten genutzt wird.“
Das finde ich eine ziemliche Verharmlosung – zugegeben, ich als Anwender nutze das vermutlich nur 2, 3 mal. Aber eine andere Nutzung dieser Funktion ist viel gravierender – nämlich das massive Bewerben der neuen Telefon-Reihe und deren Kameras mit genau diesem Feature.
Als Verbraucher gehe ich dann davon aus, dass die Kameras und deren Optik wirklich so genial ist, wie Samsumg das mit den Mondfotos suggeriert. Und wenn das Fake ist und andere Nachtaufnahmen nicht so extrem aufgebessert werden wie der Mond aus der Werbung, dann halte ich das für Betrug.
Wenn mal ein riesiges UFO auf dem Mond landet und ich dies fotografiere, muss ich davon ausgehen, dass der neue wahrscheinlich verschwommen Fleck auf dem Mond einfach von der AI mit einem „richtigen“ Bild ohne UFO überschrieben wird.
Hab ich mir das dann nur eingebildet. Halluziniere ich? Wer hat recht?
„Letzten Endes halte ich das aber für nicht wichtig. Denn diese Mondfotografie ist schlussendlich eine kurzweilige Spielerei, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selten genutzt wird. “
Nee, ist klar! Mag für den Mond, der sich nicht ständig ändert, vielleicht so sein. Wenn ich aber z.B. in Paris auf Reisen bin und den Eiffelturm bei schlechtem Wetter fotografiere , erhalte ich da ein Foto bei strahlendem Sonnenschein, wie es zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit gar nicht war?
Perfekte professionelle Fotos gibt es doch schon genug, wenn ich die wollte, kann ich sie mir einfach irgendwoher holen. Wenn ICH fotografiere, möchte ich als Ergebnis das von MIR gesehene und fotografierte Ergebnis!
Solch ein Feature muss abschaltbar sein.