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Reportage

Remote Workers Life: „Das Home-Office löst viele Probleme, schafft aber auch neue“

Andreas Weck arbeitet seit Jahren remote: „Online-Kommunikation birgt höheres Konfliktpotential“ (Foto: Johannes Schuba)

Ob von San Francisco oder von Berlin aus: Andreas Weck hat in seinem Leben mehr remote als fest in einem Büro gearbeitet. Sein Fazit: Das Home-Office löst viele Probleme, schafft aber auch neue.

Wie jeden Morgen um 7 Uhr tönt der Nachtwandler-Klingelton aus meinem iPhone. Es ist Aufstehzeit. Die Sonne strahlt durch die Fenster ins Schlafzimmer. Noch einmal strecken, kurz ein Blick auf Facebook, Twitter, Instagram. Alles wie immer. Die Welt dreht sich. So wie ich starten viele Deutsche in den Tag. Von da an beginnt für die meisten jedoch der hektische Teil. Um 8.30 Uhr müssen sie aus dem Haus und dazwischen duschen, essen, anziehen, in manchen Familien auch noch darauf achten, dass die Kinder es einem gleich tun. Manchmal wird dabei lauthals geflucht. Glück hat, wer organisiert ist. Doch die Zeit macht trotzdem Druck. Auf ins Auto, in die Bahn oder auf das Fahrrad und rein in die Rushhour. Spätestens 9.30 Uhr ist Arbeitsbeginn. Viele Arbeitnehmer haben da schon einen Puls von 180. Zermürbt. Und das, obwohl der Tag erst anfängt.

Während halb Deutschland sich durch stressige Morgenroutinen kämpft, lasse ich es ruhig angehen. Schenk mir nochmal nach – schwarzer Kaffee, Arabica-Mischung. Dann laufe ich zum Bäcker, grüße beiläufig den Dönermann und versichere ihm, dass ich die Woche auch im „Amrumer Grill“ nochmal reinschaue. Wie so oft, denn alle paar Tage gibt's Kebab zu Mittag. Zu meinem Start gehört auch der Blick ins E-Mail-Postfach, während andere sich die ersten Wortgefechte mit Türdränglern in der Bahn liefern. Um 7.40 Arbeitsbeginn. Entspannte 40 Minuten, um aufzustehen, mich fertig zu machen, auf Stand zu bringen und mit einem kleinen Frühstück vor dem Mac zu sitzen. Als Remote-Worker aus dem Home-Office heraus ist das möglich. Morgendliche Zeitfresser existieren quasi nicht. Das bedeutet viel Freiheit – und vor allem: innere Ruhe.

Starre Arbeitszeitmodelle gepaart mit langen, stressgepflasterten Arbeitswegen und einer schwer umzusetzenden Vereinbarkeit von Job und Privatleben. Für viele Arbeitnehmer gehört das zu den größten Herausforderungen in ihrem Berufsleben. Oft sogar noch vor den Strapazen der Arbeit an sich. Kunden können unfassbar nerven. Ein zu versorgendes Kind am Morgen, das in einen Zeitplan gedrückt werden muss und ein Stadtverkehr, der aggressiver und rücksichtloser ist als Dynamitfischen im Korallenmeer, sind jedoch eine explosive Mischung, die selbst die Hartgesottensten an die Grenze bringt. Diese Gegensätze sind es, die viele träumen lassen: Heimarbeit, das wäre es! Die Vorteile liegen auf der Hand. Und ja, auch ich möchte ungern wieder tauschen. Doch sie hat auch Nachteile, und die thematisiert dieser Artikel.

Remote-Worker sind nahezu unsichtbar

Büro vs. Home-Office: Remote-Worker sind nahezu unsichtbar. (Foto: Shutterstock-LStockStudio)

Nach Jahren der Remote-Arbeit ziehe ich ein Fazit und dabei wird mir eines ganz besonders klar: Der Heilsbringer, für den viele das Home-Office halten, ist es nicht per se. Denn der Stress, den man sich einerseits spart, taucht an anderer Stelle wieder auf. Das muss man sich bewusst machen und immer wieder lernen, darauf gelassen zu reagieren. Dieser Lernprozess ist häufig von Konflikten begleitet. Und obwohl er sich lohnt, weil am Ende der Mensch wieder im Zentrum der Prozesse steht und nicht der Prozess im Zentrum des Menschen, kann er auch für Reibung sorgen, die nicht nur Wärme entfacht, sondern bisweilen das Potenzial hat, hier und da zu überhitzen. Mit der Heim- oder Remote-Arbeit gehen Herausforderungen einher, auf die es noch immer keine allumfassenden Antworten gibt.

Probleme gibt es nämlich viele: Immer wieder wird von Isolation gesprochen. Keine Kollegen im Raum zu haben, bedeutet, die meiste Zeit des Tages kein soziales Leben zu führen. Das Bild des Heimarbeiters, der im bekleckerten Feinripp-Hemd sitzend mit sich selber spricht, drängt sich auf. Auch dass die Disziplin flöten geht, sobald der Schreib- gegen den Küchentisch getauscht wird, steht im Raum. Beides betrifft mich jedoch überhaupt nicht. Ein viel größeres Problem, dem ich mich schon oft gegenüber gesehen habe, ist der Umstand, dass mit der räumlich getrennten Arbeit eine Form der Unsichtbarkeit im Team entsteht. Dass man da ist und womit man sich beschäftigt, wird über Kilometer hinweg und per Internet nicht unbedingt deutlich. Es fehlt das Zwischenmenschliche, geteilte Freude sowie das Gemotze über die Tische hinweg.

„Ein Nachteil der Heimarbeit ist, dass die Mitarbeiter und was sie leisten oft nicht gesehen werden.“

Erst kürzlich hat der Arbeitsforscher Nicolas Bloom dazu ein interessantes Statement im Rahmen einer Stanford-Studie fallen lassen: „Ein Nachteil der Heimarbeit ist, dass die Mitarbeiter und was sie leisten viel zu oft nicht gesehen werden.“ Home-Office oder Büro, wo sind die Mitarbeiter besser aufgehoben? Dieser Frage sind er und sein Forscherteam nachgegangen, indem sie 500 Angestellte einer Reiseagentur in ihren jeweiligen Arbeitsumgebungen beobachtet und deren Befinden untersucht haben. 250 Personen haben alleine und die anderen 250 mit Kollegen gearbeitet. Obwohl auch er viele Vorteile nachweisen konnte – die Agentur hat 2.000 US-Dollar an Bürokosten pro Jahr gespart, die Mitarbeiter waren daheim um 13 Prozent effizienter als im Büro, haben kürzere Pausen gemacht und waren trotzdem weniger krank –, gab es gehörige Nachteile.

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Eine Reaktion
HektoPascal

Hallo Andreas, schöner Artikel zum Thema Remote-Work. Ich finde, du bringst es am Ende genau auf den Punkt. Jedes Szenario ist unterschiedlich und die Vor- und Nachteile des Home-Office können individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Letztendlich muss es jeder für sich selbst herausfinden. Ich könnte mir einen 9to5 Job im Büro nicht mehr vorstellen. Meine Erfahrungen habe ich hier geschildert http://hektopascal.net/gehst-du-noch-ins-buero-oder-arbeitest-du-schon/

LG
Pascal

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