Interview

Otto-CEO Birken: „Wir brauchen kein Green-Washing, wir folgen unserer DNA“

„Die ersten 25 bis 30 Prozent CO2-Reduktion waren hochprofitabel,“ erklärt Otto-Chef Alexander Birken.  (Foto: Otto)

Otto-Chef Alexander Birken erklärt, warum der Erfolg unmittelbar mit der Unternehmenskultur zusammenhängt – und wie Greta Thunberg die Otto-Strategie beeinflusst.

Wenn man für ein Podcast-Interview mit dem Otto-CEO nach Hamburg-Bramfeld fährt, fühlt es sich nicht unbedingt so an, als ob man ins Herz der deutschen Digitalisierung vorstößt.

Man sieht die vier großen roten Buchstaben auf dem Dach eines riesigen Gebäudes aus Beton und Glas mit undefinierbarer Form. Man denkt sofort an den faustdicken Katalog und die Nummern, die man am Telefon durchgegeben hat, wenn man sich dort in den 90ern einen weißen Champions-Pullover oder eine Adidas-Knopfhose bestellt hat. Champions-Pullover und Knopfhosen sind wieder angesagt. Nur den Katalog gibt es nicht mehr.

Im Gegensatz zu den Marken Neckermann und Quelle konnte die Otto-Gruppe ihr Geschäft ins Internet hinüberretten. Die Otto-Zentrale in Hamburg-Bramfeld heißt jetzt Campus. Man kann mit dem Fahrstuhl in die umgebaute Vorstandsetage hochfahren. Dort ist jetzt natürlich alles offen und hell und der Teppich ist weich und im Büro von CEO Alexander Birken kann man an die Wände malen und niemand hat mehr Krawatten an und alle sind per du.

Aber es gibt zwei Arten von „du“: Ein du mit kleinem „d“, und eines mit großem „D“. Das du mit kleinem „d“ ist das „du“, über das man überhaupt nicht nachdenkt. Das „Du“ mit großem „D“ ist eines, auf das man sich erst einigt. Und hin und wieder rutscht einem dann doch noch ein „Sie“ heraus.

t3n: Herr Birken, die Otto Group ist stolz auf ihren Kulturwandel – heißt das, wir können uns auch duzen?

Alexander Birken: Ich bin sehr für das Duzen, ich habe grundsätzlich meine Default-Stellung auf „Du“.

t3n: Kam das erst mit dem Kulturwandel bei der Otto Group?

Damals jedenfalls haben wir als Konzernvorstand allen Kolleginnen und Kollegen ganz bewusst das Du angeboten. Im Zuge des Kulturwandels haben wir uns gefragt, wie sich Silos und Barrieren abreißen lassen, damit wir direkter und unmittelbar miteinander kommunizieren und Ideen sich besser entwickeln können. Die Antwort war, dass es leichter ist, vom Du zum Wir zu kommen als vom Sie zum Wir.

t3n: Und, hat das Unternehmens-Du geholfen, zum Unternehmens-Wir zu kommen?

Ja, definitiv. Aber der Kulturwandel umfasst viel mehr. Es geht darum, mit 52.000 Menschen so viel Kraft, Agilität, Flexibilität und Geschwindigkeit zu erzeugen, dass wir in diesem Wettbewerb Amazon und anderen Marktteilnehmern tatsächlich Paroli bieten können – auf unsere Art und Weise. Das Du trägt dazu bei.

„Es wäre schwierig, das gleiche wie Amazon zu tun.“

t3n: Das Du war ein Schritt, zu sagen: „Wir wollen nicht unbedingt schneller, höher und weiter als Amazon sein, sondern uns als Otto Group eher auf Werte konzentrieren?“

Das ist aus meiner Sicht kein Widerspruch. Gleichzeitig hat Amazon aber in Größe und Dimension einen Punkt erreicht, an dem es im Wettbewerb sehr schwierig wäre, wenn wir versuchen würden, genau das Gleiche zu tun. Deswegen ist unsere Antwort: Wir müssen einen anderen Weg gehen.

t3n: Wie sieht der Weg der Otto Group in der Digitalisierung konkret aus?

Wir müssen doch alle feststellen, dass florierende Geschäftsmodelle aus den USA und China auf einem anderen Wertegerüst basieren. In den USA ist Freiheit das große Thema. Danach kommt lange nichts. Die Frage nach einer möglichen Reglementierung durch den Staat stellt sich gar nicht oder erst viel später. In China gibt der Staat vor, was unter Freiheit zu verstehen ist – und dann wird mit viel Kraft entsprechend produziert. In Europa dagegen haben wir, basierend auf der sozialen Marktwirtschaft, Freiheit immer schon mit Verantwortung gekoppelt. Gerade mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung müssen wir uns aber aus meiner Sicht fragen, ob wir in Europa nicht vielleicht etwas mehr Freiheitsdenken benötigen – auch um experimentierfreudiger werden zu können. Umgekehrt würde den USA ab und an ein gesundes Maß an Skepsis guttun, beispielsweise beim Umgang mit Daten.

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