Kolumne

Das Netflix-Dilemma: Gibt es gute Monopole?

(Foto: sitthiphong/Shutterstock)

Monopole sind schlecht, da sind sich eigentlich alle einig. Oder etwa doch nicht? Die aktuelle Schlacht der Videostreamingangebote stellt eine alte Gewissheit in Frage. Die Neuland-Kolumne.

Auf Twitter brachte vor einiger Zeit ein Meme auf den Punkt, was viele Internetnutzer aus eigener Erfahrung kennen: Das bequem, vielfältige und sehr bezahlbare Videostreamingangebot von Netflix hatte die sogenannte Internetpiraterie für den Bereich Filme und Serien fast verdrängt.

Ähnlich wie vor vielen Jahren iTunes – und später Musikstreamingangebote wie Spotify – war die legale Alternative zu Tauschbörsen einfach zu bequem geworden, als dass sich noch viele Nutzer mit Bittorrent-Programmen und Trackern auseinandersetzen wollten – von dem rechtlichen Risiko der Abmahnung ganz zu schweigen.

„Ironischerweise könnte zu viel Videostreamingauswahl die Nutzer wieder zurück zur Piraterie treiben.“

Doch Unternehmen wie Amazon, Apple und Disney wollen Videostreamingkuchen nicht alleine Netflix überlassen. Sie alle kaufen und produzieren fleißig exklusive Inhalte, um ihre eigenen Streamingplattformen aufzubauen. Die Folge für den Konsumenten: Wer alle Filme und Serien legal sehen will, die einen persönlich interessieren, muss inzwischen bei einer ganzen Reihe Videostreamanbieter ein Abo abschließen. Angesichts eines Preises von rund zehn Euro im Monat, den Netflix gesetzt hat, dürfte das allerdings nur für wenige sehr wohlhabende Nutzer oder große Film- und Serienfreaks in Frage kommen.

„Ironischerweise könnte zu viel Videostreamingauswahl die Nutzer wieder zurück zur Piraterie treiben“ ist eine Diskussion auf Reddit überschrieben.  Die Situation ist für die Nutzer ganz offensichtlich unbefriedigend. Das fragmentierte Angebot könnte aber bald auch schon für die Branche zum Problem werden: Wer bequem möglichst jeden Film und jede Serie online zeitnah sehen möchte, muss heute wieder fast zwangsweise auf illegales Filesharing zurückgreifen. Erleben wir also bald die Renaissance der Tauschbörsen?

Videostreaming: Zurück zum Monopol

Will die Branche das verhindern, gibt es unterschiedliche Szenarien: Ein offensichtlicher – und für die Digitalwirtschaft nicht ungewöhnlicher – Weg wäre die Rückkehr eines natürlichen Quasimonopols durch einen der großen Anbieter, der mit viel Kapital so viele exklusive Inhalte produziert und lizensiert, dass er alle anderen Mainstream-Anbieter an die Wand drückt und somit nur noch Platz für kleine, spezielle Nischenplayer lässt. Das könnte Netflix sein – aber auch einer der anderen Konzerne, die das Contentspiel spielen und allesamt deutlich mehr Geld in der Kriegskasse haben: Amazon, Apple, Google oder Disney.

Schnell gäbe es einen sich selbst verstärkenden Mechanismus: Der Anbieter mit den meisten nachgefragten Inhalten könnte die größte Anzahl an Kunden überzeugen – die Einnahmen wiederum können für noch mehr exklusive Inhalte verwendet werden. Ein kleiner Vorsprung vor den Konkurrenten könnte so schnell zu einem großen werden.

Doch gerade aus Kundensicht wäre das höchstens kurzfristig wünschenswert: Hat sich einmal eine Plattform für Filme und Serien fest etabliert und muss die Konkurrenz nicht mehr fürchten, kann sie die Preise anheben und muss nicht mehr innovativ sein.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

5 Kommentare
Jeason
Jeason

Dann muss eben aus „EXCLUSIVE“ zukünftig ein befristetes „Exclusive“ werden, das Inhalte nach einer bestimmten Zeit auch bei anderen Plattformen anbietet. Wenn also alle Netflix-User mit einer Serienstaffel durch sind, verkauft man den Content an andere Plattformen weiter. Der Werbeeffekt für die Plattform des Produzenten kommt durch den zeitlichen Vorsprung, der Rest der Welt ist trotzdem nicht ausgeschlossen und durch die weitere Vermarktung fließt zusätzliches Geld in die Kasse.

Antworten
Fritz Müller
Fritz Müller

Exakt dasselbe Problem besteht aus Nutzersicht mittlerweile beim Thema Fußball. Wer alle Bundesligaspiele sehen möchte, muss mindestens drei verschiedene Abos abschließen. Das ist völlig unattraktiv und führt nur dazu, dass sich immer mehr Fans abwenden

Antworten
Johannes Fischer
Johannes Fischer

Bin seit dieser Saison auch nicht mehr dabei. u.a. deswegen.

Antworten
Johannes Fischer
Johannes Fischer

Die Idee mit exklusiven Inhalten von jedem Anbieter schadet die Anbieter selber. Kaum einer wird mehrere Abos abschließen.
Mehr Filesharing? War seit Netflix stark zurückgegangen und wird dann bald wohl wieder stärker anwachsen.
Die Idee mit der Kulturflatrate ist gut. Kommt in der heutigen politischen Landschaft wahrscheinlich noch zu früh.
So wie es bei den Musik-Streaming-Diensten derzeit ist, ist es wirklich gut. Alle haben das gleiche Angebot und den gleichen Preis. Nur die Funktionen und das Design ist unterschiedlich. So kann sich jeder sein passendes aussuchen. Das wäre auch eine gute Lösung für die Film- & Serien-Streaming-Diensten.

Antworten
Insomnia
Insomnia

Schön, dass du den Artikel nochmal kurz zusammengefasst hat…

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung