Ratgeber

Remote-Fortbildung: So geht’s!

(Foto: Zoom)

Trainings und Schulungen finden immer häufiger remote statt. Damit die Vorbereitung aber nicht beim Einsatz der Webcam haltmacht und deine Schulung nachhaltige Lerneffekte erzielt, solltest du als Trainer oder Personalentwickler einige Punkte beachten.

Es gibt gute Gründe, warum Inhouse-Fortbildungen als Präsenzveranstaltungen an einem Ort stattfinden. Etwa, um sich mit Kolleginnen oder Kollegen aus anderen Abteilungen oder von anderen Standorten zu vernetzen und sich fachlich und persönlich auszutauschen. Trotzdem bieten webbasierte oder remote abgehaltene Trainings viele Vorteile: Mitarbeitende können ortsunabhängig daran teilnehmen, Verpflichtungen wie Kinderbetreuung bringt man besser unter einen Hut und Aufenthalte in tristen Seminarhotels mit mal mehr, mal weniger gutem Catering entfallen. Endlich flüssig laufende Funktionen wie Screensharing oder integrierte Whiteboards machen außerdem echtes kollaboratives Remote-Arbeiten jetzt möglich.

Zunächst die schlechte Nachricht: Mit dem einfachen Einsatz einer Webcam und einem personalisierten Videochat-Hintergrund aus dem letzten Bali-Urlaub ist es nicht getan. Bei der Vorbereitung von Fortbildungen per Videochat müssen viele Fragen geklärt werden, um die Qualität der Schulung so gut wie bei Vor-Ort-Trainings zu gestalten. Die gute Nachricht: Durch eine sinnvolle Vorbereitung können digitale Fortbildungen Vor-Ort-Schulungen ersetzen und manchmal sogar optimieren. Im Vorfeld solltest du dich daher mit Themen wie Gruppengröße, Aufbereitung der verwendeten Materialen und der richtigen Auswahl der Tools beschäftigen. Welche Themen das sind und wie du sie für dein Training gewinnbringend nutzt, zeigen euch kurz und knapp diese Tipps.

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Format und Tool: Virtuelles Whiteboard für die Design-Thinking-Schulung

Welchen Inhalt du rüberbringen musst, solltest du dir vor der Planung gut überlegen. Denn Themen unterscheiden sich stark bei ihren Anforderungen an das Schulungsformat. Besonders bei technischen Schulungen, etwa zu Themen wie Data-Science oder Testing, können Remote-Fortbildungen eine sinnvolle Lösung sein. In der Regel wird bei diesen Fortbildungen ohnehin oft der eigene Laptop genutzt. Zum Beispiel lässt sich das Ausfüllen von lückenhaften Programmierbeispielen oder Pair-Programming auch prima remote umsetzen. Das erlernte Wissen kann hier direkt in den jeweiligen Anwendungen oder Tools erprobt werden. Methodische Fortbildungen wie Design-Thinking profitieren von einem gut vorbereiteten Einsatz unterschiedlicher Tools. Hier sind etwa virtuelle Whiteboards empfehlenswert.

Das gilt jedoch nicht für Soft-Skill-Kurse wie Rhetorik oder Stress-Management. Hier zählt der persönliche Kontakt beim Erlernen einer bestimmten Haltung und Körpersprache und auch das direkte persönliche Feedback der Kollegen.

Um Trainings in das richtige Tool einzubetten, gibt es viele Varianten. Eine kurze Einschätzung zu den gängigsten: Microsoft Teams bildet eine solide Lösung, um mit vielen Menschen zu kommunizieren. Sprecher werden individuell nach aktuellem Redeanteil gezeigt. Nur das Aufteilen in Kleingruppen für Breakout-Sessions ist bei Microsoft Teams noch nicht optimal gelöst. Kursteilnehmer müssen sich umständlich in einem separaten Chat treffen. Ein direkter Zugang aus dem bestehenden Termin ist nicht möglich. Zoom sorgt mit einem guten Gesamtpaket für eine sinnvolle Lernumgebung, gleichzeitig sollte man sich aber mit den aktuellen Datenschutzbedenken auseinandersetzen. Außerdem bietet Zoom eine Galerie-Ansicht aller Teilnehmer. Auch auf eigentlich haptische Materialien wie Klebezettel müssen Trainer bei Remote-Fortbildungen nicht verzichten: Hier sind Miro oder Mural mögliche Lösungen. Beide bieten starke kollaborative Funktionen. Organisatoren von Remote-Fortbildungen sollten die IT-Abteilung frühzeitig bei der Auswahl des passenden Tools mit einbinden. Denn neben der Handhabbarkeit darf bei Fortbildungen auch die Datensicherheit nicht zu kurz kommen. Ein vorab stattfindender Technik-Check ist Gold wert.

Gruppengröße und Dauer bei Remote-Fortbildungen: Weniger ist mehr

Bei Fortbildungen empfiehlt sich die Verkleinerung von herkömmlichen Gruppengrößen auf maximal zehn Personen. Trainer haben so die Möglichkeit, Mimik oder Gestik des Gegenübers zu erkennen und individuell auf die Teilnehmer einzugehen. Remote-Fortbildungen sind bei gleicher Dauer viel anstrengender. Das ständige Sitzen am PC und die fehlende Bewegung am Butterbrezen-Buffet machen sich schnell bemerkbar. Trainings und Schulungen, die man etwa auf mehrere Tage angesetzt hat, sollten etwa auf vier Stunden aufgeteilt werden. Im Idealfall mit Pausen nach 45 Minuten. Somit bleibt außerdem Zeit, um etwa Arbeitsaufträge bis zum nächsten Tag vorzubereiten. Hier gilt es jedoch, abzuwägen: Was für die Fortbildung positiv ist, kann sich auf den restlichen Arbeitstag negativ auswirken. Nach vier Stunden anstrengender Fortbildung kostet es unter Umständen viel Konzentration, sich wieder auf den Arbeitsalltag umzustellen.

Eine Stärke von kurzweiligen Trainingsformaten sind Breakout-Sessions. Das sind kleine Unter-Sessions während der Fortbildung. Normalerweise teilen sich Kleingruppen hier auf diverse Räume auf, um gemeinsam Lösungen oder Konzepte zu erarbeiten oder einfach zu brainstormen. Trainer haben dann die Möglichkeit, die Lernenden spontan zu besuchen und dabei die Teamdynamik zu beobachten oder mit Tipps zu unterstützen. Auch das ist remote möglich! In vielen Tools haben Trainer unproblematisch die Möglichkeit, Sessions zu besuchen und zu moderieren. Und das weniger störend als in Vor-Ort-Fortbildungen.

Entspannte Direktheit hinter dem Bali-Screen

Trainer sollten bei Remote-Fortbildungen besondere Moderationsfähigkeiten zeigen. Hilfreich ist eine Gesprächsetikette, die festlegt, dass abwechselnd und vor allem nacheinander gesprochen wird. Sagt man nichts, empfiehlt es sich, das Mikro stumm zu schalten, um störende Nebengeräusche auszublenden. Was bei Vor-Ort-Meetings durch eine leichte Kopfbewegung oder Augenkontakt sichergestellt werden kann: wen ich überhaupt anspreche. Denn ohne sein Gegenüber zu sehen, bleiben Zwischenfragen oft unbeantwortet: „Bin ich gemeint? Soll ich etwas sagen?“. Eine klare Schwäche von Remote-Fortbildungen: Bei aller Vorsicht, dem Gegenüber nicht in das Wort zu fallen, kommen spontane Einwürfe der Lernenden oft zu kurz. Gleichzeitig muss remote die Konzentration stärker gefördert werden als in Vor-Ort-Trainings. Denn die Versuchung, sich als Teilnehmer über ein Deaktivieren des Mikros geistig auszuklinken, ist groß. Eine Lösung erinnert vielleicht an die Ausfrage im Schulunterricht, hat aber Potenzial für Videochat-Fortbildungen: Trainer sollten Teilnehmer direkt mit Namen ansprechen und zum Feedback motivieren.

Damit das nicht Erinnerungen an den ungeliebten Latein-Unterricht aufkommen lässt, gilt übrigens umfassend für alle Remote-Fortbildungen: Entspannt bleiben! Als Trainer sowie Lernender solltest du mit technischen Problemen, aber auch mit der ein oder anderen ungewohnten Situation locker umgehen und die neuen Möglichkeiten mutig ausprobieren. Und ja, dazu gehört vielleicht auch der ein oder andere merkwürdige Bildschirmhintergrund aus dem letzten Bali-Urlaub, mit dem man die Kolleginnen und Kollegen neidisch macht.

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